Berlin Daily 18.10.2018
Eröffnung: HAUS am KLEISTPARK | Projektraum

Donnerstag | 18.10.2018 | 19 Uhr: 1980. In Berlin. Fotografien von Heiko Sievers (19.10.2018 bis 9.12.2018)
HAUS am KLEISTPARK, Grunewaldstr. 6 – 7, 10823 Berlin

(Einspieldatum: 10.12.2017)

Verschwiegener Rebell: Yves Tanguy in der Sammlung Scharf Gerstenberg

bilder

Man Ray
Yves Tanguy, 1929
Heinz Joachim Kummer-Stiftung, Köln
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Als Peggy Guggenheim mit ihrer Affäre prahlte, wurde er sauer. Indiskretion entsprach nicht seinem Stil. Umso dezenter er sich bezüglich seines Privatlebens verhielt, umso rebellischer erprobte Yves Tanguy die Grenzen der Kunst. Bis zum 8. April 2018 widmet sich die Sammlung Scharf-Gerstenberg Werk und Leben des Künstlers, der stark geprägt war von der Mythenwelt der Bretagne, der Heimat seiner Familie.

Der Ausstellungstitel „Im Reich des Misteldruiden“ geht daher zurück auch auf den Spitznamen, den seine Freunde Tanguy anlässlich der ersten internationalen Surrealismus-Ausstellung verliehen. Heute zählt der Maler zu den berühmtesten Vertretern der surrealistischen Bewegung.

Die Berliner Schau, kuratiert von Kyllikki Zacharias, Direktorin der Sammlung Schar-Gerstenberg, legt erstmals in Deutschland den Schwerpunkt auf das druckgraphische Werk Tanguys. Die Exponate stammen überwiegend aus der umfangreichen Kölner Sammlung von Heinz Joachim Kummer, der seit dreißig Jahren mit Leidenschaft nicht nur die Arbeiten, sondern auch Fotos, Kataloge, Objekte u.a. des Künstlers sammelt. Es ist eine bibliophile Ausstellung, die viel Muße erfordert, aber dafür mit außerordentlichen Kleinoden belohnt.


Im Reich der Misteldruiden. Das grafische Werk von Yves Tanguy
Ausstellungsansicht, 2017
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker


„Was ist der Surrealismus? Das ist das Erscheinen Yves Tanguys, gekrönt von einem großen smaragdgrünen Paradiesvogel“, schrieb der Künstlerfreund André Breton. Tatsächlich standen Tanguys Haare meist frech vom Kopf ab, wenn er den Freunden Jacques Prévert und dem Hotelierssohn Marcel Duhamel vor der Kamera blödelte.

Das Trio teilte sich – finanziert von Duhamel – von 1923 bis 1929 ein kleines Haus am Montparnasse. Es waren freie und unbeschwerte Jahre, in denen die Freunde täglich ins Kino gingen, exzessiv feierten, das Leben umarmten. Es war eine inspirierende Zeit, die viel Kreativität freisetzte. Während Prévert begann zu schreiben, verspürte Tanguy, nachdem er einen Tuschkasten geschenkt bekommen hatte, den Drang zu malen.

Der Autodidakt entwickelte schnell und sicher einen eigenen Stil und schuf amorphe gewölbte abstrakte Formen, von denen einige an Fabelwesen erinnern. Ebenso erprobte er – angeregt von den Schriften Freuds – das automatische Malen ohne rationale Kontrolle. Von seinen Experimenten mit der Decalcomanie, einem Abklatschverfahren, bei dem ein Papierbogen auf ein mit wässeriger Farbe bestrichenes Zeichenblatt gelegt und dann wieder abgezogen wird, etwa zeugt die Arbeit „Paysage“ in der Ausstellung.


Yves Tanguy
Illustration für „Dormir dormir dans les pierres“ von Benjamin Péret, Paris 1927
Sammlung Kummer, Köln
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Im Jahr 1926 geriet Tanguy in den Kreis des Surrealisten Bretons, dem er die Treue hielt, auch wenn das letztendlich den Bruch mit Prévert und Duhamel für ihn bedeutete.

Doch obwohl die finanzielle Lage ohne die Unterstürzung Duhamels für ihn prekär war, malte Tanguy unermüdlich. Materieller Erfolg interessierte ihn nicht, stattdessen hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Ab 1932 wandte er sich der Druckgrafik zu und fertigte Radierungen für befreundete Schriftsteller wie Tristan Tzara und Paul Eluard an, von denen zahlreiche in der Ausstellung zu sehen sind.

Endgültig stellte sich der Erfolg erst nach der Emigration 1939 in die USA ein, wo er die Malerin Kay Sage heiratete, die er zuvor in Paris kennengelernt hatte. „Yves and Kay in their Studios“, so der Titel einer Tuschfederzeichnung und Collage aus dem Jahr 1949, die in besonderem Maße die Beziehung des Paares versinnbildlicht: jeder für sich und doch innig verbunden. Die Amerikanerin hatte sich übrigens, noch bevor sie Tanguy kennenlernte, in eines seiner Werke verliebt.

Ausstellungsdauer: 8. Dezember 2017 – 8. April 2018

Sammlung Scharf-Gerstenberg
Schloßstraße 70, 14059 Berlin
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr

Inge Pett

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Daten zu Yves Tanguy:


- Art Basel 2013
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- Solomon R. Guggenheim Collection


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Titel zum Thema Yves Tanguy:

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Ausstellungsbesprechung: Als Peggy Guggenheim mit ihrer Affäre prahlte, wurde Yves Tanguy sauer. Indiskretion ...

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