(Einspieldatum: 01.05.2018)

Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan

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Gonur Depe, rekonstruierter Bereich des Palastes, „Audienzhallen“, © Herlinde Koelbl

Um fünf Uhr in der Frühe standen sie auf, um zwei Stunden lang durch die Karakumwüste zu „ruckeln“. Alles, um das perfekte Licht des Sonnenaufgangs nicht zu verpassen. „Das Licht“, sagt die Fotografin Herlinde Koelbl, „erweckt die Stadt zum Leben, offenbart deren Strukturen.”

Die Stadt, von der sie spricht, heißt Gonur Depe, liegt in Turkmenistan und war Zentrum einer bronzezeitlichen Zivilisation. Bereits vor 4000 Jahren war die in einem fruchtbaren Flussdelta gelegene Stadt über Vorläufer der Seidenstraße an China, Indien, den Iran und den Vorderen Orient angebunden – wie eine „Spinne im Netz der Wege“. Matthias Wemhoff, der diesen Vergleich zieht, ist Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte.

Herlinde Koelbl hätte keinen besseren Reisebegleiter als ihn für ihre Exkursionen in das historische Margiana finden können. Die Landschaft beflügelt die Phantasie der Archäologen. Warum das so ist, versteht, wer die Ausstellung „Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“ gesehen hat. Im Neuen Museum auf der Berliner Museuminsel präsentiert sie bis zum 7. Oktober die Kulturschätze dieser frühen Hochkultur. Die Funde von Gonur Depe haben erstmals überhaupt ihre Heimat verlassen. Dazu zählen Grabgaben aus den mit Mosaiken ausgeschmückten „Königsgräbern“, darunter handwerklich ausgefeilte Waffen, Schmuck, Prunkwagen und Becher, aber auch exotische Objekte und Materialien, die vom Kontakt zu fernen Regionen zeugen.

Ganz spontan hatte Koelbl ihre Teilnahme an dem Projekt zugesagt, obwohl sie Turkmenistan erst einmal auf der Karte suchen musste, wie sie bekennt. Nur wenig ist bekannt über die zentralasiatische ehemalige Sowjetrepublik. Dank reicher Erdöl- und Erdgas-Vorkommen erlebt das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Tourismus gibt es bislang jedoch so gut wie nicht; das Land ist abgeschottet und verschlossen.

Dementsprechend zogen sich auch die Verhandlungen mit den turkmenischen Behörden hin, die der zweiwöchigen Reise der Künstlerin und des archäologischen Teams im Januar vorausgegangen waren. Auch, was die Wahl der Exponate betraf, bestand nicht immer Einigkeit. Nur schwer konnten die deutschen Archäologen den turkmenischen Kulturpolitikern klarmachen, dass die historischen Wasserleitungen einen „Schlüssel zum Verständnis der Stadt“ bildeten.

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Figurine eines Raubvogels aus Gonur Depe, Grab 3200 der Königsnekropole, Ende 3. - Mitte 2. Jtd. v. Chr., Fayence, Gold, Gips, (modern), Leihgeber: Staatliches Museum Turkmenistans, Aschgabat© Herlinde Koelbl

Als Koelbl erfuhr, dass zweihundert Objekte zu fotografieren waren, musste die berühmte Portraitfotografin erst einmal schlucken. Doch sie nahm die Herausforderung an und rückte gemeinsam mit Manfred Nawroth, dem Kurator der Ausstellung, Stück für Stück in den Fokus, um diesen Leben zu entlocken: „Ich habe versucht, aus den Figurinen Emotionen herauszuholen.“ Und tatsächlich erscheinen einige der abgelichteten Objekte nahezu beseelt. So etwa eine geometrisch gestaltete Raubvogel-Fayence mit goldenem Körper, die es der Künstlerin besonders angetan hatte.

Aber natürlich wäre Herlinde Koelbl nicht Herlinde Koelbl, wenn sie die Menschen in Turkmenistan außer Acht gelassen hätte. Als das Team auf ein geschmücktes Hochzeitsauto stieß, bat sie den Fahrer, auf der Stelle zu wenden und dem Wagen zu folgen. So gelangte sie zu einem Haus, in dem Frauen die Braut für eine traditionelle Hochzeit schmückten. Niemand wunderte sich über die Anwesenheit der Fremden: Diese kam, sah – und fotografierte.

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Frau in turkmenischer Alltagstracht in Neu-Nisa, 2018, © Herlinde Koelbl

Um leichter Zugang zu den Menschen zu erhalten, hatte sie sich zwei russische Begriffe zurechtgelegt: das Adjektiv „schön“, mit dem sie ihre Bewunderung für Kleidung oder Schmuck auf den Punkt bringen und somit Türen öffnen konnte. Und den Imperativ „Nicht lachen!“, denn gekünsteltes Lachen steht keinem Portrait gut. Das Foto einer aparten jungen Frau in turkmenischer Alltagstracht, die keck und schüchtern zugleich für die Fotografin Modell sitzt, demonstriert Koelbls Gespür für das Menschliche und Zwischenmenschliche vor ihrem Objektiv: „Mich faszinieren Präsenz und Konzentration der Menschen“.

Auch wenn der Koelbels Blick und der der Archäologen zuweilen auseinander liegen - „Ich begreife nicht, wie man bei einer Scherbe so aus dem Häuschen geraten kann“ - gingen künstlerische und wissenschaftliche Neugierde letztlich eine fruchtbare Symbiose ein. Auf die Frage, ob diese Art der Kooperation Zukunft habe, geben Koelbl und Wemhoff unisono zu verstehen: „Fortsetzung nicht ausgeschlossen.“ Eine gute Botschaft, nicht nur für die Margiana-Besucher.

Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan | Mit Fotografien von Herlinde Koelbl

Ausstellungsdauer: 25. April – 7. Oktober 2018
Museumsinsel Berlin, Neues Museum
Bodestraße, 10178 Berlin
Mo, Di, Mi, Fr 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr

www.smb.museum

Inge Pett

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Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan
Ausstellungsbesprechung: Um fünf Uhr in der Frühe standen sie auf, um zwei Stunden lang durch die Karakumwüste zu „ruckeln“. Alles, um das perfekte Licht des Sonnenaufgangs nicht zu verpassen.

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Anlässlich der Neueröffnung des Neuen Museums, hier nochmals unser Video vom März 2009, das einen Blick in das völlig leere Museum gewährt.

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