(Einspieldatum: 02.05.2018)

Hallo Welt – Der Hamburger Bahnhof öffnet sich einer globalen Gegenwart

Hello World. Revision einer Sammlung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart


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Ausstellungsansicht Hello World. Revision einer Sammlung / Ankunft. Einschnitt, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 2018, © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Matthias Völzke

Es ist kein großes Geheimnis, dass die Sammlungen von Museen moderner Kunst in Europa und den USA hauptsächlich durch drei Charakteristika gekennzeichnet sind: männlich, weiß, westlich. Ob es sich nun eine Sammlungspräsentation in Deutschland, Frankreich oder in den USA handelt, ist relativ egal, überall stößt man auf die beinah obligatorischen Werke von Monet, Klee, Picasso, Richter, Pollock oder Newman. Einen Versuch, diesen Kanon offensiv aufzubrechen, macht die neue Ausstellung „Hello World. Revision einer Sammlung“ im Hamburger Bahnhof. Über die gesamte Ausstellungsfläche von 10.000 m2 geht ein Team von dreizehn internen sowie externen Kurator*innen der Frage nach, wie die Sammlung der Nationalgalerie heute aussähe, „hätte ein weltoffeneres Verständnis ihre Entstehung und ihren Kunstbegriff geprägt“.

Die Sammlung selbst als Protagonist. Dabei steht nicht im Vordergrund, wer wann aus welchen Beweggründen und unter welchen Umständen welche Werke erworben (oder eben nicht erworben) hat; welche politischen, gesellschaftshistorischen und nicht zuletzt kunsthistorischen Entscheidungen dazu führten, dass die Sammlung der Nationalgalerie (die heute die Alte Nationalgalerie, die Neue Nationalgalerie, das Museum Berggruen, die Sammlung Scharf-Gerstenberg, den Hamburger Bahnhof und in Zukunft auch das Museum des 20. Jahrhunderts umfasst) heute so ist wie sie ist. Der Blick richtet sich nicht in die Vergangenheit, verhandelt wird vielmehr der gegenwärtige Status quo der Sammlung beziehungsweise deren Konjunktiv: Wie könnte sie heute aussehen, wenn die Ankaufspolitik weniger eurozentrisch geprägt gewesen wäre?

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Ausstellungsansicht „Hello World. Revision einer Sammlung“ / Plattformen der Avantgarde, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 2018, © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Thomas Bruns, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Dreizehn exemplarische Fallstudien zeigen in der Ausstellung, so der Anspruch der Leiterin des Hamburger Bahnhofs Gabriele Knapstein und des Direktors der Nationalgalerie Udo Kittelmann, wie eine Öffnung des westlichen Kanons funktionieren könnte. Ausgehend von einzelnen Künstlerpersönlichkeiten, Kunstströmungen und transkulturellen Beziehungen, welche die Sammlung definieren, die aber bis dato kaum beachtet wurden, werden neue Kunst-Geschichten erzählt. Im Kapitel „Plattformen der Avantgarde“ rückt Knapstein beispielsweise die Künstlergruppe Mavo in Tokio und deren enge Verknüpfung zu Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm“ in den Fokus. Clémentine Deliss zeigt im Kapitel „Vom Feld zur Fabrik“ die stark von kommunistischen Idealen geprägten Werke von Heinrich Vogeler und stellt sie Werken des armenischen Geistlichen Komitas Vardapet gegenüber. Natasha Ginwala widmet sich hingegen der indischen Moderne im frühen 20. Jahrhundert und bringt dabei Werke aus der Sammlung der Nationalgalerie (Anish Kapoor und George Grosz) mit Werken aus dem Museum für Asiatische Kunst (J. Sultan Ali, Avinash Chandra oder Laxman Pai) zusammen.

250 Künstler*innen vereint diese Mammut-Ausstellung und fast 800 Exponate, wobei etwa ein Viertel davon aus der Sammlung der Nationalgalerie stammt. Geboren wurde die Idee zur titelgebenden „Revision“ dabei nicht von der Institution selbst, sondern von der Kulturstiftung des Bundes, deren Künstlerische Direktorin Hortensia Völckers einen derartigen Blickwechsel vor mehreren Jahren anregte. Im Rahmen des Programms „Museum Global“ (kulturstiftung-bund.de/museumglobal) fördert die Stiftung bis dato vier große Museen mit jeweils 800.000€ – neben dem Hamburger Bahnhof auch das MMK in Frankfurt, das K20 in Düsseldorf und das Lenbachhaus in München.

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Ausstellungsansicht „Hello World. Revision einer Sammlung“ / Die tragbare Heimat, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 2018, © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Thomas Bruns

Mit „Hello World“ ist die Berliner Nationalgalerie sicher nicht am Ziel. Die monumentalen Ausmaße und die damit einhergehende Unüberschaubarkeit der Ausstellung sind vielleicht der Tatsache geschuldet, dass es sich hier um einen ersten Schritt in die richtige Richtung handelt und noch nicht um das Ergebnis eines umfassenden Prozesses. Dieser erste Schritt ist aber mehr als willkommen und es bleibt zu hoffen, dass er auch alle zukünftigen Ausstellungen prägen wird. Sollte dies gelingen, könnte sich „Hello World“ als Meilenstein der Ausstellungsgeschichte erweisen.

Hello World. Revision einer Sammlung
28.04.2018 – 26.08.2018
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
Invalidenstraße 50–51, 10557 Berlin

Anna Wegenschimmel

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