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    Berlin Daily 18.07.2018
    Kuratorenführung
    16 Uhr: im Rahmen der Ausstellung. An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens
    Kunstraum Kreuzberg/Bethanien | Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

(Einspieldatum: 20.06.2018)

Bodies of Work – Katharina Gruzei dokumentiert die Linzer Schiffswerft

Werkabbildung

Katharina Gruzei, aus der Serie Bodies of Work, 2017, © Bildrecht Wien, 2018

Es muss unglaublich laut sein in der 140 Meter langen Bauhalle der Linzer Schiffswerft – der letzten ihrer Art an der österreichischen Donau. Seit ihrer Gründung im Jahr 1840 wurden dort bis dato über 1.500 Schiffe gebaut, wobei sich die Produktionsbedingungen im Laufe der Zeit naturgemäß stark verändert haben. Die Linzer Künstlerin Katharina Gruzei hat für ihre Ausstellung „Bodies of Work“ über einen Zeitraum von zwei Monaten die Werft besucht und fotografiert. Noch bis 19.8. zeigt das LENTOS Kunstmuseum Linz vierzig Arbeiten dieser Serie. Der mutmaßlich hohe Lärmpegel verschwindet in den Fotografien allerdings völlig: Gruzeis Bilder vermitteln einen Eindruck von Ruhe und Schwerelosigkeit.

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Katharina Gruzei, aus der Serie Bodies of Work, 2017, © Bildrecht Wien, 2018

Die Künstlerin, die in Linz, Kalifornien und Berlin studierte und neben Fotografie auch mit Bewegtbild, Installationen und Sound arbeitet, versuchte für das Projekt, möglichst unvoreingenommen die Werft zu besuchen, wie sie selbst erzählt. So könne man sich rein auf das Visuelle der dort stattfindenden Arbeitsprozesse konzentrieren und ganz unbefangen die Frage stellen: Was sehe ich, was passiert hier? Dabei eröffneten sich für Gruzei zahlreiche visuelle Analogien zur Raumfahrt, die sie auf äußerst überzeugende Art in ihren Fotografien transportiert. Vom kugelförmigen Pressluftcontainer, der an eine Raumkapsel erinnert, über große Schiffsbauteile, die schwerelos durch die Luft zu fliegen scheinen, bis hin zur Schutzkleidung eines Arbeiters, die leicht mit einem Raumanzug verwechselt werden könnte. Am deutlichsten zeigt sich die Analogie wohl in jener Fotografie, für die Gruzei mithilfe einer Leiter vom höchsten Punkt der Halle aus die Schiffsbauhalle im Überblick festhält. Das zu dem Zeitpunkt im Bau befindliche Fährschiff, dessen Unterseite auf dem Bild zu sehen ist, könnte als Modell für ein futuristisches Raumschiff in einem Science-Fiction-Film herhalten.

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Ausstellungsansicht Katharina Gruzei, LENTOS Kunstmuseum Linz, 2018, Foto: maschekS.

Formalästhetisch erinnern die detailreichen Digitalfotografien an die Düsseldorfer Fotoschule – etwa an die Werke Thomas Struths, die vor zwei Jahren im Martin-Gropius-Bau zu sehen waren. Struth setzt sich immer wieder mit industriellen Produktionsanlagen, Forschungslaboren und auch explizit mit der Entwicklung der Raumfahrt auseinander. Während es ihm dabei mehr um die eindrücklichen wissenschaftlich-technischen Errungenschaften unserer forschungsaffinen Gegenwart geht, stellt Gruzei hingegen den titelgebenden „Arbeiterkörper“ in einem anachronistisch wirkendem Setting in den Vordergrund: Handwerkstradition in einem mittlerweile hochtechnologisierten Metier. Die Werft war zu Gründungszeiten vor beinahe 180 Jahren von manueller Arbeit geprägt, heute wird ein Großteil der Arbeit von Maschinen übernommen. Dennoch ist das menschliche Zutun nach wie vor unverzichtbar, wie Gruzei in den Werken hervorhebt. Deutlich wird das in ihren Porträts der Handwerker, dem Schweißer bei der Arbeit oder dem in einer Schiffsschraube stehenden Monteur. Die Künstlerin zeigt damit einerseits wie aufwändig und technisch ausgeklügelt sich die Konstruktion eines Schiffes gestaltet (in der Linzer Werft werden jährlich nicht mehr als ein bis zwei Schiffe gefertigt) und eröffnet gleichzeitig Fragen nach Arbeitsbedingungen im technologischen Zeitalter.

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Katharina Gruzei, aus der Serie Bodies of Work, 2017, © Bildrecht Wien, 2018

Gruzeis Fotografien sind keine objektiv-sterilen Dokumentarfotografien und doch vermitteln sie Eindrücke von einer Welt, die dem öffentlichen Blick im Normalfall nicht zugänglich ist. So wissen wohl auch die wenigsten Linzer*innen, dass die Schiffswerft überhaupt existiert. All jenen (und den übrigen noch viel mehr) sei diese Ausstellung wärmstens ans Herz gelegt! Zur Finissage der Ausstellung wird eine Publikation präsentiert, von der man sich weitere Informationen zu diesem spannenden Projekt erhoffen darf.

Katharina Gruzei. Bodies of Work
LENTOS Kunstmuseum Linz
15.6. – 19.8.2018
lentos.at


Anna Wegenschimmel

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Titel zum Thema LENTOS Kunstmuseum Linz:

Bodies of Work – Katharina Gruzei dokumentiert die Linzer Schiffswerft
Ausstellungsbesprechung: Von einem Ausflug nach Linz ...

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