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    Berlin Daily 18.07.2018
    Kuratorenführung
    16 Uhr: im Rahmen der Ausstellung. An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens
    Kunstraum Kreuzberg/Bethanien | Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

(Einspieldatum: 08.07.2018)

Was für ein Licht wollen wir? Jenny Brockmann in der Orangerie des Schloss Charlottenburg

Werkabbildung

Jenny Brockmann: Studie zur Opazität, verschiedene Materielien, 2018 (Foto: Bernd Hiepe)

„Mich fasziniert Opazität“, betont Jenny Brockmann. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Trübung und Beschattung. Das Geheimnisvolle bilde das Gegenteil von Transparenz, so die Künstlerin. Und darum, mehr Transparenz zu erreichen, gehe es ihr in Ihren Projekten, die sich an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft bewegen.

„Of Colour and Light“ lautet der Titel ihrer jüngsten partizipatorischen Ausstellung, die für knapp neun Wochen in der Kleinen Orangerie des Berliner Schloss Charlottenburg zu sehen ist. Sechs mit Spree-Wasser gefüllte Container reihen sich in dem lichten langgestreckten Raum aneinander und bilden eine langgestreckte Kurve. Dabei korrespondieren die Raster der skulptural angeordneten Container mit der Fensterfront des Gewächshauses.

Alle Behälter sind in einer anderen Farbe des Bunttonkreises beleuchtet; das Farbspektrum reicht dabei von rot über blau bis grün und wird ergänzt durch die Komplementärfarben türkis, purpur und gelb. Es ist wissenschaftlich gesichert, dass der Mensch drei Grundfarben unterscheiden kann, da die Sinneszellen der Netzhaut für drei unterschiedliche Farben ausgelegt sind.

Der unvorbereitete Besucher jedoch nimmt erst einmal die Raumwirkung wahr, reagiert auf die einzelnen Farben: positiv, negativ oder indifferent.

Die jeweilige Lichtfarbe wird auch die im Spreewasser enthaltenen, sich im Ausstellungsverlauf vermehrenden Mikroorganismen beeinflussen, vermutet die Künstlerin. Ein Prozess, den der Besucher aktiv mitverfolgen kann. Anhand der zur Verfügung gestellten Geräte kann er selber Wasserproben nehmen und die Algen und andere Partikel analysieren. So verknüpft sich die ästhetische Erfahrung mit der biologischen und physikalischen Erkundung des Spreewassers und des Lichts.

„Vielleicht stellt sich der Besucher so die Frage, wie wir generell das Licht in unseren Städten wahrnehmen“, hofft die Künstlerin. Wie wir mit dem Fakt umgingen, dass es im Stadtraum quasi keine Nacht mehr gebe, dass das Licht rund um die Uhr uns präge.

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Jenny Brockmann & Dark Knowledge Group: Laborstation #2, 2018 (Foto: Bernd Hiepe)

Jenny Brockmann hat das Experiment gemeinsam mit der Berliner DARK KNOWLEDGE GROUP konzipiert. Die Gruppe setzt sich überwiegend aus Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) der Freien Universität Berlin zusammen. Deren Ziel ist es, die wachsende Kluft zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftliche tatsächlich verfügbarem Wissen möglichst weit zu schließen. Gerade die digitale Vernetzung und Big-Data-Analysen lassen das Volumen potenziellen Wissens in unvorstellbare Dimensionen wachsen. Doch ein Großteil dieses Wissens kommt nicht in der Gesellschaft an. Es liegt ungenutzt im Dunkeln.

Künstlerin und Wissenschaftler befördern nun ein Stück dark knowledge mit ihrem gemeinsamen Experiment im Wortsinn ans Licht. Dabei führen sie verschiedene Aspekte zusammen – und dem Besucher vor Augen. Etwa den, dass wir alle auf ökologische Zusammenhänge einwirken und damit letztlich den Klimawandel und die Umweltverschmutzung mitverantworten. Die Veränderung der Wasserfarbe erleichtert die Wahrnehmung abstrakt beschriebener Prozesse. Der Beobachter, so wünscht sich Jenny Brockmann, könnte Fragen entwickeln: Was bewirkt das Farbenspiel von Licht und Wasser in mir? Welches Licht will ich eigentlich?

Die Installation „Of Colour and Light“ wird ergänzt durch den „Sitz #6“ – auch dies ein Experimentalsystem in Sachen Wahrnehmung. Jenny Brockmann nutzt es bereits für diverse interdisziplinäre Diskussionen. Sechs Personen finden auf den Speichen der metallenen Sitzskulptur Platz. Deren Achsen laufen an einem zentralen Dreh- und Angelpunkt zusammen wie bei einer 360-Grad-Wippe. Anders als beim klassischen Round Table verändert sich durch jede Bewegung eines Teilnehmers die Position aller anderen Sitze und damit auch der Sitzenden. Diese sind nicht nur durch Worte, sondern auch durch körperliche Schwingungen miteinander verbunden, nehmen einander physisch wahr, reagieren aufeinander und verändern so sprichwörtlich den Standpunkt.

Auch am Vernissage-Abend fand auf dem Sitz #6“ ein reger Austausch zwischen Jenny Brockmann und den Wissenschaftlern der DARK KNOWLEDGE GROUP statt. Jeder der Teilnehmer beleuchtete dabei einen Aspekt ihrer jeweiligen Forschungsgebiete, der direkt oder indirekt mit dem Experiment in der Orangerie in Beziehung steht.

Die Biologin Stella Berger berichtete, dass bei ihren Forschungen im Seelabor am Stechlin einige Daten nicht ausgewertet würden, wodurch sich unweigerlich Dark Knowledge bilde. Der Physiker und Lichtforscher Christopher Kyba wiederum reflektierte die in unserer künstlich beleuchteten Lebenswelt selten gewordene Erfahrung, sich in Dunkelheit aufzuhalten. Er vermutet, dass diese fehlende Erfahrungen uns auch eine Einbuße menschlicher ´Funktionsfähigkeit` nach sich ziehen könnten. Die Ökosystemforscherin Ulrike Scharfenberger wiederum betonte die Wichtigkeit eines Allgemeinverständnisses für die Konzepte von Variabilität und Unsicherheit, um so fundamentale Missverständnisse im Informationstransfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu vermeiden. Und Jenny Brockmann ging schließlich der Frage nach, was Opazität und Transparenz in Bildender Kunst, Tanz und Musik bedeuten, welche Auswirkungen sie auf die Künste haben und welche Fakten sie generieren.

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Jenny Brockmann, Raumansicht, © Jenny Brockmann

Für alle Teilnehmer war die Performance eine neuartige Erfahrung. Alleine auf dem Sitz die Balance zu halten und fachfremden Kollegen die Arbeit ohne Präsentationsmittel vorzustellen, so das Resümee, habe eine Herausforderung dargestellt.

Nachdem die Wissenschaftler und die Künstlerin sich in der Orangerie austauschten und ihren Standpunkt ausbalancierten, bot sich den Passanten am Spandauer Damm ein besonderer Anblick: Durch die gläserne Wand der Orangerie leuchtete es in allen Farben des Regenbogens.

Kleine Orangerie am Schloss Charlottenburg
Spandauer Damm 22
14059 Berlin-Charlottenburg
t 030 | 90 29 16704
https://kommunalegalerie-berlin.de/

Di bis So | 12 – 18 Uhr
Eintritt frei

5. Juli bis 2. September 2018

Inge Pett

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