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Berlin Daily 15.11.2018
Gespräch

19 Uhr: Johannes Huenig Journalist / Max Dudler im Rahmen der Ausstellung Max Dudler. Räume erzählen
Architektur Galerie Berlin / SATELLIT | Karl-Marx-Allee 98 | 10243 Berlin

(Einspieldatum: 31.10.2018)

II.II.I8 Dämmerung

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Außenansicht, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung

Pfarrer Martin Germer zögerte nicht lange. Als er von der Foto-Kreuz Skulptur der Künstlerin Bettina WitteVeen erfuhr, wusste er: „Die Gedächtniskirche ist der richtige Ort, um dieses Werk zu zeigen“.

Und dies nicht nur, weil WitteVeen Fotos der blauen Fenster integriert hat, für die der von Egon Eiermann entworfene Sakralbau auf dem Berliner Breitscheidplatz bekannt ist. Der Ort als solcher korrespondiert mit der Botschaft Bettina WitteVeens auf nachhaltige Weise.

Während die Turmruine der kriegszerstörten ursprünglichen Kaiser Wilhelm-Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg zum weltberühmte Mahnmal für den Frieden wurde, ist auch der Breitscheidplatz als Ort der Versehrtheit im kollektiven Bewusstsein verankert: Vor zwei Jahren erschütterte hier ein grausamer islamistischer Terroranschlag den inneren Frieden – nicht nur der Berliner – im Mark. Ein Riss im Boden auf dem Platz erinnert heute an die vielen Verletzten sowie die zwölf Todesopfer, deren Leben in der erwartungsvollen Vorweihnachtszeit ein jähes Ende fand.

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© Bettina WitteVeen,Im Schützengraben/Collage

„Mit meiner Kunst möchte ich die Menschen für die Opfer von Gewalt und Krieg sensibilisieren und zur Empathie und Achtsamkeit anregen“, erklärt WitteVeen. Bereits seit Jahrzehnten setzt sie sich mit dem Einfluss von Krieg, Gewalt und Völkermord auf Gesellschaft und Individuum auseinander. Ihre Installation „II.II.I8 Dämmerung“, die bis zum 25. November in der Kapelle der Gedächtniskirche zu sehen ist, erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.

Mit dem kreuzförmig arrangierten Raumensemble zollt die Künstlerin nicht zuletzt auch der schmerzvollen Historie des Ortes Respekt, wobei Form und Symbol des Kreuzes auf subtile Weise die gesamte Ausstellung durchziehen. Ihre Fotoskulptur hat WitteVeen der Zeichnung des Gekreuzigten von Ernst Barlach aus dem Jahr 1915 sowie dem Wander-Nagelkreuz von Coventry zur Seite gestellt. Das Symbol aus der Kathedrale von Coventry in England steht für das Verlangen nach völkerweiter Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zwei Bildschirme an der Eingangsseite zeigen Archivbilder von Soldaten und Zivilisten, die die Künstlerin zu aufwendigen Collagen zusammengesetzt hat. Die Personenbilder werden ergänzt durch eigene Fotos von Schlachtfeldern des Ersten und Zweiten Weltkrieges – heute farbenfrohe und friedliche Landschaftsidyllen. Lediglich das Margeritenfeld im Dämmerlicht, in das eine ferngesteuerte Kampfdrohne fliegt, zeigt wie verletzlich die Idylle ist. Mit diesem letzten kraftvollen Bild des Video-Loops verweist die Künstlerin auf Kriege, die noch weitaus grausamer und zerstörerischer sein könnten als die vergangenen konventionell geführten Weltkriege.

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© Bettina WitteVeen, Dämmerung IV/Collage

Die blühenden Schlachtfelder wiederum greift der mit Astern und Chrysanthemen bedeckte Altar auf. In müden Herbstfarben leuchtend werden diese, nur mäßig gewässert, im Laufe der Ausstellung verwelken. Schönheit und Verfall liegen dicht beieinander.

Akustisch wird die Installation durch eine Art Klangdusche ergänzt, aus der sich Gedichtfragmente in den Sprachen der Alliierten über den Besucher verbreiten. Eine babylonische Kakophonie oder die menschenverbindende Kraft von Kunst und Poesie? Auch hier scheint die Ambivalenz gewollt.

Doch die in Mannheim geborene Bettina WitteVeen, deren aktivistisches Kunstverständnis weit über das Atelier hinausgeht, bleibt verhalten optimistisch. Mit ihrem Erlebnisraum wirft sie die Frage nach den Querverbindungen zwischen 1918 und 2018 auf: „Was dämmert jetzt heraus?“ Eine Frage, wie sie dringlicher und relevanter kaum sein könnte. Und dies nicht nur in Berlin.

Ausstellungsdauer: 28. Oktober 2018 bis 25. November 2018

»II.II.I8 DÄMMERUNG«
Eine Installation von Bettina WitteVeen
zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren

Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche,
Breitscheidplatz, 10789 Berlin
www.bettinawitteveen.com

Inge Pett

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Titel zum Thema Bettina WitteVeen:

II.II.I8 Dämmerung
Ausstellungsbesprechung: „Mit meiner Kunst möchte ich die Menschen für die Opfer von Gewalt und Krieg sensibilisieren und zur Empathie und Achtsamkeit anregen“, erklärt WitteVeen.

II.II.I8 DÄMMERUNG - Eine Kunst-Installation von Bettina WitteVeen
Reflektionen zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren
Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin
28. Oktober bis 25. November 2018
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Götterfunken feuertrunken der Erlkönig: whiteout
Finissage. Samstag, den 30. Juni 2018 von 12–19 Uhr in Anwesenheit von Bettina WitteVeen
in der verbotenen Stadt Wünsdorf bei Berlin
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