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Berlin Daily 14.12.2018
Performance

19 Uhr: "Never Memorize Poems in Landscape Leeway" mit DFS + Donna Ogunnaike, Constanze Fischbeck und Didi Cheeka im Rahmen d. gleichnamigen Ausst.
Savvy Contemporary, Plantagenstr. 31, 13347 Berlin

(Einspieldatum: 22.11.2018)

Verwoben und geteilt

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Ausstellungsansicht / Mette Juul , Courtesy Galerie Kuchling

Flüchtiges festhalten – mit dieser menschlichen Sehnsucht setzen sich Mette Juul und Rasmus Søndergaard Johannsen in der aktuellen Ausstellung der Galerie Kuchling auseinander. Wie in einer begehbaren Installation werden insgesamt dreizehn Arbeiten präsentiert, die aus verschiedenen Materialien gestaltet und doch alle durch die Frage verbunden sind, wie eine Momentaufnahme eingefangen werden kann.

Die großformatigen Fotowände von Mette Juul zeigen Szenen aus ihrer Familie: vor einem Zelt (Woman coming out of tent, analoge Schwarzweißfotografie, 2017) oder beim Baumfällen (Family sawing root, analoge Schwarzweißfotografie, 2017). Rasmus Søndergaard Johannsen experimentiert mit der Belichtung von groben, aus Brennnesseln gewebten Webtextilien wie Lineated Luminary 08082017 (Brennnesseln, Cyanotypie, Robinienholz, Dachdeckerblei, 2017) oder verwebt Metall in einem geknoteten Nylonnetz (Close horizon, 2015). Sehr unterschiedliche Ansätze – auf den ersten Blick. Auf den zweiten finden sich Anknüpfungspunkte in der künstlerischen Auseinandersetzung der beiden dänischen Künstler, die sich auf Pariser JCE Biennale des letzten Jahres kennengelernt hatten, ihre jeweiligen künstlerischen Ansätze spannend fanden und so die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung entwickelten.

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Mette Juul, Mother cleaning son, 2017, Courtesy Galerie Kuchling

Mette Juul (*1977 in Randers geboren) studierte an der Funen Academy of Fine Arts in Odense und im Anschluss Fotografie an der Glasgow School of Arts sowie dem Royal Collage of Art in London. Die international vertretene Künstlerin lebt und arbeitet in Kopenhagen. Ihre Fotowände erzählen aus dem Leben ihrer Großmutter, sie nutzt Negative von Familienfotos, die sie in großer Zahl archiviert und bearbeitet. Vergrößert, hochgezogen, bis zu einer Stunde belichtet und auf Holzwände montiert, wirken die Fotoausschnitte wie Puzzel- oder Versatzstücke. Flüchtige Momente, die nicht wichtig scheinen und doch eine Geschichte erzählen, Vergangenes beleben und Erinnerungen an Eigenes erwecken. Die Bilder sind in der Galerie auch in unterschiedlichen, kleineren Formaten zu erwerben, ein schönes Angebot an die Besucher_innen.

Eine weitere Grundlage ihrer Arbeiten bilden kulturelle und soziale Zusammenhänge. Neben den sezierten Familienbildern verortet Mette Juul mit ihren objets trouvées – einer roten Agfa-Fotopackung Triptych I (Analoge Schwarzweißfotografie und zwei Fototüten, 2017) oder einer schwarzen Hülle für lichtempflindliches Fotopapier aus den 50er und 60er Jahren Triptych II (Analoge Schwarzweißfotografie und zwei Fototüten, 2017) – das Thema Fotografie als „generationsübergreifende Leidenschaft“. Die Künstlerin ist viel auf Reisen, auch ein Sammeln von Bildern und Materialien, Begegnungen und Eindrücken. Sie betont, wie wichtig ihr aber auch immer das Wiederzurückkommen sei. „So I think the travel goes both ways: there’s a travelling out but there’s also a travelling back.“ Für Mette Juul greifen Objekte und Erfahrungen ineinander.


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Rasmus Søndergaard Johannsen, Lineated Luminary 2410, 2018, #2 (Detail), Courtesy Galerie Kuchling

Rasmus Søndergaard Johannsen (*1982 in Brovst geboren) wandte sich nach dem Studium der analogen Fotografie an der Fotografisk Skole in Aarhus sowie der Frankfurter Hfbk – Städelschule, hier war er Meisterschüler in der Klasse von Peter Fischli, der Fototechnik zu. Seinen Plan, eine Ausbildung zum Fotojournalisten zu durchlaufen, gab er schnell auf. „I wanted to be a photo journalist, but I was faking all the stories to make them fit to what I want to show“, berichtet er und auch von der Reaktion seiner Dozenten. „That’s exactly what you can’t do in photo journalism but exactly what you are supposed to do in art.“

So streift er nachts durch den Humboldthain am Gesundbrunnen, auf der Suche nach Stellen, an denen Brennnesseln wachsen. Diese sammelt, trocknet und verwebt er in seinem Atelier in Berlin zu Bildteppichen, bringt sie bei Vollmond wieder an die Fundstellen zurück und überlässt sie der Natur. Die groben Stoffe sind mit einer lichtempfindlichen Mischung aus Eisensalzen präpariert; Blätter, Käfer oder auch Schatten hinterlassen über diese Form der fotografischen Belichtung – der Cyanotypie - einen Abdruck auf den Textilien.

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Rasmus Søndergaard Johannsen, Close Horizon, 2015, Courtesy Galerie Kuchling

Auch seine Metallnetze der Serie Close Horizon (geknotetes Nylonnetz, Roses Metall, 2015) sind naturwissenschaftliche Anordnungen; er überlässt sie den Strahlen der Abendsonne, dem Wind und der Natur. Wieder konstruiert Johannsen das Grundgerüst, überlässt die Entfaltung des Kunstwerkes aus Wellen, Durchbrüchen und Verschmelzungen der Natur.

Eine sehenswerte und anregende Ausstellung, die durch Videointerviews mit den Künstlern von Diana Vishnevskaya und Igor Zwetkow weitere Einblicke in deren Arbeit ermöglichen und auf der Website der Galerie angesehen werden können.

Fixations
Mette Juul und Rasmus Søndergaard Johannsen

9.11.2018 – 11.01.2019

Galerie Kuchling
Karl-Marx-Allee 123
10243 Berlin
Di - Fr 14-19 Uhr / Sa 13-18 Uhr

Vom 15.12.2018 – 2.01.2019 bleibt die Galerie geschlossen.

Barbara Borek

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