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Berlin Daily 14.12.2018
Performance

19 Uhr: "Never Memorize Poems in Landscape Leeway" mit DFS + Donna Ogunnaike, Constanze Fischbeck und Didi Cheeka im Rahmen d. gleichnamigen Ausst.
Savvy Contemporary, Plantagenstr. 31, 13347 Berlin

(Einspieldatum: 24.11.2018)

Biografien der Bilder. Geschichten aus der Sammlung Berggruen

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Die Rückseite von Paul Klee’s „Lebkuchenbild“ mit Provenienzhinweisen
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger


Während eines Museumsbesuchs ist es bei Gemälden normalerweise die bemalte Seite der Leinwand, die aufmerksam betrachtet wird. Dass auch die Rückseite äußerst spannend sein kann, ist kunsthistorisch kein Neuland, aber in der Ausstellung "Biografien der Bilder. Provenienzen im Museum Berggruen. Picasso – Klee – Braque – Matisse" im Museum Berggruen", die sich mit der Sammlung des 2007 verstorbenen Kunstsammlers und Galeristen Heinz Berggruen beschäftigt, gewinnt sie nochmals eine eigene Gewichtung. Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes wurde die Provenienz, also die Geschichte der Herkunft von 135 Werken aus dem Bestand genau unter die Lupe genommen. Oftmals half die Rückseite der Gemälde, die Wege der Bilder von der Entstehung bis in die Sammlung nachzuvollziehen. Denn die rückseitigen Widmungen, Markierungen und Etiketten weisen auf Besitzwechsel und Ausstellungshistorie hin. In der Präsentation der Forschungsergebnisse sind manche Werke daher von beiden Seiten einsehbar. Für einen Moment kann in die Rolle der Forscher*innen geschlüpft werden, die das Puzzle aus Hinweisen auf dem Rahmen zusammensetzten.

Das Projekt verfolgte den Kontext diverser Werke von Pablo Picasso, Paul Klee, Henri Matisse, George Braque und Henri Laurens. Im Titel der von Sven Haase vom SMB Zentralarchiv und Doris Kachel vom Museum Berggruen kuratierten Ausstellung heißt es statt Provenienz allerdings „Biografie“. Eine treffende Formulierung, da sie nicht nur die Wanderung der Bilder, sondern auch ihren Bezug zum Lebensweg der Eigentümer*innen beschreibt. Die Bilder sind Zeitzeugen der Biografie Berggruens und zahlreicher weiterer Akteur*innen des sich herausbildenden Kunstmarktes im 20. Jahrhundert. Berggruen, der jüdischer Herkunft war, musste Deutschland 1936 verlassen und emigrierte in die USA. Elf Jahre später zog er nach Paris, 1996 kehrte er nach Berlin zurück. Seine Entscheidung, die Kunstsammlung im Jahr 2000 an die deutsche Stiftung Preußischer Kulturbesitz für weitaus weniger zu verkaufen als den geschätzten Wert, ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert. Den Großteil der im Fokus stehenden 135 Werke erstand Berggruen in den 1980er Jahren während seiner Pariser Zeit, in jedem Fall nach 1954.

Alle untersuchten Kunstwerke entstanden jedoch vor 1945. Ihre Geschichte nahm somit in einer Zeit ihren Lauf, die geprägt war von Krieg, Emigration, Enteignungen und Kunstraub während des Nationalsozialismus. Das zeigt sich auch in der Ausstellung. Ein Raum widmet sich dem deutschen und jüdischen Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler, dessen Biografie und Sammlungshistorie von beiden Weltkriegen geprägt ist: Im Ersten Weltkrieg wurde seine in Paris entstandene Sammlung von französischer Seite als Feindesgut beschlagnahmt, später musste er während der deutschen Besatzung Frankreichs untertauchen. An anderer Stelle wird der nationalsozialistische Kunstraub in Frankreich von vier Werken Picassos bezeugt, die im Besitz des Kunsthändlers Paul Rosenberg und des Sammlers Alphonse Kann waren. Nach dem Krieg erhielten die rechtmäßigen Eigentümer*innen ihre Werke zurück; Berggruen hatte sie erst später angekauft. Drei der Picassos befinden sich nun gegenüber einer zeitgenössischen Installation des Künstlers Raphaël Denis. Das Arrangement aus schwarzen Tafeln mit aufgezeichneten Inventarnummern steht stellvertretend für 87 vom deutschen Einsatzstab Reichsleiter (Alfred) Rosenberg geraubte Werke von Picasso. Als präsente Leerstellen im Raum erinnern sie an die Dringlichkeit einer Auseinandersetzung mit offenen Fragen der Provenienzforschung. Bei dem restlichen Bestand schlossen die Forscher*innen eine nationalsozialistische Enteignung aus oder erklärten sie als unwahrscheinlich.

Ein weiterer Picasso gab der Gruppe jedoch Rätsel auf: Ein und dasselbe Werk des Künstlers schien sowohl Alphonse Kann als auch Paul Rosenberg geraubt worden zu sein - ein Paradoxon. Der im Wandtext sogenannte „Krimi“ bzw. „Thriller“ klärt jedoch sogleich darüber auf: Bei der Untersuchung der Rückseite stellte sich heraus, dass beide Sammler nur den Druck besaßen und das Original in verschiedenen Museen der USA gastierte. Doch ist es wirklich eine gute Idee, Kunstraub als „Krimi“ zu inszenieren? Womöglich handelt es sich um den Versuch, die Ausstellung spannender zu gestalten. Intern hatte es im Vorfeld, wie der Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann sagte, Zweifel an der Attraktivität des Ausstellungskonzepts gegeben. Interessant wäre die Ausstellung auch ohne diesen „Kunstgriff“ gewesen. So gibt sie aufschlussreiche Einblicke in die Arbeit von Provenienzforschung, Biografien von Sammler*innen und das Umfeld der Künstler. Ganz zu schweigen von der Qualität der Werke selbst, die für sich spricht.

Aufschlussreich ist auch die Auseinandersetzung mit afrikanischen Werken aus der Sammlung Berggruens, die in einem gesonderten Raum präsentiert werden. Diese kuratorische Entscheidung wird in einem lesenswerten und interessanten Wandtext damit begründet, dass die Objekte nicht für Ausstellungen im westlichen Sinne kreiert wurden und eine diaolgische Gegenüberstellung mit Arbeiten der fünf anderen Künstler daher unangebracht wäre. Sowohl die Provenienz als auch die Datierung der Objekte ist bisher ungeklärt. Sie waren kein Bestandteil des dreijährigen Forschungsprojekts: Ihre Präsentation soll die Diskussion um den Umgang mit den Objekten anstoßen und sichtbar machen. „Biografien der Bilder“ zeigt eine nötige und gelungene Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung auf. Auf etwaige zukünftige Projekte des Museum Berggruen und weiterer Einrichtungen, welche die Geschichte(n) der Museen und ihrer Sammlungen beleuchten, darf gespannt gewartet werden.

Museum Berggruen
Schloßstraße 1, 14059 Berlin
Di, Mi, Do, Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr

Rabea Kaczor

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Titel zum Thema Sammlung Berggruen:

Biografien der Bilder. Geschichten aus der Sammlung Berggruen
Besprechung: Während eines Museumsbesuchs ist es bei Gemälden normalerweise die bemalte Seite der Leinwand, die aufmerksam betrachtet wird.

Pablo, Henri, Paul, Alberto und die anderen. Sammlung Berggruen wiedereröffnet.
Besprechung: Die Sammlung Berggruen im Erweiterungsbau des historischen Stülergebäudes wurde vergangenen Sonntag mit einem Tag der offenen Tür wiedereröffnet, der auf reges Interesse stieß.

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