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Berlin Daily 14.12.2018
Performance

19 Uhr: "Never Memorize Poems in Landscape Leeway" mit DFS + Donna Ogunnaike, Constanze Fischbeck und Didi Cheeka im Rahmen d. gleichnamigen Ausst.
Savvy Contemporary, Plantagenstr. 31, 13347 Berlin

(Einspieldatum: 27.11.2018)

Erfolge, Irrwege und Konflikte ...

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Raumansicht, © Stadtmuseum Berlin | Foto: Michael Setzpfandt

Auf 700 Quadratmetern präsentiert das Märkische Museum im Rahmen des Themenjahres 100 Jahre Revolution die Ausstellung Berlin 18/19 – Das lange Leben der Novemberrevolution. Gezeigt werden rund 60 Original-Objekte: Zeitungen, Grafiken, historische Fotos, Dokumente sowie Filmausschnitte.

Die multimedial angelegte Schau ist eine von über 250 Ausstellungen und Veranstaltungen, die in den nächsten Monaten in Berlin stattfinden. Sie bietet eine vielschichtige Begegnung mit dem Jubiläum. Die Stationen werden nicht nur chronologisch vorgestellt, vielmehr wird versucht, so erläutert Paul Spies, über „überraschende sowie provokative Interventionen, die zum Nachdenken anregen“, eine Verbindung zur Aktualität des Themas herzustellen. In drei Abteilungen werden die Ereignisse, Forderungen und Auswirkungen beleuchtet, ein Rundgang nimmt die Besucher_innen mit auf 100 Jahre Berliner Geschichte.

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Ernst Stern, Schüsse am Brandenburger Tor, Lithografie auf Japanbütten, 1919, © Stadtmuseum, Foto: Michael Setzpfandt

Revolutionsalltag führt direkt nach Berlin, ins Zentrum der deutschen Monarchie. Am 9. November 1918 brach hier an „nur einem Tag … die alte Ordnung zusammen.“ Nach dem Aufstand der Matrosen der Kaiserlichen Marine in Kiel formierten sich in der Hauptstadt die Gruppen und ihre Forderungen nach einer neuen Regierung. Ernst Stern, Mitglied der Berliner Sezession, hielt die Auseinandersetzungen in seiner Mappe Revolutionstag in Berlin fest. So illustriert das Blatt Schüsse am Brandenburger Tor (Lithografie auf Japanbütten, 1919) in dynamischen Linien die angespannte Situation an einem zentralen Platz der Stadt.

Die Folgen des Ersten Weltkrieges, der Millionen von Opfern gefordert hatte, das Leid, die extreme Armut, mangelnde Versorgung und Arbeitslosigkeit, bestimmten den Alltag. Die politischen Forderungen, Programme und Kämpfe prägten auch die künstlerischen Auseinandersetzungen. Heinrich Zille, der Chronist der kleinen Leute, skizziert auf seinem Blatt Frauen in der Kriegszeit (Lithographie auf getöntem Büttenpapier, 1918/19); Käthe Kollwitz sowie Harry Graf Kessler berichten in ihren Tagebüchern als Zeugen der Zeit sehr persönlich vom alltäglichen Geschehen (Hörstation mit nachgesprochenen Texten).

Die zweite Station zeigt die Gewalteskalation im Laufe der nächsten Monate. Hunderte Opfer forderten die Auseinandersetzungen. Revolutionäre Gruppierungen entstanden und wurden wieder entmachtet, die brutale Niederschlagung des Januaraufstandes sowie der Generalstreik im Februar 1919 bestimmten die Lage. Hans Baluschek skizziert das Geschehen, gibt unbekannten Menschen und Straßen eine Geschichte. Eine Straße in der Revolution (Bleistift auf Papier, 1919) hält weder Waffen noch Akteure fest, das Blatt zeigt getötete Frauen und Männer auf dem Bürgersteig liegend, neben ihren persönlichen Gegenständen.

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Hans Baluschek, Eine Straße in der Revolution, Bleistift auf Papier, 1919, © Stadtmuseum, Foto: Michael Setzpfandt

Was bedeutete die Berliner Revolution für die folgenden Jahrzehnte der Weimarer Republik, für die Zeit des Nationalsozialismus, später den kalten Krieg und die Teilung Deutschlands? Dieser Frage geht Projektionsfläche, der dritte Teil der Ausstellung, nach. Die Revolution endete im Frühjahr 1919, „ihr Nachleben hält weiter an“ und wird als „Motiv-Repertoire“ entweder „idealisiert oder dämonisiert“. Die revolutionären Strömungen beeinflussten gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, Programme, Manifeste, Aktionen folgten, Zeitschriften wurden gegründet, Theater, Verlage und Galerien entstanden. Mit dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht, erstmals auch für Frauen, der betrieblichen Mitbestimmung oder dem Achtstundentag wurden wichtige gesellschaftliche Umbrüche vorbereitet.

Die rechtskonservativen und nationalistischen Kräfte hatten jedoch auch nicht an Stärke verloren, die deutsche Geschichte nahm ihren Lauf. Dass sich später die Grundauseinandersetzungen wiederholten, die DDR erneut an die Arbeiterräte anknüpfen und die BRD wieder eine Gefahr im Bolschewismus sah ... ist ebenfalls Geschichte. Oder? Hier stellt die Ausstellung wichtige Fragen, auch mithilfe ihrer INTERVENTIONEN, Mitmachstationen, die auffordern, nachzudenken, sich einzubringen, auszuprobieren. Beispielsweise an der Doppelten Spiegelwand (Mitmachstation IV), die im letzten Themenbereich mit Bezug auf die Studentenbewegung 1968 auffordert: Marschieren Sie mit! und dann fragt: Möchten Sie selbst Teil einer Bewegung sein? … Wann gehen Sie in der Masse unter?

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Raumansicht, © Stadtmuseum Berlin | Foto: Michael Setzpfandt

Die Ausstellung versucht mit den ausgesuchten Objekten, den Hörstationen und Interventionen sowie dem Studio Revolution für Jugendliche, „eine differenzierte öffentliche Auseinandersetzung über die Erfolge, Irrwege und Konflikte“ zu ermöglichen. „100 Jahre nach der Novemberrevolution und fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung“ wollen die Kuratoren Martin Düsphol und Gernot Schaulinski den Bogen von den historischen Ereignissen zum aktuellen politischen Geschehen spannen und zur Einmischung aufrufen. Ein anerkennenswerter Plan, ein großer Anspruch – der sich vielleicht etwas in den Tiefen des Märkischen Museums verläuft. Eine konzentriertere Hängung der Ausstellungsstücke, etwas weniger plakative Ausstellungsarchitektur und dafür mehr Werke aus der hauseigenen Sammlung hätten der Schau gutgetan.

Doch ein Einstieg in das spannende und wichtige Thema ist gelungen und das Museum bietet darüber hinaus ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Buchvorstellungen, Stadtspaziergängen. Im Studio Revolution können sich Jugendliche mit der Revolution und Formen des Protestes auseinandersetzen. Jeden Sonntag um 16 Uhr werden öffentliche Führungen angeboten, am 9. Januar, 13. Februar, 20. März und 24. April kann jeweils an einer Kuratorenführung teilgenommen werden.

Berlin 18/19
Das lange Leben der Novemberrevolution


Stadtmuseum | Märkisches Museum
Am Köllnischen Park 5
10179 Berlin
bis 19.05.2019
Di – So 10 – 18 Uhr
www.stadtmuseum.de

Barbara Borek

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Titel zum Thema Stadtmuseum:

Erfolge, Irrwege und Konflikte ...
Ausstellungsbesprechung: Berlin 18/19. Das lange Leben der Novemberrevolution im Stadtmuseum | Märkisches Museum

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