Gefährlichen Begegnungen nicht aus dem Weg gehen ...

von chk (13.08.2020)
vorher Abb. Gefährlichen Begegnungen nicht aus dem Weg gehen ...

Prof. Dr. Heinz Bude, Screenshot anlässlich der Pressekonferenz, 13.8.2020

Die documenta in Kassel erhält ein documenta Institut, auch wenn über den Standort noch diskutiert wird, steht fest, wer als Gründungsdirektor die inhaltliche Programmatik und den Aufbau des Instituts übernehmen soll - einer der renommiertesten deutschen Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude.

Bude steht für eine lebendige, offene Intellektualität, die "gefährlichen Begegnungen nicht aus dem Weg geht". Die Fragestellung, welche Rolle Kultur für den Zusammenhalt in einer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft spielt, bildet einen wichtigen Baustein seines Denkens. Kultur wird als eine Möglichkeitsform betrachtet, die sich nicht aus sich selbst heraus versteht, sondern mit dem ´Unbekannten` konfrontiert werden muss. Nur so können Handlungsräume neu eröffnet und gedacht werden. Sein Augenmerk richtete sich in in diesem Zusammenhang auf soziale Spaltung, auf Randgebiete und weltgesellschaftliche Umbrüche.

Auf der Pressekonferenz vom 12.8.20 in Kassel skizzierte Heinz Bude ein Drei-Säulenmodell, das dem documenta Institut als Ausgangspunkt dient:
- dem documenta archiv (ab Oktober ebenfalls neu besetzt von der Kunsthistorikerin Dr. Birgitta Coers)
- dem Institut für Ausstellungsstudien
- und dem documenta Institut als Versammlungsort für die Stadtgesellschaft.

Das Interdisziplinäre und die Mehrdimensionalität der Forschungseinrichtung soll der Komplexität unserer Weltordnung Rechnung tragen. Prof. Dr. Heinz Bude betonte bei seiner Vorstellung in Kassel:
„Die einmalige Chance des documenta Instituts besteht darin, dass es die documenta als ein Modell der Ausstellung von Gegenwartskunst versteht und damit das weltgesellschaftliche Phänomen der Biennalisierung des Kunstfelds in den Griff bekommt. Im Zusammenspiel von Archiv, Forschung und stadtgesellschaftlicher Partizipation wird ein Labor der Erforschung von Zeitgenossenschaft durch die Präsentation von Gegenwartskunst entstehen.“

Eine These ist hierbei, dass wir uns in der Moderne vom Museum zur Ausstellung bewegt haben und dass das Interessante am Ende der Moderne die Zeitgenossenschaft ist und nicht das Museum als Sammlung.

Bereits 2016 bemerkte Bude anlässlich einer Diskussionsveranstaltung in Berlin, dass eine Institution im Gegensatz zu einer Organisation keine Effizienz haben muss, vielmehr geht es um die Lesbarkeit der Welt als Kriterium.

documenta-archiv.de/de/information/9/das-documenta-institut

chk

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