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Berlin Daily 21.10.2019
Buchvorstellung

19 Uhr: RUDOLF ZWIRNER – Ich wollte immer Gegenwart. Autobiografie. Mit Rudolf Zwirner und Nicola Kuhn
Tagesspiegel-Salon, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin

(Einspieldatum: 20.09.2005)

Berliner Messen Teil 1: "Jetzt erst recht!" - Interview mit Sabrina van der Ley vom Art Forum Berlin

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Das Art Forum Berlin findet auch in diesem Jahr wieder an seinem "Wunschstandort" statt, den denkmalgeschützten Ermisch-Hallen, Teil des offiziellen Messegeländes der Stadt. Die jährlich wechselnde Fachjury, bestehend aus sieben internationalen Galeristen und Kuratoren, hat 129 Galerien aus 25 Ländern zur Teilnahme zugelassen und Plätze an sechs Editionen vergeben. Von den Galerien werden 17 Erstteilnehmer in der Kategorie "Freestyle-Stände" vorgestellt, unter denen ein "internationales Kräftemessen mit außergewöhnlichen Standkonzeptionen" stattfinden soll.

Begleitet wird die Verkaufsschau zum zweiten Mal durch eine Sonderausstellung: "Temporary Import - DAAD, Bethanien et al." Kuratorin Susanne Titz präsentiert ausländische Künstler, die während der letzten 10 Jahre mittels eines Arbeitsstipendiums in Berlin zu Gast waren oder es noch sind. Auch die "Art Forum Berlin Talks", Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen der Kunst- und Kulturpolitik mit internationalen Fachleuten, finden in diesem Jahr wieder statt. Wird das Art Forum von einer vergleichbaren Interessentenanzahl wie im vergangenen Jahr besucht, so sind rund 30.000 Kunstliebhaber in den Messehallen zu erwarten, wobei ungefähr 20 Prozent aus dem Ausland anreisen. Künstler und Galeristen dürfen nicht nur auf private Sammler und institutionelle Ankäufe gespannt sein, sondern auch auf diverse gut dotierte Preisverleihungen.

Das Art Forum wurde 1996 als eine Initiative von Galerien für Galerien gegründet. Mit dem Entschluß, das Art Forum zu einer ausschließlich der Gegenwartskunst verpflichteten Messe zu gestalten, wurde im Jahr 2000 Sabrina van der Ley als Künstlerische Leiterin berufen. Obwohl Kritiker die mittlerweile etablierte Messe für internationale zeitgenössische Kunst schon mehrfach "totgesagt" haben, beweisen die Verkaufsstatistiken der Galerien und die steigenden Besucherzahlen ganz im Gegenteil ihren wachsenden Erfolg. Das Art Forum Berlin feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

art-in-berlin: Am 28. September wird das Art Forum eröffnet, das sind nur noch wenige Wochen. Wie geht es Ihnen, Frau van der Ley? Steigt der Streßfaktor (Sabrina van der Ley lacht) oder laufen die Vorbereitungen so am Schnürchen, daß Sie diesem Tag gelassen entgegen sehen?

Sabrina van der Ley: Die Vorbereitungen laufen in diesem Jahr wirklich weitgehend wie am Schnürchen. Zwischendurch gibt es natürlich immer kurze Schreckmomente, in denen wir merken: "Aaaah, es sind nur noch vier Wochen! Es sind nur noch drei Wochen!"... Also, der Streß wird langsam deutlich mehr.

AiB: Als Einstieg zum Thema Messen, ganz allgemein gefragt: Welche Rolle spielt der Messebetrieb für den zeitgenössischen Kunstmarkt?

SvdL: Generell werden Messen zunehmend wichtig. Es gründen sich allerorts Messen und Biennalen, weil diese Form von gebündelter Übersicht sehr publikums- beziehungsweise konsumentenfreundlich ist. Die Kunstszene hat sich tatsächlich sehr globalisiert, man kann jedoch nicht jedes Jahr 25 Länder bereisen. Also wird sehr dankbar auf solche Zusammenkünfte zurückgegriffen, um einen guten Überblick zu erhalten. Die Galerien beklagen teilweise, daß gegenüber der "normalen" Galeriearbeit der Besuch auf Messen immer wichtiger wird, so dass Verluste bezüglich der internationalen Besucher in den Galerieräumen spürbar werden. Das trifft allerdings weniger auf Berlin zu, weil hier der deutsche und auch der internationale Besucherstrom das ganze Jahr über ziemlich gut fließt.

AiB: Das heißt, der Standort Berlin innerhalb der internationalen Kunstszene und auch als Messestandort ist positiv zu bewerten?

SvdL: Ja, da kann man sich nicht mehr beklagen! Natürlich sind Verbesserungen immer möglich, aber gerade jetzt zum Saisonbeginn war es wieder zu sehen: da waren sehr viele Leute bei den Galerieeröffnungen unterwegs - und die waren nicht alle aus Berlin.

AiB: Jetzt kommen wir zum Art Forum. Als mittlerweile etablierte Messe in Berlin, sozusagen als "alter Hase" ...

SvdL: (lacht) Ja, mit immerhin schon zehn Jahren!

AiB: Das Art Forum also im zehnjährigen Jubiläum, im offiziellen Messegebäude von Berlin - wie stehen Sie aus dieser Position heraus zu den jungen Avantgardemessen, die innerhalb der Stadt hervor sprießen? Bereicherung oder Bedrohung?

SvdL: Auf jeden Fall handelt es sich eher um eine Bereicherung. Wir haben den Veranstaltern Anfang des Jahres vorgeschlagen, uns alle an einen Tisch zu setzen. Unserer Meinung nach gibt es einfach zu viele Veranstaltungen, die außerdem zu sehr über die Stadt verstreut sind. Der Kunstsalon ist so schlau gewesen, seinen Termin ein wenig nach hinten zu verlagern. Die anderen Messen laufen jedoch mehr oder minder zeitgleich zum Art Forum. Ich würde ihnen empfehlen, sich zeitlich etwas zu verschieben, um das Angebot für das Publikum kommensurabel zu machen. Die Besucher werden momentan Schwierigkeiten haben, sich all diese Veranstaltungen anzusehen. Denn es gibt auch noch viele Eröffnungen in den Institutionen, die während der Messezeit stattfinden - aber das Publikum kann sich nicht vierteilen!
Grundsätzlich wäre es in meinen Augen geschickter, wenn es nur eine Parallelveranstaltung gäbe, die möglicherweise zwei Abteilungen gehabt hätte: den non-profit Bereich, den nun größtenteils der Kunstsalon abdeckt, und einen jüngeren Galerienbereich, der jetzt bei der Preview und der Berliner Liste vertreten ist.
Bislang war es auch in Basel so, daß es nur eine weitere Alternativmesse gab, die man fußläufig erreichen konnte – aber Berlin ist deutlich größer! Der Besucher muß also mit ziemlichen Fahrtzeiten rechnen, bevor er endlich wieder Kunst zu sehen bekommt. Ich hoffe, daß sich die Betreiber der anderen Messen im nächsten Jahr, vielleicht entgegen mancher persönlicher Differenzen, doch zusammenraufen.
Ehrlich gesagt, bin ich auch etwas enttäuscht, daß sich diese neuen Messen nicht mehr um die Teilnahme von mittel- und osteuropäischen Galerien bemüht haben. Mit den "Freestyle Ständen" auf dem Art Forum, für die der Galerist bei uns nur 4.000 Euro inklusive Teilnahmegebühr zahlt, bieten wir bereits für sehr junge Galerien eine günstige Einstiegsmöglichkeit in den internationalen Markt. Für viele Galerien aus dem Osten sind diese Kosten aber immer noch zu hoch.

AiB: Liegt eine weniger rege Beteiligung aus den osteuropäischen Ländern vielleicht auch daran, daß diese Galerien stationärer agieren, das heißt generell weniger reisen, um auf internationalen Messen vertreten zu sein?

SvdL: Es mag sein, daß die jungen Galerien aus den östlichen Ländern generell weniger unterwegs sind, vielleicht auch mit dem internationalen Messekonzept noch weniger vertraut sind. Ich hätte mir gewünscht, daß die neuen Messen, die immer auf ihre günstigen Standmieten verweisen, sich aktiver für ihre Kollegen aus dem Osten engagierten, sie direkt angesprochen und eingeladen hätten – es wäre für diese in jedem Fall eine gute Gelegenheit gewesen, sich am internationalen Geschehen zu beteiligen.

AiB: Noch mal zurück zum Art Forum: In der Vergangenheit waren Unkenrufe zu hören, das Art Forum sei dem Untergang geweiht. Was hat Sie persönlich motiviert, weiterzumachen?

SvdL: Trotz! Nach dem Motto "Jetzt erst recht!" (lacht). Diese Behauptungen sind einfach Blödsinn. Es ist doch klar, daß das Art Forum einmal im Jahr eine Leistungsschau für die Szene hier in der Stadt darstellt und die Möglichkeit bietet, im Verein mit internationalen Kollegen aufzutreten und sich zu messen. Das Art Forum zieht als konzertierte Aktion ein Publikum in die Stadt, welches die Galerien einzeln gar nicht anlocken und bedienen könnten. Es stellt also für jeden einen Gewinn dar. Abgesehen davon ist die Ausrichtung des Art Forums vor allem innerhalb des deutschen, aber auch des europäischen Marktes, mit der Konzentration auf zeitgenössische Kunst ziemlich klar zugeschnitten. Dadurch füllen wir, wenn man so will, eine Marktlücke und präsentieren ein Angebot, das vom internationalen Publikum häufig positiver aufgenommen wird als vom hiesigen.


Christiane von Gilsa

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