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B3 Biennale

(Einspieldatum: 29.09.2005)

Berliner Messen Teil 3: Interview mit Tobias Kuttner von Preview Berlin

Berlin ist bekannt für die vielfältige und progressive Kunstszene, die nicht nur durch die große Anzahl der hier lebenden Künstler geprägt wird, sondern auch durch die tatkräftigen Galeristen und Kulturschaffenden. Daher verwundert es nicht wirklich, daß in diesem Jahr neben bereits zwei parallel zum Art Forum statt findenden Avantgardemessen noch eine weitere Veranstaltung ins Leben gerufen wurde. Waren die Namen der Organisatoren, Kristian Jarmuschek, Tobias Kuttner, Rüdiger Lange und Ralf Schmitt, noch im letzten Jahr mit der Berliner Liste verknüpft, setzen diese vier Galeristen für 2005 auf ein eigenständiges Konzept. Die Zulassung zur Preview erfolgt auf die Empfehlung eines aus Galeristen und Kuratoren bestehenden Beraternetzwerkes, anstatt über den bei anderen Messen üblichen Weg eines Bewerbungsprozesses der teilnahmewilligen Galerien. Interessant ist, daß nicht einer aus der Initiatorengruppe zum primus inter pares gewählt wurde, sondern ein eigenständiger Projektmanager eingestellt ist, Martin Rinderknecht - vielleicht um schon im Vorfeld Profilierungsstreitigkeiten vorzubeugen.

Für ihre Premiere hat sich die jüngste der Berliner Messen die Backfabrik in der Nähe des Alexanderplatzes ausgesucht, die nach dem Einbau einer professionellen Standarchitektur Platz für ca. 32 Galerien und 10 Projekträume bieten. Sammler und Kulturschaffende dürfen auf eine Einladung zu den Abends stattfindenden Preview-Dinners hoffen, die ca. 60-80 Gästen einen angenehmen Rahmen für den kulturellen Austausch ermöglichen sollen.

art-in-berlin: Als Einstieg, ganz allgemein gefragt Herr Kuttner: Welche Rolle spielt der Messebetrieb für den zeitgenössischen Kunstmarkt?

Tobias Kuttner: Der Messebetrieb ist für Galerien außerordentlich wichtig. Auf Messen werden die notwendigen Kontakte geknüpft, um diejenigen Künstler zu plazieren, die in der Kunstszene und im Markt noch nicht etabliert sind. Im englischsprachigen Raum bezeichnet man diese Künstler als "emerging": aufkommend, entstehend, sich mit Potential entwickelnd. In diesem Sinne ist uns der Untertitel zu unserem Messenamen sehr wichtig, "The Emerging Art Fair". Eine Messe bringt eine Konzentration von Sammlern, Kuratoren und Kunstinteressierten mit sich, die es auf diese geballte Weise in einer einzelnen Galerie nicht geben kann. Ein Nachteil der Messen ist allerdings, daß die Präsentationsform außerhalb der eigenen Galerie der gezeigten Kunst nicht immer zuträglich ist.

AiB: Wie schätzen Sie die Rolle Berlins innerhalb der internationalen zeitgenössischen Kunstszene allgemein und speziell als Messestandort ein?

TK: Durch die hohe Galerien- und Künstleranzahl ist Berlin eine bedeutende Kunstproduktionsstadt und in steigender Tendenz auch ein geeigneter Ort für Kunstvermarktung und -verkauf geworden. Sogar während der vergangenen schwierigen Kunstmarktszeiten hat sich das Art Forum in Berlin wacker geschlagen und genießt heutzutage im Ausland einen weitaus besseren Ruf, als noch vor wenigen Jahren. Die Tatsache, daß eine bedeutende Anzahl wichtiger Kuratoren und Sammler für diesen Herbst einen Berlin-Besuch angekündigt hat, ist ein Beweis für die Attraktivität dieses Messestandortes. Natürlich existieren andere wichtige internationale Messen in Basel, London oder Miami, wo die teilnehmende Galerien eventuell besser verkaufen. Doch Berlin hat einen entscheidenden Standortvorteil: hier ist das Potential vorhanden, wirklich Neuartiges zu entdecken.

AiB: Wie steht die Preview in ihrer Geburtsstunde zu den anderen Berliner Messen? Welche Verbindung besteht zur großen zehnjährigen Schwester Art Forum und wie ist das Verhältnis zu den anderen beiden jungen Messen, die dieses Jahr ihr Zweijähriges feiern?

TK: Ohne das Art Forum gäbe es die Preview nicht und wir arbeiten mit Sabrina van der Ley zusammen. Es ist die etablierte Messe, zu der wir in keinerlei Konkurrenz stehen, da dort ein anderes Publikum bedient wird. Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen, denn der Kostenaufwand der Preview ist auf sehr niedrigem finanziellen Niveau strukturiert, ohne die Spekulation auf eine Gewinnmaximierung. Bezüglich des Kunstsalons erscheint mir Edmund Pipers Taktik, seine Veranstaltung eher als eine Ausstellung denn als eine Messe zu vermarkten, sehr clever. Doch selbstverständlich ist der Salon auch verkaufsorientiert, denn dort sind ebenfalls Galerien in einer messeartigen Kojensituation beteiligt. Umgekehrt bietet auch die Preview ein gemischtes Programm, das von nicht-kommerziellen Projekten begleitet wird. Ich kann die beiden anderen Messen jedoch nicht abschließend beurteilen, bevor ich sie nicht besucht habe.

AiB: Was hat Sie persönlich motiviert, zusammen mit Ihren Ko-Initiatoren in diesem Jahr eine weitere junge Kunstmesse in Berlin zu organisieren, obwohl dieses Angebot bereits von Berliner Liste und Kunstsalon geboten wird?

TK: Die Initiatoren der Preview Berlin haben im letzten Jahr maßgeblich die Berliner Liste mitgestaltet. Wegen finanzieller und inhaltlicher Auseinandersetzungen mit Wolfram Völcker war eine Zusammenarbeit jedoch kein zweites Mal möglich. Es entstand daraufhin der Wunsch, eine eigene Veranstaltung zu organisieren, die allerdings von dem gleichen Netzwerk derjenigen Galeristen gestützt wird, das 2004 die Liste ermöglicht hat. Aus diesem Grunde bin ich überzeugt, daß die Preview erfolgreich sein wird. Es ist interessant, daß dieses Jahr einige Galerien zur Teilnahme am Art Forum zugelassen wurden, die im letzten Jahr Teilnehmer der Berliner Liste waren. Daran wird ersichtlich, welches Potential dort bereits 2004 vorhanden war – an dieser Stelle wollten wir weiter arbeiten. Ich glaube, das ist uns mit dem Programm der Preview gut gelungen.

AiB: Da in diesem Jahr das Kunstangebot zur Berliner Messezeit besonders vielfältig ist, muß das Publikum eine Auswahl treffen. Was ist Ihre Strategie, die Besucher und Sammler für die Preview zu begeistern?

TK: Vor allem überzeugt die Auswahl der teilnehmenden Galerien und Projekte, sowohl auf inhaltlicher Ebene als auch in der Präsentationsform. Zusätzlich haben wir mit Heiner Bastian einen wichtigen Sammler gewonnen, der in Zusammenarbeit mit der Preview einen großen Empfang für rund 250 geladene Kulturschaffende ausrichtet. Es ist uns wichtig, das interessierte Publikum an die Messe zu binden. Aus diesem Grund veranstalten wir "Preview-Dinners", bei denen Sammler als Gastredner ihre Werke und ihr Konzept vorstellen. In diesem überschaubaren Kreis von rund 60-80 Gästen möchten wir in gemütlicher Atmosphäre Leute aus der Wirtschaft mit Menschen aus der Kunstszene zusammen bringen, um einen zwanglosen Austausch zu ermöglichen. Das große Angebot der Berliner Kunstszene mag für das Publikum in diesen Tagen zwar anstrengend sein, aber in erster Linie macht das vielfältige Angebot diese Stadt so spannend und lockt die Kunstinteressierten für mehrere Tage hierher. Ich empfinde diese Vielfalt insgesamt als Bereicherung und nicht als Konkurrenz, die uns das Publikum "stehlen" könnte.

AiB: Auch in anderen Kunstmessestädten wie Basel, Köln, New York und Miami ist diese soeben angesprochene Vielfalt zu beobachten, denn dort sprießen ebenfalls neben den "Hauptmessen" mehrere junge Avantgardemessen hervor. Wie beurteilen Sie dieses Phänomen des zeitgenössischen Kunstmarktes? Meinen Sie, daß der Kuchen dank der steigenden Anzahl an Künstlern und Sammlern so viel größer geworden ist? Oder glauben Sie, daß sich der Markt gerade überhitzt und kollabieren wird?

TK: Ich glaube in gewissem Sinne an beide Theorien. Einerseits ist zu beobachten, daß sich der Kunstmarkt an gewissen Stellen überhitzt, aber andererseits gibt es insgesamt mehr Sammler. Diese neuen Kunstliebhaber verstehen ihre Kunstankäufe nicht primär als Investment, sondern sind wirklich an den Werken interessiert. Insbesondere in Berlin entsteht eine junge Sammlergeneration, die sich nahezu täglich mit Kunst beschäftigt. Bezüglich der Galeriensituation ist zu bemerken, daß deren Anzahl ständig steigt, wobei es aus finanziellen Gründen für die jungen Galerien meist schwierig ist, an etablierten Messen teilzunehmen. Da selbst die reduzierten Standmieten des Art Forums für manche Galerien eine große Hürde darstellen, ist das Interesse an den vergleichsweise kostengünstigen eigenorganisierten Nebenmessen stark gestiegen.

AiB: Es mag sein, daß die wachsende Galerienanzahl eine Messen-Vermehrung nach sich zieht. Es drängt sich jedoch die Frage auf, ob Berlin auf Dauer vier Messen tragen kann. Es würde mich interessieren, wie Sie die Zukunft der Berliner Messen prognostizieren.

TK: Ich glaube, daß sich die Situation mit der Zeit von selbst regelt. Es wird sicherlich noch einige Jahre Parallelmessen geben und es werden auch einige neue Projekte entstehen. Ich bin jedoch nicht der Meinung, daß sich die Messesituation im großen Stil erweitern wird.
Wir sind auf jeden Fall sehr daran interessiert, auch im nächsten Jahr die Preview zu organisieren. Es besteht ein Vorvertrag mit der Backfabrik und Vorbereitungen werden bereits getroffen.

AiB: Die Preview wird also im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder stattfinden?

TK: Ja, aufgrund der schon im Vorfeld erfahrbaren positiven Resonanz gehe ich davon aus. Es müßte wirklich viel schieflaufen, wenn wir nächstes Jahr nicht wieder dabei sind.

AiB: Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg für die Premiere der Preview und bedanke mich für das Gespräch, Herr Kuttner. Haben Sie danach schon einen Entspannungsurlaub geplant?

TK: Nein, denn eine Messe bedeutet immer viel Nacharbeit und anschließend findet im Oktober bei uns die nächste Ausstellung statt. Wir hatten noch nicht einmal eine richtige Sommerpause! Die viele Arbeit hat aber auch großen Spaß gemacht – wir sind ein gutes, konstruktives Team.

Das Interview führte Christiane von Gilsa.

PREVIEW BERLIN - THE EMERGING ART FAIR
Öffnungszeiten: 28.Sept. – 2. Okt. 2005, 14 – 21 Uhr
Eröffnung: 27. Sept. 2005, 18-24 Uhr
Ort: Backfabrik, Saarbrücker Str. 36-38, 10405 Berlin-Mitte
Eintritt: 5 Euro für ein Tagesticket
Katalog: 10 Euro

Christiane von Gilsa

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