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Berlin Daily 16.11.2019
Sven-Åke Johansson: Ballistik und Ballett

19 Uhr: im Rahmen der Ausstellung JAN JELINEK
Faitiche, est. 2008
LAURA MARS GALLERY | Bülowstraße 52 | 10783 Berlin

(Einspieldatum: 03.11.2005)

Kunst im Stadtraum (Teil 4) - Micha Ullman

Ort:
Bebelplatz
Berlin - Mitte

Wie die zuletzt in dieser Serie besprochene Arbeit "Denkzeichen Modezentrum" von Rainer Görß entstand die "Bibliothek - Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933" von Micha Ullman (geb. 1939 in Tel Aviv / Israel) im Rahmen eines vom Senat ausgeschriebenen Wettbewerbs zur "Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen".
Ullmans Denkmal bezieht sich auf die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem heutigen Bebelplatz. Die Nationalsozialisten verbrannten an diesem Ort - einem der Hauptschauplätze der nationalsozialistischen Propagandaaktion - tausende von Büchern, die ihrer Ideologie nicht entsprachen. Dieser Akt der Vernichtung bildete gleichsam den Auftakt zur Entfernung sämtlicher Literatur missliebiger Autoren aus den Bibliotheken, Universitäten und Schulen sowie deren spätere Verfolgung.


ulman

Micha Ullman hat zur Erinnerung an diesen Tag in der Mitte des heutigen Bebelplatzes zwischen der Staatsoper, der einstigen Königlichen Bibliothek und der Sankt-Hedwigs-Kathedrale einen unterirdischen, nüchternen weißen Raum mit leeren weißen Bücherregalen aus Beton geschaffen, der nur durch eine quadratische Glasplatte von oben her in der Pflasterung einsehbar ist. Eine Bibliothek ohne Bücher, die Fragen nach Leere, Zeit, Erinnerung und Stille aufwirft. Micha Ullman bezeichnet den Raum als Einladung, nach innen zu schauen.


ulman

Einige Meter entfernt, befinden sich um die Glasplatte außerdem zwei ins Pflaster eingelassene Bronzeplatten, auf denen jeweils das Heinrich Heine Zitat "Das war ein Vorspiel nur, dort / wo man Bücher verbrennt, / verbrennt man am Ende auch Menschen" von 1823 aus "Almansor" steht. Ein Zitat, der Zeit vorauseilend.
Obwohl der Bebelplatz allein durch die touristischen Attraktionen von äußerster Betriebsamkeit geprägt ist und die Glasplatte tagsüber eher zufällig entdeckt wird, läuft niemand unachtsam darüber hinweg. Sichtlich beeindruckte Menschen stehen um das "Fenster" herum, halten die Köpfe gesenkt und blicken auf diesen hermetisch verschlossenen Kubus der Leere und der Stille. Der unterirdische Raum würde die rund 20 000 Bände fassen, die hier am 10. Mai 1933 in Flammen aufgingen.

ch

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