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Kommunale Galerie Berlin

Knickmoment [4händig]

Ka Bomhardt und Eileen Dreher


Ausstellung vom 20. November 2019 bis 12. Januar 2020 Ort: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 10-17 Uhr, Mittwoch 10-19 Uhr, Sonntag 11-17 Uhr
23.12.2019 bis 4.1.2020 geschlossen
Eintritt frei
Eröffnung: Dienstag, 19. November 2019, 19 Uhr

Begrüßung
Elke von der Lieth | Kommunale Galerie Berlin
Rachel Kohn | Frauenmuseum Berlin e.V.

Einführung
Dr. Angela Lammert | Akademie der Künste

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Knickmoment Ka Bomhardt und Eileen Dreher © Frauenmuseum Berlin e.V.

Die beiden Künstlerinnen dieser Edition der 4händig-Serie lassen sich nicht auf ein bestimmtes Medium festlegen, sie arbeiten mit Zeichnungen und Objekten bzw. häufig auch hybriden Installationen. Der Titel der Ausstellung – Knickmoment – ist ein Neologismus, zusammengesetzt aus »Knick« und »Moment«. Beide Elemente haben für sich genommen schon verschiedene Bedeutungen: Ein Knick in einer glatten Oberfläche kann eine Art Verletzung sein, eine leichtere Form des Brechens, etwa beim Eselsohr in Büchern, bei nach Stürmen umgeknickten Ästen oder Bäumen. Ein Knick kann aber auch konstruktive Veränderung sein, aus einem zweidimensionalen Material ein dreidimensionales Objekt machen, wobei der Knick selbst sich in ein flexibles Gelenk verwandelt. »Moment« kann einen kurzen Zeitabschnitt beschreiben oder einen Bewegungseffekt, wie bei »Drehmoment«. Die Semantik der Kombination beider Substantive ist noch offen, möglicherweise beschreibt nicht die Bedeutung des Wortes die Ausstellung, sondern die Ausstellung definiert die Bedeutung des Wortes?

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Installation von Ka Bomhardt

Solcherlei Umkehrungen der Perspektive finden sich auch in Ka Bomhardts künstlerischer Praxis häufig. Das Wechselspiel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, zwischen Illusion und Realität, wird zum »Spiel mit Täuschung und Enttäuschung als ironische Überschreitung gegenständlicher Gewissheit«, wie Wolfgang Siano in einem Text über sie formuliert. Mimesis als uraltes Motiv der Kunst und Infragestellung derselben im gleichen Atemzug, innerhalb ein- und derselben Arbeit, charakterisieren das Vorgehen der Künstlerin, die auch in dieser vierhändig erarbeiteten Ausstellung vieldeutige Räume schafft, die zudem je nach Standpunkt von der Fläche in den Raum springen und umgekehrt. Dünne Stäbe, die Ecken markieren, werden zu Linien, Dinge, die sich aus dem »echten Leben« in die Ausstellung verirrt zu haben scheinen – steht da ein Guglhupf auf dem Boden? – werden zu artifiziellen Metaphern. Der Guglhupf steht nicht auf dem Kaffeetisch, kann nicht geschnitten werden, ist nicht essbar, ruft aber trotzdem das Bild des Kuchens und des sozialen Kontextes in uns auf. Das Interieur als bewohnter Raum und als Erfahrungshintergrund ist ein Fundus für Ka Bomhardt, deren installative De-Konstruktionen den Perspektivwechsel zum (Lust)Prinzip erheben.

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Installation von Eileen Dreher

Eileen Drehers Installation aus Flachgummiband und blank polierten Messingstangen lässt sich als fragile Zeichnung im Raum verstehen, die ganz oder teilweise durchlaufen werden kann. Auch hier ergeben sich je nach Standpunkt unterschiedliche Einsichten in den Raum und gleichzeitig Interferenzen mit Ka Bomhardts Arbeiten. Die Zugkraft des Gummibandes, das Gewicht des Messings und die Schwerkraft befinden sich allerdings in einem nur labilen Gleichgewicht, d.h. sie müssen so austariert sein, dass das schwere Metall nicht wegrollt, das Gummiband aber gespannt bleibt. Das golden glänzende Messing und seine an einen Griff oder eine Hantel erinnernde Form wecken möglicherweise den Impuls, danach zu greifen, gleichzeitig ist aber klar, dass mit jedem noch so kleinen Eingriff das von der Künstlerin hergestellte Gleichgewicht zerstört, die Raumzeichnung sich auflösen bzw. die Spannung in sich zusammenfallen würde. Die raumgreifende Installation, deren Material eher im Haushaltsbedarf oder Baumarkt als im Künstlerbedarf erhältlich ist, umgarnt die Betrachter*innen wie ein dreidimensionales Spinnennetz – es sind aber nicht die realen Gummibänder, sondern die vielen möglichen Perspektiven und Raumerlebnisse, die uns potentiell, für einen (Knick)Moment, »gefangen« nehmen.

Frauenmuseum Berlin e.V. zu Gast in der Kommunalen Galerie Berlin

Ka Bomhardt www.kabomhardt.de
1962 geboren in Hamburg
1983-90 Studium an der HdK Berlin, Meisterschülerin
1991 Teilnahme am Goldrausch-Künstlerinnenprojekt »Ohne Kompromiss«
seit 1992 zahlreiche Arbeitsstipendien (u.a.Senatsverwaltung Berlin, Karl-Hofer-Gesellschaft, Kulturfonds, Künstlerhaus Lukas, Villa Serpentera, Kunstfonds Bonn, Kone Foundation)
2006-08 Lehrauftrag an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Eileen Dreher www.drehereileen.com
1980 geboren in Köthen
2006-11 Studium der Konzeptmalerei/Zeichnung/ architekturbezogene Medien
an der Akademie der Schönen Künste, Dresden
2013 Meisterschülerstudium an derselben Akademie
seit 2017 Philosophiestudium an der FU Berlin.

Netzwerk Kunst info@frauenmuseumberlin.de

Rahmenprogramm

Künstlerinnengespräch
Moderation: Dr. Claudia Beelitz | Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin
Sonntag, 8. Dezember 2019, 12 Uhr
Kommunale Galerie Berlin


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