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GalerieETAGE im Museum Reinickendorf

Godori – Kampf der Blumen. Ausstellung Dieter-Ruckhaberle-Förderpreis

Surya Gied


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Poster zur Ausstellung „Surya Gied: Godori-Kampf der Blumen“

Ausstellungsdauer: 01.04. - 22.05.2022
Vernissage: Freitag, Freitag, 1.April, 18:30 Uhr

Mit einer Performance von SHIN Hyo Jin und Otto Oscar Hernández Ruiz

Artist Talk: Sonntag, 10.04., 15:00 Uhr, mit Surya Gied und Suza Husse, und einem Konzert von Zihern Lee (Gayageum / koreanische Zither)

Mit der Einzelausstellung von Surya Gied, Preisträgerin des Dieter-Ruckhaberle-Förderpreises 2021, präsentieren das Museum Reinickendorf und der Künstlerhof Frohnau ein vielschichtiges künstlerisches Schaffen, das malerische Techniken mit Oral History, Fotografien, Sound- und Videoarbeiten, Performance und Skulptur verschränkt. Surya Gieds aktuelle künstlerische Forschung stellt Räume und Formen für mehrdimensionale Geschichtserzählungen her, welche historische und gegenwärtige Lebensumstände und Kämpfe koreanischer Migrant*innen in Deutschland und koreanischer Reisbauer*innen verknüpfen.

In Godori – Kampf der Blumen verwebt Surya Gied verschiedene Erzähl- und Erfahrungsstränge zur kollektiven Biografie des Hauses ihrer Großeltern in Hwaho-Ri, Jeongub, einem kleinen Dorf in Südkorea. In zwei Installationen, die Malerei, Video-, Sound- und Textilarbeiten verbinden, kommt das Haus in seiner materiellen und sozialen Architektur zum Vorschein. Die Erzählungen der Frauen, die das Haus bewohnen und bewohnten, verbinden sich mit der Struktur des Hauses oder treten aus ihr hervor. Die Lehmwände und Dachmatten des Hauses wurden mit Stein und Ziegeln ersetzt nachdem Choonok Gied-Lee, die Mutter der Künstlerin, nach Deutschland ausgewandert war und ihrer Familie über Jahre den Großteil ihres monatlichen Einkommens als Krankenschwester schickte. Gemeinsam mit unzähligen anderen koreanischen, indischen und philippinischen Krankenschwestern, die in den 1960er und 1970er-Jahren als „Gastarbeiterinnen“ angeworben wurden, holte sie das westdeutsche Gesundheitssystem aus der Krise. In Südkorea brachten sie und eine Vielzahl koreanischer Auswanderer und Wanderarbeiter*innen mit der Unterstützung ihrer Familien die Volkswirtschaft während der Militärdiktatur in Schwung.

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Ausstellungsansicht „Surya Gied: Godori-Kampf der Blumen“ im Museum Reinickendorf, Foto: Surya Gied

Durch die Räume der Ausstellung hören wir die Tanten, Mutter und Großmutter der Künstlerin erzählen, wie sie das Haus als einen von patriarchalen Verhältnissen und der kapitalistischen Entwertung bäuerlicher Arbeit und Ökologie geprägten Ort der Sehnsüchte, der Entfremdung und der Kämpfe erlebten. An anderer Stelle klingen ihre Stimmen lebendig in ein Kartenspiel vertieft, schwatzend und sich neckend, lachend und fluchend. Eingebettet in diesen Klang sind Surya Gieds Malereien, die an ausgewählte Motive dieses Kartenspiels namens Godori angelehnt sind. Mit der Interpretation der Kartenmotive wird eine weitere Ebene der Sprache erschaffen, wo auch das Nicht-Gesagte einen Raum innerhalb der Architektur und Geschichte des Hauses bekommt.

Entstanden sind die Werke während des Residenzstipendiums im Künstlerhof Frohnau im Sommer 2021. Der Künstlerhof wurde 1998 auf Initiative des Künstlers, Kurators und Kulturpolitikers Dieter Ruckhaberle gegründet. Bis in die späten 1980er-Jahre befand sich hier eine Außenstelle der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, in der auch einige koreanische Krankenpfleger*innen arbeiteten. Surya Gieds Malereien nehmen auf diesen Ort Bezug, indem sie sich mit verschiedenen materiellen Relikten aus dessen institutioneller und häuslicher Infrastruktur zu skulpturalen Remixes verbinden.

Kurator*in: Suza Husse Leiterin Fachbereich Kunst und Geschichte / Museum Reinickendorf: Dr. Cornelia Gerner Assistenz: Katja Hock
Vorstand Künstlerhof Frohnau: Kaya Behkalam
Künstlerische Zusammenarbeiten für die Textilarbeiten, Sound- und Videoproduktion: Emma Cattell, Ray Kaczynski und Angelo Wemmje

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Grand Jury, 190 x 150 cm, Acryl und Öl auf Leinwand, 2020, Foto: Trevor Good

Surya Gied (*1980 Köln) lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Berlin. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin und schloss 2008 ihr Studium als Meisterschülerin ab. Sie erhielt 2020 das Recherchestipendium der Senatskanzlei Berlin und 2021 den Dieter-Ruckhaberle-Förderpreis. 2022 ist sie mit einem Jahresstipendium der Pollock-Krasner Foundation, NYC und 2022/23 mit dem Stipendium Deutschen Akademie Rom Villa Massimo / Casa Baldi ausgezeichnet worden. Ihre Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, unter anderem: Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Berlin, Hillyer Art Space in Washington DC, PyeongChang Biennale Südkorea, University Delaware USA, Savvy Contemporary Berlin und Galerie Wedding Berlin.

Der Dieter-Ruckhaberle-Förderpreis
Seit 2019 vergibt der Künstlerhof Frohnau e.V. gemeinsam mit dem Fachbereich Kunst und Geschichte des Bezirksamts Berlin-Reinickendorf den Dieter-Ruckhaberle-Förderpreis. Der Preis richtet sich an Künstler*innen, die in ihrer künstlerischen Arbeit oder parallel zu ihrem künstlerischen Werk politische und soziale Themen bearbeiten und dafür innovative Formen finden. Der Preis erinnert an das Leben und Wirken des Künstlers, Kurators und Kulturpolitikers Dieter Ruckhaberle und umfasst einen zweimonatigen Aufenthalt auf dem Künstlerhof Frohnau, ein Produktionsbudget für die künstlerische Arbeit sowie eine Ausstellung in einem Ausstellungsraum des Bezirks Reinickendorf.

GalerieETAGE im Museum Reinickendorf,
Alt-Hermsdorf 35
13467 Berlin
GalerieETAGE im Museum Reinickendorf

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