"Asia is on the move!" sagt Kim Hong–hee und meint damit, daß das zeitgenössische Asien einem dynamischen Wandel unterliege. Wie fieberhaft, passioniert und enthusiastisch sich dieser in der Kunstwelt manifestiert, möchte sie als künstlerische Direktorin auf der diesjährigen Gwangju Biennale unter Beweis stellen.
Gwangju - nie gehört?! Dabei ist die 330 km südlich von Seoul gelegene Stadt die sechstgrößte Stadt Koreas. Auch die Biennale findet bereits das sechste Mal statt, scheint sich aber bis dato in der Masse der heutzutage stattfindenden Biennalen nicht sonderlich hervorgetan zu haben. Um so gewagter ist deswegen das Vorhaben der mit >Fever Variations< betitelten Schau: Nichts weniger hat man sich vorgenommen, als die internationale zeitgenössische Kunst vom Standpunkt Asiens aus zu reinterpretieren.
Diese Reinterpretation soll im Wesentlichen anhand der zwei großen Ausstellungssektionen der Biennale geschehen. Im ersten Teil der Ausstellung, >The First Chapter_Trace Root: Unfolding Asian Stories<, geht es darum, den Wurzeln der eigenen kulturellen Identität nachzuspüren, die Ausgangspunkt für das Schaffen vieler junger Künstler sind. Ebenso möchte man die Wechselwirkung zwischen asiatischer und westlicher Kunst beleuchten. So sollen die Werke von 50 ausgewählten internationalen Künstlern illustrieren, wie die asiatische Kunst von den Prozessen der Modernisierung und Globalisierung beeinflußt wird aber gleichzeitig auch selbst Impulse an das derzeitige Kunstgeschehen abgibt. Chefkurator des ersten Ausstellungskapitels ist Wu Hung, der sich hierzulande vor allem durch die Beteiligung an >Über Schönheit< im Haus der Kulturen der Welt (2005) einen Namen gemacht hat.
In >The Last Chapter_Trace Route: Remapping Global Cities< möchte man ausgehend von Gwangju und Seoul eine Vernetzung zwischen 15 Städten in Asien, Europa und Amerika hergestellen. Verschiedene kulturelle Institutionen auf der ganzen Welt sollen durch die von den Ko- Kuratoren Jee-sook Beck (Kunstkritiker und Kurator, Seoul), Cristina Ricupero (ehem. Kuratorin des Nordic Institute for Contemporary Art, Helsinki), Chris Gilbert (Kurator des Baltimore Museum of Art) und Cira Pascual Marquia (Artistischer Direktor und Kurator des Contemporary Museum, Baltimore) organisierten Workshops, Symposien, Diskussionsrunden und Kunstprojekte näher zusammenrücken. Globalisierung live!
Zusätzlich zu den beiden großen Ausstellungskapiteln der Biennale wird ein Rahmenprogramm (>The Third Sector_Citizen Program: 1.4 Million Torches<) geboten und die Sonderausstellung >Color of East Asia< zu sehen sein, die sich der asiatischen Volkskunst widmen wird.
Daß sich der asiatische Teil der Welt in einem rasanten Wandel befindet steht außer Diskussion. Auch das Schwanken zwischen der Globalisierung und dem Festhalten an der eigenen nationalen Identität ist in diesem Zusammenhang nur allzu menschlich. Doch stellt sich die Frage, inwiefern eine Biennale einen Beitrag dazu leisten kann. Gerade ob der ohnehin fortschreitenden Globalisierung im Kunstbetrieb dürfte es zunehmend schwerer fallen, künstlerische Positionen mit eindeutiger kultureller-nationaler Prägung zu finden. So unterscheiden sich die Arbeiten der Künstler von den verschiedenen Kontinenten kaum mehr voneinander. Ebenso aber kann man generell nach dem Sinn von inzwischen über 100 Biennalen weltweit fragen.
>Fever Varations<
6. Gwangju Biennale
8. September - 11. November 2006
Jungoei Park, Gwangju City,
Korea
www.or.kr
biennale@gb.or.kr
Berlin Daily 15.03.2026
Tag der Druckkunst
Und noch eine Biennale: Fever Variations - Zur 6. Gwangju Biennale
von Stefanie Ippendorf
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