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Sonderbare Welten: Mika Rottenberg, Jen DeNike und Aaron Young in den Kunst-Werken

von Hannah Beck-Mannagetta (12.09.2006)


Sonderbare Welten: Mika Rottenberg, Jen DeNike und Aaron Young in den Kunst-Werken

Parallel zu dem Ausstellungsprojekt NO MATTER HOW BRIGHT THE LIGHT, THE CROSSING OCCURS AT NIGHT zeigen die Kunst Werke die Arbeiten dreier New Yorker KünstlerInnen der jüngeren Generation.

Besonders herausragend ist die neuste Arbeit der 1976 geborenen Mika Rottenberg, deren Videoinstallationen Themen wie kulturelle Identität, Geschlechterkonstruktionen und Warenwerdung des Körpers im postindustriellen, globalisierten Zeitalter auf sonderbare Art und Weise reflektieren und kommentieren. Nicht selten nimmt sie dabei auch Bezug auf das Repräsentationssystem Film.

In ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland zeigt Rottenberg Ihre jüngste Arbeit "Dough" (2005/06), die sich ausgehend vom Film als multimediale, begehbare Installation in den realen Raum ausbreitet. Betritt man die Installation, deren Titel bereits auf die Doppeldeutigkeit der Arbeit hinweist, denn "dough" bedeutet "Piepen", "Zaster", "Knete", ebenso wie Teig, fällt einem zunächst das Geräusch und der Luftzug auf, die der Ventilator an der Decke verursacht. Geht man weiter, gelangt man in einen kleinen Raum mit abgehangener Decke, so wie man ihn aus Bürogebäuden der 60er/70er Jahre kennt, eine undefinierbare Flüssigkeit tropft aus einem Loch in der Decke auf den Boden, wo sie zugleich zischend verdampft. Wagt man sich weiter in einen schmalen, klaustrophobisch anmutenden Gang vor, kann man an dessen Ende das Video ansehen. Als Ausstellungsbesucher kommt man sich nun ähnlich eingefercht vor, wie die Protagonistinnen des Films, der einen absurden Produktionsablauf zeigt, bei dem unablässig Teig hergestellt wird.
In mehreren Stockwerken übereinander geschachtelt scheinen die weiblichen Arbeitskräfte in ihren beigen Uniformen Teil eines unnötig kompliziert und grotesk wirkenden Produktionsprozesses zu sein, bei dem ihre ungewöhnliche physische Konstitution und die damit verbundenen körperlichen Fähigkeiten auf kuriose Art und Weise zum Einsatz kommen. Ein bisschen erinnert das Szenario an Arbeiten von John Bock, wobei hier weniger die extreme und laute Verausgabung, der Schock und die Materialschlacht im Vordergrund stehen, als dass sich vielmehr eine sich leise anschleichende Beklemmung beim Betrachter einstellt.
Subtil verweist die Künstlerin auf Themen, wie entfremdete Arbeit, idealisierte Körpervorstellungen sowie Ausbeutung und Instrumentalisierung im Film und in der Wirklichkeit. So unheimlich und fremd einem der von Rottenberg erschaffene Mikrokosmus auch erscheint, so erschreckend vertraut sind einem die einzelnen Elemente und die Assoziationen, die er weckt.

Die Fotografin und Schülerin von Stephen Shore Jen DeNike zeigt verschiedene Video- und Fotoarbeiten, in denen sie sich mit dem Rollenverhalten und den Ritualen von Heranwachsenden auseinandersetzt. Die Künstlerin betont, dass es eine explizit amerikanische Erfahrungswelt sei, die in ihren Arbeiten abgebildet wird und dass ihre eigene Jugend, das Aufwachsen in der amerikanischen Provinz von Connecticut den Schauplatz und die Themen stark beeinflusst. So sind die Fotografien junger Mädchen aus der Serie "Vampire Victims" (2003-2005) in der Nachbarschaft ihres Elternhauses entstanden. Die Arbeiten sind Portraits und Stereotypen zugleich, die inszenierten Tatorte verweisen auf die Selbstinszenierung der Jugendlichen, das Spiel mit Leben und Tod, das Konsumieren von Horrorfilmen und die ästhetisch-erotischen Phantasiewelten, die sie sich aufbauen.
Sind es bei den "Vampire Victims" - Portraits junger Frauen, zeigen die Videoarbeiten "Wrestling" und "Dunking" von 2003 sich balgende Jungen, die ihre Unbesiegbarkeit erproben. Während junge Mädchen oft Hand in Hand durch die Stadt laufen und sich gegenseitig die Haare frisieren, um ihre Zuneigung zu zeigen, scheint das sich Raufen für männliche Jugendliche in seinem Wechselspiel von Aggression und Selbstbehauptung, Ablehnung und Anerkennung, oft die einzige Form zu sein, einander berühren zu dürfen.
Nie werden die Jugendlichen in DeNikes Arbeiten zur Schau gestellt oder der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Art, wie die Aufnahmen z.B. in der 7-Kanal-Videoinstallation "Seasons in the Sun" von 2005 einander gegenübergestellt werden und gleichzeitig ablaufen, verhindert, dass die unterschiedlichen Interpretationen des eingängigen 60th Songs wie eine schlechte Karaoke wirken.

Bei der hier last but not least besprochenen Arbeit von Aaron Young, handelt es sich um eine orts-spezifische Skulptur, die vielleicht als solche nicht sofort entdeckt wird und im öffentlichen Raum vor den Kunst Werken installiert wurde. "IPO (25 offerings)" (2006) ist die Spezialanfertigung eines silbern glänzenden Fahrrades, das auseinandergeschraubt und mit diversen Ketten und Schlössern an einem Straßenschild befestigt wurde. In seiner Wert verheißenden Gestalt macht es sich zum Objekt der Begierde, die Schlösser betonen seine Unberührbarkeit und suggerieren Sicherheit, dabei ist es nicht abzusehen, wie lange das Fahrrad in dieser Form und an diesem Ort im öffentlichen Raum von Berlin bestehen kann. Ähnlich und doch ganz anders verhält es sich auch mit dem Börsengang eines Unternehmens, worauf der Titel der Arbeit "IPO" für Initial Public Offering anspielt.
In seinen Performances, Videos und Skulpturen stellt Aaron Young soziale Situationen im öffentlichen Raum her, deren Ausgang er häufig selbst nicht kontrollieren kann, dabei hinterfragt und überspitzt er kulturelle Konditionierungen, gesellschaftliche Konvention und uniformierte Verhaltensmuster.

Abbildung:
- Mika Rottenberg, Dough, 2005-2006, video sculpture, duration: 7 min.
- Jen DeNike, Dead Man's Float, 2005, Single Channel Video, 2:10 loops continuously


Jen DeNike 1 + 2 OG
Mika Rottenberg 3 OG
Aaron Young

Laufzeit: 3. September - 12. November 2006
KW Institute for Contemporary Art
Auguststrasse 69
10117 Berlin
www.kw-berlin.de

Öffnungszeiten: Di - So 12 - 19 Uhr, Do 12 - 21 Uhr

Hannah Beck-Mannagetta

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