Eine Ausstellung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) e.V.
Oranienstr. 25, 10999 Berlin-Kreuzberg

5. Mai bis 17. Juni, täglich 12-18:30 Uhr

Auf welche Räume, Bilder, Symbole greifen Menschen zurück, um sich in einem fremden Kontext neu zu erfinden? So lautet die Fragestellung, unter der 16 Künstlerinnen und Künstler ihre interkulturellen Begegnungen im Rahmen des Kunstprojektes verarbeitet haben und nun in den Räumen der NGBK ausstellen. Der Titel der Ausstellung, der von den Projektteilnehmern mit "Die verschlungene Reise" übersetzt wird, bezieht sich auf die komplexe Zusammensetzung der Begegnungen, aber auch auf die vielseitigen künstlerischen Darstellungsarten.

Das Projekt besteht aus drei verschiedenen Gruppen, die sich jeweils in unterschiedlichen Zeiträumen besucht haben. "In der ersten Phase wurden fünf kolumbianische Künstler für vier Wochen nach Berlin eingeladen, dann bereisten fünf Berliner Künstler die Stadt Cali in Kolumbien und jetzt besucht eine weitere Gruppe Berlin", so María Linares, eine der Künstlerinnen der zweiten Gruppe. Das Projekt lebe von der Spontaneität des Austauschprozesses selbst, so Linares, schließlich hatte jeder Künstler nur einige Wochen Zeit für seine Arbeit. Ein weiterer Prozessfaktor war die Unkontrollierbarkeit der Gruppe. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der zweiten und dritten Gruppe wurden nämlich während des Projektes von den Künstlern der ersten Gruppe ausgesucht.

María Linares selbst lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Berlin. Doch als gebürtige Kolumbianerin ist ihre Arbeit eine kritische Auseinandersetzung mit der kulturellen Differenz, die sie sicherlich am tiefsten von allen Teilnehmenden durchdrungen hat. Ihre Installation "Connect 2" - oder vielmehr ihr partizipatorisches Projekt - beschreibt sie als "trägen, aseptischen, schweigenden Behälter". Im Inneren dieses weißen Raumes, der nach zwei Seiten hin geöffnet ist, wurden fünf farbige Hängematten gespannt. Die Künstlerin kontrastiert das Verlangen nach klar abgegrenztem Privatraum mit der intimen Begegnung: Die kolumbianische Kultur der Berührung wird durch die Hängematten angedeutet, während der aseptische Raum für die Distanz steht, mit der Linares ihre Identitätssuche in Deutschland symbolisiert.

Eine weitere gelungene Arbeit der zweiten Gruppe ist die musikalische Performance Stephan Kurrs, "Himno Alemán". Der Nürnberger Künstler übersetzte die deutsche Nationalhymne ins Spanische und sang sie in Cali der Band "Los Expresidentes" vor. Die Musiker improvisierten und interpretierten sie daraufhin während einer öffentlichen Probe. Das erstaunliche Ergebnis der Begegnung ist nun viertelstündlich in den Räumen der NGBK zu hören.

Mit Humor ging es auch bei Elkín Calderon zu. Seine Arbeit "Wedding" kann als "work in progress" verstanden werden, denn bisher hatten die Teilnehmer der dritten Gruppe erst zwei Wochen Zeit, ihre Eindrücke umzusetzen. Calderon nahm sich demonstrativ des "abgehängten" Stadtviertels Wedding an. Das Foto eines Wedding-Stickers, den er auf einem Motorrad fand, kombinierte er mit einem Hochzeitsvideo und schreibt: "Wedding ist ein Ort, ein Ereignis, eine Gelegenheit zum Austausch".

Flüchtige Momente werden in der Ausstellung manifestiert, Begegnungen und Identitätssuche an fremden Orten werden subtil eingefangen und nicht ohne Witz vorgetragen. Wenn auch der Komplexität von Identitätssuche, die der Eingangstext dem Charakter der Ausstellung zuschreibt, nicht überall gerecht wird, so ist eines sicher: Die interkulturelle Begegnung als Sinn von Kunst wurde in The Intricate Journey begeistert dokumentiert.

Künstler/innen und ihre jeweilige Gruppe:
Pablo Adarme (C), Erika Arzt (A) and Juan Linares (E), François Bucher (C), buero für integrative kunst - Stefan Krüskemper (D), Elkin Calderon (C), Carmen Carmona (E), Carolina Caycedo (C), Wilson Díaz (C), Adriana García (C), Stephan Kurr (D), Miler Lagos (C), Julián León (C), María Linares (C), Ana María Millán (C), Lucas Ospina (C)