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Berlin Daily 17.07.2019
Kuratorenführung

19 Uhr: mit Harald Theiss, der Künstler ist anwesend. Im Rahmen der Ausstellung bauhaus gesehen von Stefan Berg
HAUS am KLEISTPARK | Projektraum Grunewaldstraße 6/7 | 10823 Berlin-Schöneberg

(Einspieldatum: 23.06.2011)

Kunst, Macht und der Ring der Nibelungen | XVIII. Rohkunstbau 2011

Was haben der XVIII. Rohkunstbau 2011 und Richard Wagner gemein? Gar nichts, könnte man meinen, doch aber verbindet die alljährliche Sonderausstellung und den großen Dramatiker-Komponisten eines, nämlich die publikumswirksame Auseinandersetzung mit dem Thema Macht. Zeitgenössische Kunst trifft dafür bei der diesjährigen Ausgabe auf Wagners „Ring der Nibelungen“ – zwei gleichsam populäre Themen und Bereiche ihrer jeweiligen Epochen –, um durch die Hand zahlreicher Künstler im Schloss Marquardt einen „Rohkunstbau-Ring“ zu erschaffen, der gefüllt ist mit ihren kreativen Ergüssen.

Den Auftakt zu dem geplanten Vierjahreszyklus „Macht – Moral – Revolution – Untergang“, der von Mark Gisbourne kuratiert wird, machen ab dem 26. Juni 2011 zehn internationale Künstler, die sich individuell mit dem aktuellen Machtbegriff auseinandersetzen. Marc Brandenburg, Christoph Brech (beide D), Simon Faithfull (GB), Oswaldo Maciá (CO), Judy Millar (NZ), Mariele Neudecker, Frank Nitsche, Katinka Pilscheur, Karin Sander (alle D) und Mariana Vassileva (BG) haben so auf ihre ganz eigenen Weisen den schwer fassbaren Begriff ausgelotet und zwar nicht nach dem Ort des Rheingolds gefragt, wohl aber, wo Macht heute überall verortet ist und wie verteilt. Dabei kommen sie zu abweichenden Ergebnissen, die nach Folgen, Formen, Symbolbedeutung oder Missbrauch fragen. Eines ist dabei jedoch immer evident: Um Macht Teil unseres Alltags werden zu lassen, muss eine Transformation des Abstraktums „Macht“ stattfinden, sodass sie von Objekten, Vorstellungen oder Handlungen Besitz ergreift, die wiederum signifikante Bedeutungsträger in unserer Gesellschaft werden – ebenso wie bei den Nibelungen.

Für den XVIII. Rohkunstbau 2011 waren es die Künstler selbst, die diese Transformationen inszeniert und abwechslungsreiche Formen der Macht in wechselnden Medien zutage gebracht haben.

Bereits beim Betreten des alten Gebäudes mit morbidem Charme kündigt sich das erste Machtzeichen akustisch an: Ein Motor brummt in der zum Teil holzvertäfelten, zum Teil mit bearbeiteten Stein versehenen Eingangshalle. Es handelt sich allerdings nicht um irgendeinen Motor, sondern um den eines Bugatti, der da auf einem Podest das gesamte untere Stockwerk beschallt. Über ihm hängt ein Licht-Draht-Geflecht, das eine Symbiose aus Heiligenschein, Ring und Dornenkranz zu sein scheint. Weil der Wagen bei einem Preis von etwa 1,8 Millionen Euro – der Funktion seines Wesens widersprechend – nicht seines Nutzens wegen gekauft wird, entpuppt er sich als reines Statussymbol und Verkörperung einer klischeehaften Vorstellung von Männlichkeit.

Andere Transformationen von Macht grenzen im Erdgeschoss an: Frank Nitsche hat einen Konsum-Pfeiler gebaut, der im Kern aus gestapelten Dosen besteht und dessen Oberfläche mit scheinbar wahllos angebrachten Werbestickern bedeckt ist. Zum einen werden diese Alltagsobjekte durch die Hand des Künstlers zu einem Kunstobjekt erhoben, zum anderen konzentrieren sie die Macht der Werbung auf eine relativ geringe Fläche. Nitsches Arbeit und Katinka Pilscheurs Installation aus einer von einem Kupferrohr durchbrochenen Wabenwand – in Stab und Material manifestiert sich hier symbolsicher und materieller Wert – wird verbunden durch einen Raum, dessen Wände im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen von Karin Sander eingenommen wurden. So hat die Künstlerin den Raum mit einer Tapete versehen, der eine HTML-Code zeigt: Sich der Macht unserer modernen Technologien ergebend, könnte der Code in einem Computer eingeben werden und würde das exakte Bild des Raumes anzeigen.

Im oberen Stockwerk sind die Arbeiten der weiteren sechs Künstler versammelt. Neben zwei „Kunstrollen“ von Judy Millar und Mariele Neudecker, die Macht vonseiten der Hierarchien („The Hierarchy Problem“) und Entwicklungen in der Waffentechnik („Psychopomp“) befragen, bespielt Simon Faithfull zwei Räume. In einem zeigt Faithfull seinen eigenen Sessel, umgeben mit Bildern eigener realisierter und unrealisierter Projekte. Vor allem aber vermag seine andere Arbeit zu bestechen. Auf eine im Raum freistehende Fläche wird ein Film projiziert, in dem ein Mann versucht, die Gesetze der Natur zu bezwingen und auf dem Grund des Meeres ohne Sauerstoffflasche und Taucheranzug zu laufen, während im Hintergrund aufgenommene Unterwassergeräusche des vor Ort liegenden Sees das Videoauditiv ergänzen.

Auch die anderen Arbeiten zeigen sehr außergewöhnliche Hinterfragungen von Macht, sei es der Sinne, des Unbewussten, der Träume, der Wahrnehmung oder der eigenen Erscheinung und damit abermals der Natur: unter ihnen ein poetisch anmutender Film von Christoph Brech, eine weiße Michael-Jackson-Projektion in Schwarzlicht von Marc Brandenburg oder eine die Sinne verwirrende Installation zweier Kugeln mit auf den Kopf gestellten organischen Form in milchiger Flüssigkeit mit einem Halbspiegel von Mariele Neudecker.

Besonders einnehmend ist aber zweifellos Oswaldo Maciás Installation „Under the Horizon“ – allein, weil man den intensiven Geruch aus Öl und Seife, deren Gemisch, nachdem sie in eine freistehende Badewanne gelaufen ist, von dem darunter stehenden Podest aufgenommen und wiederholt in die Wanne geleitet wird, auch noch Stunden später nicht vergessen hat.

Alles in allem überzeugt die XVIII. Ausgabe von Rohkunstbau mit Konzept und Umsetzung der thematischen Gruppenausstellung. Einen Teil des Charmes vor Ort macht sicherlich das Schloss selbst aus. In diesem Sinne sollte der Besucher darauf achten, dieser verfallenen Architektur und Innengestaltung zu viel Aufmerksamkeit zu widmen und sich dabei von dem eigentlich Mittelpunkt, der Kunst, doch noch ablenken zu lassen. Bei einer weniger überzeugenden Auswahl könnten man meinen, dass die Aussteller ebendies beabsichtigt hätten, um von ihren Schwachpunkten abzulenken, im Falle des XVIII. Rohkunstbau ist diese Befürchtung jedoch vollkommen unbegründet: Abwechslungsreich und überzeugend konzipiert ist sie allemal, sodass der Kontrast zwischen Gebäude und der zeitgenössischen, experimentellen Kunst nur einen weiteren interessanten Aspekt bedeutet.

Ausstellungsdauer: 01. Juli - bis 11. September 2011
Vernissage 26. Juni 2011, 16 Uhr

Öffnungszeiten:
Freitag 14 - 19 Uhr
Samstag und Sonntag 12 - 19 Uhr

XVIII. Rohkunstbau
Schloss Marquardt
Hauptstraße 14
14476 Potsdam - Marquardt
rohkunstbau.de/

Teresa Köster

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