Anzeige
Boris Lurie

logo art-in-berlin.de
Berlin Daily 18.05.2024
Gespräch und Book Launch

16 Uhr: mit Marcelina Wellmer und Karolina Majewska-Güde im Rahmen der Ausstellung "You are among us, we are among you" Kunstbrücke am Wildenbruch | Weigandufer Ecke Wildenbruchbrücke | 12045 Berlin

“Erdglas - Natur und andere städtische Täuschungen”: Tue Greenfort in der Berlinischen Galerie

von Inka Humann (07.11.2012)
vorher Abb. “Erdglas - Natur und andere städtische Täuschungen”: Tue Greenfort in der Berlinischen Galerie

Ausstellungsansicht Tue Greenfort. GASAG Kunstpreis 2012, Foto: Jirka Jansch


Historische Gaslaternen, aufgestellte Glasscheiben mit Berichten über Knut und eine Versuchsanordnung für eine Biogasanlage, als deren Treibstoff Kot des Berliner Bären dient.
Dies alles ist in der derzeitigen Ausstellung des dänischen Künstlers Tue Greenfort in der Berlinischen Galerie zu sehen. Anlass ist die Verleihung des GASAG Kunstpreises, der zum zweiten Mal in Kooperation mit der Berlinischen Galerie an einen Künstler vergeben wird, der an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft arbeitet: eben jenen Wahlberliner Tue Greenfort, der Ökologie als ein „Systemmodel für soziale, ökonomische und kulturelle Phänomene und Zusammenhänge“ versteht.

In seinen raumgreifenden Installationen konzentriert sich Greenfort hauptsächlich auf zwei Materialien: zum einen Glas, ein künstlich hergestellter, doch zum größten Teil aus Sand bestehender Werkstoff, der opak aber auch transparent sowie fest und zugleich zerbrechlich ist. Zum anderen Gas, das in der Ausstellung durch seine Umwandlung in Licht und Wärme erfahrbar ist und dessen Verbrennung CO2 freisetzt. Der Documenta-Teilnehmer Greenfort demonstriert damit seine ortspezifische Gestaltung. Er stellt einen direkten Bezug zum Standort der Berlinischen Galerie her, in deren Räumen sich ehemals ein Glaslager befand. Zudem bindet Greenfort die benachbarte Glaser-Innung ein, in deren Zusammenarbeit die Glasobjekte der Ausstellung produziert wurden.

Historische Gaslaternen, die in Bezug auf den Klimaschutz zum Teil auf LED-Beleuchtung umgerüstet sind, erhellen den Raum und erinnern nostalgisch an Straßenzüge im alten Berlin. Als Symbol für die Industrialisierung und Modernisierung Ende des 19. Jahrhunderts verweisen sie auf die Bedeutung der GASAG für die Beleuchtung der Stadt. Zugleich wird ein Bezug zur Stadt Berlin mit ihrem weltweit größten Bestand an Gaslaternen hergestellt, um deren ‚Überleben‘ Liebhaber hartnäckig kämpfen.

In diesem Rahmen wirft Greenfort die Frage auf, inwiefern Sehgewohnheiten mit modernem Umweltbewusstsein zu vereinen sind. Hieran anknüpfend regt die Ausstellung zum Nachdenken über unser Verständnis von Natur an: auf einer Glasplatte angebrachte Artikel aus Boulevardzeitungen rund um die Geschichte des Eisbären Knut verdeutlichen das problematische Verhältnis der Presse, aber auch der Zoobesucher zum Tier. Eine ebenso angebrachte Werbeanzeige der Firma GASAG macht auf die eigentliche Ironie aufmerksam, dass gerade ein Energiekonzern einen Polarbären als Werbefigur hat. Hier zeigt sich Greenforts kritischer Umgang mit seinem Sponsor, was durch seine Aussagen über die Konstellation Konzern – Künstler – Kunstinstitution noch verstärkt wird. So sieht er die Institution Museum als Teil der heutigen Erlebnisökonomie, in der Firmen die Möglichkeit gegeben wird, Preise an junge Künstler zu verleihen und dadurch Eigenwerbung zu betreiben. Die heutigen Künstler beschreibt er als Manager ihrer selbst, die Teil der serviceorientierten Leistungsgesellschaft geworden sind.
Zu seiner Arbeit gehört auch ein begleitende Katalog, mit dessen besonderer Gestaltung sich der Däne dem vorgegebenen Design widersetzt und das Problem, dass Kataloge schon Wochen vor Ausstellungsbeginn fertig sein müssen, umgeht. Greenfort schafft eine Do-it-yourself-Lösung, indem der Katalog mit Wendeumschlag, im Ausstellungsraum hängenden ergänzenden Katalogseiten und beigelegten Schrauben individuell sortiert und aktualisiert werden kann. Die Selbstgestaltung führt so weit, dass Kameras für eigene Installationsfotos ausgeliehen und vor Ort ausgedruckt und eingeklebt werden können. Alle Fotos erscheinen auf der Website des Künstlers (tuegreenfort.net). Man darf also gespannt sein, wie der individuelle Konsument mit der Ausstellung umgeht.

Schlussendlich eröffnen sich innerhalb des sehr kritischen künstlerischen Konzepts der Ausstellung, die durchaus ihre ironischen Momente hat, immer wieder neue Sehweisen und Denkansätze, die herausfordern. Doch bleibt zuletzt die Frage, ob sie sich nicht in ihren zahlreichen Anspielungen verliert.

Tue Greenfort - GASAG Kunstpreis 2012
Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin
Ausstellungsdauer: 02.11.2012–08.04.2013
Öffnungszeiten: Mittwoch - Montag 10 - 18 Uhr
berlinischegalerie.de

Inka Humann

weitere Artikel von Inka Humann

Newsletter bestellen

Daten zu Tue Greenfort:


- 3rd edition of the Project Biennial of Contemporary Art, 2015
- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach 2014
- art berlin 2017
- artbasel2021
- documenta 13 2012
- Dopplereffekt. Bilder in Kunst und Wissenschaft - Kunsthalle zu Kiel
- Exo-Evolution 2015
- Frieze LA 2019
- Frieze London 2022
- Heidelberger Kunstverein 2017
- Johann König
- Kunstverein Hannover
- Kunstverein Münster 2016
- Living the City 2020
- Lofoten International Art Festival 2015
- Marrakech Biennale, 2012
- Sammlung Deutsche Bank 2020
- Sammlung MMK Frankfurt
- SHARJAH BIENNIAL 8 2007
- skulptur projekte münster 2007
- Taipei Biennial 2018


top

Titel zum Thema Tue Greenfort:

“Erdglas - Natur und andere städtische Täuschungen”: Tue Greenfort in der Berlinischen Galerie
Gaslaternen, aufgestellte Glasscheiben mit Berichten über Knut ...

top

zur Startseite

Anzeige
Responsive image

Anzeige
Alles zur KI Bildgenese

Anzeige
artspring berlin 2024

Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
a.i.p. project - artists in progress




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Galerie im Saalbau




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Galerie 15




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Kommunale Galerie Berlin




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
neurotitan




© 1999 - 2023, art-in-berlin.de Kunstagentur Thomessen Hartlieb-Kühn GbR.