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Berlin Daily 22.11.2019
Künstlerinnenführung

17.30 Uhr: Mia Florentine Weiss führt in das Konzept ein und verknüpft auf dem Weg durch das begehbare Kreuz die Reflexion der Geschichte mit Hoffnungen auf eine vereinte europäische Zukunft. Museum Nikolaikirche | Nikolaikirchplatz | 10178 Berlin

(Einspieldatum: 01.12.2013)

Im Universum von Christoph Schlingensief

bilder

Christoph Schlingensief, THE AFRICAN TWINTOWERS, 2005 - 2009, Abgebildet / Shown: Irm Hermann, © Filmgalerie 451, Foto: Aino Laberenz

Der Raum ist nicht sonderlich hell, doch wie Lichtsäulen strecken sich Baumstämme mit Hochsitzen zur Decke, auf ihnen einfach gezimmerte Hochsitze. Church of Fear´s, der deutsche Titel lautet Pfähle der Säulenheiligen, präsentierte Christoph Schlingensief erstmals 2003 auf der 50. Biennale von Venedig. Die Rekonstruktion dieses "ersten internationalen Pfahlsitzwettbewerbes" ist eine der Installationen, die in den nächsten Wochen die Kunstwerke in der Auguststraße bespielen werden. Insgesamt sieben Männer und Frauen sitzen dort in vier Metern Höhe, es sieht nicht sonderlich bequem aus und das soll es wohl auch nicht sein.

CHURCH OF FEAR’S – PFÄHLE DER SÄULENHEILIGEN [CHURCH OF FEAR’S – POLES OF THE STYLITES], 2003, ANIMATOGRAPH EDITION PARSIPARK (RAGNARÖK), 2005, Foto: Uwe Walter

Denn bequem oder einfach machte es sich Schlingensief nie. Immer stellte er seine eigenen Werke, Gedanken und Aktionen infrage. Wieder und wieder, bis zur Erschöpfung, auf die er weder bei sich selbst noch bei seinem Publikum Rücksicht nahm. "Christoph Schlingensief hat mit seiner Kunst immer etwas ausgelöst." Für Aino Laberenz, Mitarbeiterin, Ehefrau und Nachlassverwalterin des 2010 verstorbenen Künstlers, sind die beispiellose Radikalität seiner Arbeiten, die provokanten Kunstaktionen und sein kompromissloser politischer Einsatz Teil seiner Person, seines Lebens. Auch Klaus Biesenbach, einer der Kuratoren der Ausstellung, war lange Wegbegleiter des 1960 in Oberhausen geborenen Filmemachers, Theater- und Opernregisseurs, Buch- und Hörspielautors und Aktionskünstlers Christoph Schlingensief. "Mit ihm war man immer im absoluten Ausnahmezustand," erinnert sich Biesenbach, "doch seine Akzeptanz als ernstzunehmender Künstler – nicht als Spinner – setzte eigentlich erst fünf Jahre vor seinem Tod ein."

Das Kuratorenteam mit Susanne Pfeffer, Anna-Catharina Gebbes und Klaus Biesenbach – unterstützt durch die künstlerische Beratung von Aino Laberenz – stellt das Bildnerische im Werk in den Vordergrund. Schon zu Lebzeiten des Künstlers, der 1995 bereits für einige Zeit Atelierräume in den Kunstwerken bewohnte, plante Susanne Pfeffer ein Ausstellungsprojekt. Nun soll die aktuelle Schau zum ersten Mal einen Einblick in das grenzüberschreitende Werk Schlingensiefs ermöglichen. Allerdings erhebt die Ausstellung bewusst keinen Anspruch auf Vollständigkeit, versteht sich nicht als Retrospektive. Aino Laberenz betont: "Christoph hat uns als Zuschauer nicht vor, sondern in seine Arbeiten gestellt. Er hat uns sogar dazu aufgefordert, seine Arbeit in Zweifel zu ziehen, uns zu fragen, was zwischen den Bildern geschieht."

Christoph Schlingensief hat immer auf verschiedenen Plattformen gearbeitet, gesucht und diskutiert, hat auch mit seinem Publikum gelacht, wie in "Talk 2000", einem Fernsehformat von 1997. In der Kellerkantine der Berliner Volksbühne sprach er mit prominenten Gästen wie Harald Schmidt und Hildegard Knef, überforderte mit Unvorhersehbarkeiten und Tabubrüchen seine Gäste und sich selbst. Schlingensiefs komplexe Denkwelten, in denen er Kunst und Politik bei aller Provokation in einen ganz selbstverständlichen Kontext einbindet, berühren bis heute aktuelle Themen.

Besonders am Herzen lag dem Künstler sein Operndorf in Burkina Faso, hier sollte die Verbindung von Kunst und Leben Realität werden. Seit 2008 existierte die Idee, eine kulturelle Begegnungs- und Experimentierstätte entstehen zu lassen, der burkinische Architekt Francis Kéré entwarf Gebäudemodule, ein sozialer Organismus sollte wachsen. Aino Laberenz führt die Arbeit fort, sucht weiter nach Unterstützung.

BITTE LIEBT ÖSTERREICH – ERSTE ÖSTERREICHISCHE KOALITIONSWOCHE [PLEASE LOVE AUSTRIA – FIRST AUSTRIAN COALITION WEEK], 2000, Foto: Uwe Walter

Schlingensiefs Container "Ausländer Raus!", erstmals 2001 in Zusammenhang mit der Präsentation "Bitte liebt Österreich" aufgebaut, steht vor den Kunstwerken auf der Auguststraße. Und so werden die Besucher vor Eintritt in den Ausstellungsparcours aufgefordert, ihre gedankliche und existentielle Position zu hinterfragen. Wo gehöre ich hin? Wer gehört hierher? Wer teilt uns unseren Platz zu?

So wie die Akteure auf den Baumpfählen ihre Plätze eingenommen haben, auf die Besucher herabblicken, über ihnen stehen, gleichzeitig jedoch komplett ausgeliefert und abhängig sind in den schwindelnden Höhen. "Wir stehen immer erst am Anfang“, sagte Christoph Schlingensief. Die Rezeption ist nicht abgeschlossen, kann nie abgeschlossen sein, weil wir immer Teil der Werke sind und sein werden.

Christoph Schlingensief
Ausstellungsdauer: 01.12.2013 – 19.01.2014

KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin
Mi–Mo 12-19 Uhr
Do 12-21 Uhr
kw-berlin.de

Dr. Barbara Borek

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Daten zu Christoph Schlingensief:


- Art Basel 2013
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- Berlin Biennale 1998
- Biennale Venedig 2011 Pav
- Frieze LA 2019
- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung
- Migros Museum, Sammlung
- Montevideo Biennale 2013
- nbk Berlin
- Playtime, 2014
- Thyssen-Bornemisza Art Contemporary,Wien


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Titel zum Thema Christoph Schlingensief:

Im Universum von Christoph Schlingensief
Ausstellungsbesprechung: Der Raum ist nicht sonderlich hell, doch wie Lichtsäulen strecken sich Baumstämme ...

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