Anzeige
me

Berlin Daily 13.05.2021
Politik und Ästhetik

20 Uhr: in Luigi Nonos experimentellem Musiktheater. Online-Veranstaltung mit Irene Lehmann. (ACC Galerie Weimar: Kunst, im Rahmen von Spektakel & Revolution)

Landschaften der Seele

von Dr. Barbara Borek (11.03.2015)
vorher Abb. Landschaften der Seele

Matthias Lautner, Creaking (Nr.2), 2015, Öl und Acryl auf Leinwand, 40 x 50 cm

Mit einer Gemeinschaftsausstellung von Thomas Gänszler und Matthias Lautner eröffnet die Galerie bäckerstrasse wien ihre Dependance in Berlin. Alexander Urban entwickelt sein Programm in enger Kooperation mit der Wiener Galerie, möchte, wie seine dortige Kollegin Gabriele Schober, vor allem der jungen Kunst einen Ausstellungsort anbieten. Und so bespielt er die neuen Räume, die mit ihren weißen Backsteinwänden einen eher ungewöhnlichen Rahmen bilden, mit Arbeiten der beiden jungen österreichischen Künstler.

Ungewöhnlich ist auch das erweiterte Galeriekonzept: Alexander Urban und Marie Le Fèbvre, beide Parfumexperten und in den letzten Jahren für namhafte Pariser Häuser tätig, gründeten mit Urbans Scents ihre eigene Parfummanufaktur. Im hinteren Teil der Galerie werden nun hochwertige Düfte entworfen, mit Namen wie Lost Paradise oder Sensual Blend. Spezielle Editionen mit Künstlern sind geplant.

Die Gemälde und Objekte der aktuellen Ausstellung führen in autonome Bildwelten und Grenzbereiche zwischen Wirklichkeit und Konstruktion. Eine Frau, barfuß und lediglich mit einem Sommerkleid bekleidet, steht in einer Waldszene, alleine, den Blick nach oben gewendet. Bäume und der Waldboden sind in Auflösung begriffen, verorten die fast fotorealistisch gemalte Figur in einer Traum- oder aber einer traumatischen Szene (Matthias Lautner: The Missing Tower, 2014, Öl und Acryl auf Leinwand). In Rückenansicht sitzt die junge Frau am Bildrand, auch sie blickt ernst und gedankenverloren in einen nicht näher zu bestimmenden Raum (The Judge, Öl und Acryl auf Leinwand, 2015).

Lautner wählt seine Bildmotive aus seinem "Archiv der Erinnerungen", wie Silvia Aigner, Chefredakteurin der österreichischen Kunstzeitschrift PARNASS und der Galerie bäckerstrasse seit langem verbunden, im Vorwort zum Katalogheft ausführt. Die Figuren wenden sich vom Betrachter ab, dem nicht sichtbaren Geschehen in den Bildräumen zu; lediglich die Titel weisen auf mögliche Geschichten, lassen die Gefühlszustände der Protagonisten erahnen.

Beide Künstler sind Wiener, werden seit 2008 von der Galerie bäckerstrasse vertreten. Lautner (geb. 1981) studierte bei dem Künstlerduo Markus Muntean/ Adi Rosenblum an der Akademie der bildenden Künste in seiner Heimatstadt und legt den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Malerei. Thomas Gänzler (geb. 1982) ist ehemaliger Meisterschüler von Erwin Wurm und setzt sich in seinen Grafiken und Objekten mit unterschiedlichen Materialien auseinander.


Thomas Gänzler, tiefe ll (I am nature), 2015, Lack auf beschichteter Spanplatte, 60 x 80 cm

Die schwarze Farbe öffnet sich in helle Felder, zeichnet Spuren der Auflösung oder der Verdichtung nach (Thomas Gänszler: tiefe I - VIII, I am nature, 2015, Lack auf beschichteter Spanplatte). Gänzlers Sprüharbeiten verweigern sich einer Narration, überlassen dem Betrachter das Sichtbar-Werden. Auch seine Objekte fordern das Sich-Einlassen, eher auf Prozesse als auf Zuordnungen.

Die Arbeit transport I (Kunststoff, Lack, Zement, 2015) wirkt auf den ersten Blick wie ein Fundstück: Rohrstücke, miteinander verbunden, auf Zementplatten fixiert. Doch Gänzlers Skulpturen "geben nur vor, Gebrauchsgegenstände zu sein" (Aigner). Neun weiße Stangen verbinden sich zu einem offenen Raum, dessen Funktion im Unklaren bleibt, eine Abgrenzung bildet oder vielleicht auch einem Schutz.
Fanatasie und Apokalypse liegen nah beieinander.

Lautner / Gänszler
bis 2. Mai 2015
Alexander Urban
Galerie bäckerstrasse Berlin
Eisenacher Str. 57
10823 Berlin – Schöneberg
baeckerstrasse-berlin.com

Dr. Barbara Borek

weitere Artikel von Dr. Barbara Borek

Newsletter bestellen




top

Titel zum Thema :

Quo vadis? Ein digitales Format auf einer Reise wohin? - The Last Museum in den KW
Ausstellungsbesprechung: Sechs Künstler*innen wurden von den KW Institute for Contemporary Art eingeladen, an der Ausstellung „The Last Museum“ mitzuwirken und dabei fällt nicht nur die formale Gleichförmigkeit aus kleinen Bildschirmen und ähnlicher Navigation auf.

EYES WIDE OPEN - DOK.fest München 2021
Ein Überblick: In München findet derzeit das hierzulande größte Dokumentarfilmfest statt. Bis zum 23. Mai werden auf dem DOK.fest München 131 Filme aus 43 Ländern gezeigt. Online, wie könnte es anders sein.

Befragung der Wirklichkeit – Julie Mehretu bei BORCH Gallery & Editions
Ausstellungsbesprechung: Julie Mehretus großformatige Grafiken der Serie „Slouching Towards Bethlehem“ lassen sich schwer fassen. Vor allem, wenn man weiß, was man weiß – oder weiß, was man nicht weiß ...

Auszeichnung für Projekträume und -initiativen vergeben
Kurzinfo: Zum zehnten Mal wurden die Preise zur Auszeichnung künstlerischer Projekträume und -initiativen vergeben. Folgende 10 Projekträume und -initiativen wurden von der Jury ausgewählt:..

berlin daily (bis 16.5.2021)
berlin daily mit ausgewählten Tagestipps zu Veranstaltungen rund um die zeitgenössische Kunst in einer wöchentlichen Vorschau:

Movement Research | Testplatz Wedding
OPEN CALL: Bis 17. Mai werden für das Open Call basierte Projekt Movement Research | Testplatz Wedding acht performative Projekte gesucht, ...

Filmfestival artspringnale
Im Rahmen des artspring berlin Kunstfestivals: Filmfestival artspringnale - Screening ist am 7. Mai um 18 Uhr.

Jeans-Dance am Straßenmast: Sofia Hultén in der Galerie Daniel Marzona
Ausstellungsbesprechung: Sofia Hultén bringt Hosen zum Tanzen, reißt Baggern Zähne aus, offenbart den phallischen Charakter der Drainagerohre und verwandelt Toilettenkabinen in scherenschnittartige Gartenskulpturen, die wie Pergola-Hütten anmuten.

Förderung für Projekträume und -initiativen ausgeschrieben
Ausschreibung: Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa vergibt, vorbehaltlich der Freigabe der Haushaltsmittel, ab 2022 eine zweijährige Basisförderung für Projekträume und -initiativen im Bereich Bildende Kunst.

Von der Erotik des Objekts. Giuseppe Desiato in der Galerie Isabella Bortolozzi
Ausstellungsbesprechung: Ein Nylonstrumpf erstreckt sich über einen nackten Körper, im oberen Eck funkelt ein diamantenes Schmuckstück. Devotionalien, Erinnerungen und Doppeldeutigkeiten zieren die großformatigen Fotoarbeiten Giuseppe Desiatos.

berlin daily (bis 9.5.2021)
Hier sind unsere Tipps für die Woche zu Veranstaltungen rund um die zeitgenössische Kunst:

Open Call: Vonovia Award für Fotografie 2021
Bis 30. Juni 2021 können FotografInnen und KünstlerInnen ihre Fotoserien zum Thema ZUHAUSE einreichen. Der Fotowettbewerb richtet sich an Profi- und NachwuchsfotografInnen und zählt mit 42.000 € Preisgeld zu den höchstdotierten Fotopreisen in Deutschland.(Sponsored Content)

Der Raum als Blob. Thomas Zipp in der Galerie Guido W. Baudach
Interessantes vom Gallery Weekend Berlin: Thomas Zipp. Response to Transient and Steady State Flickering Stimuli

artspring berlin Kunstfestival - 7. Mai - 6. Juni 2021
Unter dem Motto SIGNALE! lässt sich im Rahmen des Kunstfestivals artspring spots den ganzen Mai die Vielfältigkeit der Kunst- und Kulturproduktion in Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee über erleben: Ausstellungen, Konzerte, Performances, ... (Sponsored Content)

Unsere Empfehlungen zum Gallery Weekend Berlin
Diese Woche wurde noch gezittert, doch der Inzidenzwert liegt in Berlin weiterhin unter 150. Soll heißen, das Gallery Weekend findet statt und mit ihm viele Kunstevents.

top

zur Startseite

Anzeige
vonovia award-teilnahme

Anzeige
Responsive image

Anzeige
Responsive image

Anzeige
Responsive image

Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
GEDOK-Berlin e.V.




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Schloss Biesdorf




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
ifa-Galerie Berlin




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Galerie im Tempelhof Museum




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Kunsthochschule Berlin-Weißensee




© 1999 - 2020, art-in-berlin.de Kunstagentur Thomessen Hartlieb-Kühn GbR.