Die Söhne berühmter Männer haben’s schwer
Sigmund Freud hatte sechs Kinder, seine Tochter Anna Freud ist zumindest in Psychologenkreisen berühmt, aber wer hat schon mal was von Ernst Ludwig, dem jüngsten Sohn Freuds, gehört?
Ernst Ludwig Freud war Architekt und hat bis zu seiner Emigration 1933 neun Häuser in und um Berlin gebaut. Als hätte er sich nicht entscheiden können, weist jedes Haus eine eigene Stilrichtung auf. Sicherlich gehört Freud nicht zu den Stararchitekten seiner Zeit, aber seine Bauten waren bekannt und geschätzt. Eines davon, das unbestreitbar Eindrucksvollste, steht in Geltow oben auf dem Franzensberg mit einem atemberaubenden Blick über den Schwielowsee.
Der langgestreckte Backsteinbau entspricht mit seinen ineinander geschachtelten Kisten ganz der Sprache der neuen Sachlichkeit. Die Fensteröffnungen sind in die Fassade eingeschnitten und mit dünnen Profilen strukturiert. Große repräsentative Räume im Erdgeschoss in Verbindung mit kleineren Schlafräumen im Obergeschoss waren dem einstigen Auftraggeber Dr. Frank auf den Leib geschnitten. Der Bankier lebte und arbeitete in Berlin und besaß in Geltow sein Wochenenddomizil, an dem er sich jedoch nicht allzu lange erfreuen konnte. Schon nach fünf Jahren wurde der Besitz 1935 "arisiert" und Dr. Frank emigrierte.
Geblieben ist sein Haus mit Schiffsgeländer und typischen Schuhkartonflair der 20er Jahre, eingebettet in eine großartige Gartenanlage mit Rondell und Gärtnerwohnhaus. Trifft es auch nicht jedermanns Geschmack, so kann sich doch kaum einer dem schlichten und ausgewogenen Anblick dieser Architektur entziehen. Wie sieht ein Haus aus, das nach siebzig Jahren den heute dort arbeitenden Polier ins Schwärmen bringt?
Berlin Daily 11.09.2026
Die DDR auf der Venedig Biennale: Ein Prozess
18:00 Uhr: Ein Vortrag von Lucia Schreyer ifa-Galerie Berlin | Linienstr. 139–140 | 10115 B
Ernst Ludwig Freud: Villa Frank
von Stella Hoepner-Fillies
Weitere Artikel von Stella Hoepner-Fillies
Titel zum Thema: architekturportrait




Maschinenraum

Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank

Kommunale Galerie Berlin

Galerie Alte Schule im Kulturzentrum Adlershof

Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V.
Künstlerbiografien
Meldungen art-in.de
- Amel Bashier. Essence of Life
- Bernhard Leitner. Soundspacesculpture
- ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik 2026 an Sarah Alberti
- Jan Muche. Ein Schritt vor, zwei Schritt zurück
- Die poröse Festung: Zwischen geopolitischem Veto und dem Schimmer der Oligarchie
- Hello Worlds!
- Praemium Imperiale 2026: Jenny Holzer, Andy Goldsworthy und Daniel Libeskind unter den Preisträgern