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Berlin Art Prize 2015: PreisträgerInnen

von Dr. Barbara Borek (04.07.2015)
vorher Abb. Berlin Art Prize 2015: PreisträgerInnen


Miriam Yammad Mimesis I & II from the series “Mimesis” 2011-2014, Installation Shot, Berlin Art Prize 2015, Photo: Joseph Kadow and Timothy Schaumburg, courtesy of the artist


In der historischen Malzfabrik in Tempelhof wurden gestern Abend die Preisträgerinnen und der Preisträger des Berlin Art Prize 2015 vorgestellt: Miriam Yammad, Julian Weber und Rike Horb.. Zu Gast im Kunstort DISTRICT präsentiert eine Ausstellung nun für knapp vier Wochen ihre künstlerischen Positionen sowie die der weiteren 26 Nominierten.

Eine junge Frau blickt in die Kamera, diese nähert sich dem ausdrucksstark geschminkten Gesicht, zoomt auf ihre geschmückten Hände, geht wieder auf Distanz. Miriam Yammad, geboren 1979 in Freiburg, hinterfragt mit ihren Video-Arbeiten aus der Serie Mimesis (Mimesis I, 2011, HD Video, 4.00min; Mimesis II, 2012, HD Video, 3.00min) unsere Sicht- und damit auch unsere Denkweisen. Erst am Schluss des tonlosen Videos wird erkennbar, dass die Muslima nicht im heimischen Wohnzimmer, sondern in einem Möbelhaus sitzt. Die fast intime Annäherung mittels der Kamera findet an einem anonymen, öffentlichen Ort statt und fragt: Wie verorten wir kulturelle und persönliche Identitäten?

Julian Weber wurde von der Jury für seine Performance the tourist (performance and sculptural objects, 2015) ausgezeichnet. Der ausgebildete Tänzer, Choreograph und Künstler lässt in seinen Arbeiten Räume der Interaktion entstehen. Eine Auswahl an Sonnenbrillen, ein Motorradhelm, ein Getränkevorrat sowie ein Paar Turnschuhe, auf Blöcke montiert: die Installation zeigt Elemente der Performance, die am Eröffnungsabend stattfand und in der Ausstellung auf einem Monitor läuft. Zusammen mit Tarren Johnson (Musik) und einer Gruppe Teilnehmerinnen und Teilnehmern inszeniert Weber über einen Zeitraum von 2 ½ Stunden eine tänzerische Reise durch die Ausstellung.



Julian Weber, the tourist, 2015, Installation Shot, Berlin Art Prize 2015, Photo: Joseph Kadow and Timothy Schaumburg, courtesy of the artist


Für Rike Horb. steht ebenfalls die Interaktion von Objekt und Subjekt im Mittelpunkt. Die 1988 geborene Meisterschülerin von Olafur Eliasson eröffnet in ihrem Werk Flexible Walls/Gummimauer No.2 (performative Installation, Ziegel, Schaumstoff, Silikon, 2013/2015) die Möglichkeit, mit einer Steinmauer zu spielen, sie beweglich werden zu lassen, sich gegen sie zu lehnen. Auch diese Arbeit wurde während der Eröffnung in einer Performance vorgestellt.



Rike Horb., Flexible Walls/Gummimauer No.2, 2013/2015, Installation Shot, Berlin Art Prize 2015, Photo: Joseph Kadow and Timothy Schaumburg, courtesy of the artist


Auch die Collage Ich Grenze II (Selbstporträt, digitale Collage, 12 C-Print, MDF, 2012) der Wienerin Susanne Schuda verbindet persönliche mit gesellschaftlichen Räumen. Den Mund weit aufgerissen, die Zähe wie ein Hai gefletscht, bewegen sich die ausgerissenen, wieder zusammengesetzten Bildausschnitte in Richtung der Betrachter. Die Künstlerin setzt sich mit ihrem Selbstbild und den psychologischen und wirtschaftlichen Bedingungen des Seins auseinander, stellt Grenzen infrage.

Wanda Stolle, 1985 in Berlin geboren, ist mit ihrer Skulptur Sinus (Grafit, Leinöl, Kreide auf Holz, 2014) vertreten, Ruben Aubrecht aus Bregrenz, Österreich, spielt mit BAUHAUS Receipt No. 281 (Zeichnung, Tinte auf Papier, 2015) ebenfalls mit unserer Wahrnehmung, druckt ein türkisches Rezept auf einen typischen Baumarkt-Bon. Nora Arrieta, 1989 in Leipzig geboren und im letzten Jahr mit dem Mart Stam Preis ausgezeichnet, verbindet in ihrer Installation Transistor (Holz, Keramiken, Video, 2014) Dynamiken von Naturaufnahmen und tönernen Objekten.

Bereits zum dritten Mal bietet der unabhängige Kunstpreis einen weitgefächerten Blick auf die Berliner Kunstszene. Finanziell ermöglicht von privaten und öffentlichen Förderern, engagiert durchgeführt von Berlin Art Prize. Das Ziel: zeitgenössische Kunst in der Stadt zu unterstützen, Künstlerinnen und Künstler zu vernetzen und zu fördern sowie den “parallelen Künstlerszenen” entgegen zu wirken. Gegründet von Sophie Jung (Kunsthistorikerin, Journalistin), Zoë Claire Miller (Künstlerin, Kuratorin), Alicia Reuter (Editior, Autorin) und Ulrich Wulff (Maler) und unterstützt durch mehrere Mitglieder lobt der Verein den Preis jährlich aus, einzige Bedingung: die Teilnehmer leben und arbeiten in Berlin.

Die diesjährige Jury - Monica Bonvicini (Künstlerin, Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Wien), Natasha Ginwala (Kuratorin, Autorin, Forscherin), Elise Lammer (Kuratorin, Autorin), Kitty Kraus (Künstlerin) und Willem de Rooij (Künstler, Professor an der Städelschule, Frankfurt) – wählte die drei Preisträger einstimmig und gleichbereichtig aus über 700 anonymen Einsendungen aus. Die Ausstellung gibt einen spannenden Einblick in die Berliner Kunstszene und ihr engagierten Protagonisten abseits von großen Institutionen.

Die Gewinner erhalten eine von Yael Bartana gestaltete Trophäe, eine Residency in Griechenland sowie ein Preisgeld. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Lesungen, Workshops und Performances.

Weitere Künstlerinnen und Künstler sind: Maria Anwander, Fritz Bornstück, Johannes Büttner, Yvon Chabrowski, Adam Fearon, Paul Festa, Stef Heidhues, Emil Holmer, Michael Kleine, Linda Kuhn, Ivan Liovik Ebel, Sascha Pohflepp, Max Schaffer, Joram Schön, Stephanie Scholz, Studio Spektral, Gonçalo Sena, Emmy Skensved & Grégoire Blunt, Valerie Stahl von Stromberg, Dan Stockholm, Markus Wirthmann, Gloria Zein und Stefan Zeyen.

Berlin Art Prize 2015
Hosted by DISTRICT Berlin
Bessemerstraße 2-14
12103 Berlin

13. Juni bis 4. Juli
dienstags bis samstags 13 – 19 Uhr
http://berlinartprize.com

Dr. Barbara Borek

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Titel zum Thema Berlin Art Prize :

Berlin Art Prize 2015: PreisträgerInnen
11.7.2015 letzter Ausstellungstag, hier nochmals unsere Ausstellungsbesprechung:

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