Editorial

Liebe Leser,

2015 ist zu Ende gegangen und hat reichlich Anlass zu Berichten gegeben. Leider erreichten uns auch bedrückende Nachrichten der Zerstörung der UNESCO-Weltkulturerbestätten in Palmyra, Hatra oder des Palasts von Nimrud. Das Leid der Bevölkerung und der vielen Flüchtlinge wiegt ungleich schwerer. Dennoch schockiert das Bild der Zerschlagung einer assyrischen Figur im Museum von Mossul.

Es geht mit der Erkenntnis einher, dass Fragen aus Kunst und Recht die Terroristen nicht kümmern. Unser Verständnis des kulturellen Erbes ist dem sogenannten Kalifat fremd. Einem Grundkonsens internationalen Normengefüges zum Kulturgüterschutz wird mit dem Vorschlaghammer begegnet. Nationale und internationale Proteste zeigen keine Wirkung, und wir sehen dem machtlos zu. Zur Zerstörung von Kulturgütern im Zuge bewaffneter Konflikte und Religionskriege ist es auch in Europa gekommen, auch daran soll erinnert werden. Nicht zuletzt deshalb beunruhigt beim Betrachten solcher Bilder im 21. Jahrhundert ein ums andere Mal die Einsicht, dass all die Beiträge, wissenschaftlichen Konferenzen und mühsam ausgehandelten Übereinkommen in Krisenzeiten nur unzureichend Schutz für das Welterbe bieten. Immerhin wird der Verkauf in jüngster Zeit geplünderter Antiken zur Terrorismusfinanzierung aber immer schwieriger, und man kann sicher sein, dass gerade die weniger gut dokumentierten Stücke nicht der Zerstörung preisgegeben werden und ihren Weg auf den Markt finden sollen.

Herzlichst Ihr
Ulf Bischof

kur-journal.de