John Bock, Da-Dings-Da ist im Groß-Da da weil der Wurm im Moby Dick wohnt, 2014, Video, 25 Min., © John Bock, Courtesy Sprüth Magers

„War eine Superzeit“, lobte John Bock den Direktor der Berlinischen Galerie, Thomas Köhler. Am 24. Februar eröffnete in dessen Museum die Ausstellung „John Bock. Im Moloch der Wesenspräsenz“. Dabei war es für den Hausherrn sicher nicht einfach, dem Künstler bedingungslos zu vertrauen, denn nicht von ungefähr ist dieser berühmt-berüchtigt für seine unorthodoxen Installationen, die ein Museum schon mal ins Wanken geraten lassen können - durchaus nicht nur im sprichwörtlichen Sinne.

So hatte Block bereits 1999 im Kunstmuseum Wolfsburg eine Installation in den Hohlräumen der Ausstellungswände geplant, was aus baustatischen Gründen heikel war. Daraufhin behalf er sich mit einer tierischen Installation. Die Hauptrollen waren einem Huhn und einer Schildkröte zugedacht, was wiederum empörte Tierschützer auf den Plan rief. Nein, langweilig wird es nicht mit John Bock. „Regeln überschreiten“ lautet das Credo des 1965 geborenen und auf einem Bauernhof aufgewachsenen Bildhauers, Zeichners, Autors, Aktionskünstlers und Filmemachers. Dazu zähle es eben, die Durchgänge in einem Museum zu blockieren, Störmomente einzubauen.

So gesehen kommt Köhler glimpflich davon, darf sich vielmehr über eine „Freakshow, Bühne, Versuchslabor und Kino zugleich“ freuen - die erste große Museumsausstellung des international renommierten Künstlers. Bock genießt es offensichtlich, seine Arbeiten der letzten fünf Jahre in Berlin auszustellen: „Zuhause ist man immer mehr gefordert“, betont er.

Bereits den Ausstellungstitel darf sich der Besucher auf der Zunge zergehen lassen, weiter geht der rhetorische Reigen mit Werktiteln wie „Da-Dings-Da ist im Groß-Da-da weil der Wurm im Moby Dick wohnt“ von 2014 oder „Große Erscheinung der ins Licht getretenen TRIEBKREATUR“ von 2014.

Es ist ein äußerst bizarrer, teils verschreckender und klaustrophobischer visueller und akustischer Kosmos, der sich dem Besucher der Berlinischen Galerie auftut. So in der Installation „Der Pappenheimer“, an der sich auf weißem Untergrund der Bügel einer Brille mechanisch hebt und senkt wie die Beine einer Dame bei der Schenkelgymnastik. Etwas unterhalb hat Bock einen Kugelschreiber montiert, dessen Spitze rhythmisch raus- und wieder reingleitet und den Besucher zum Grinsen verleitet. Der Künstler selber liebt diesen Einfall. „Das ist einer dieser Glücksmomente, wie sie nur alle zehn Jahre vorkommen – und durch Sonne“.



John Bock, Cowwidinok, 2013, Video, 82:30 Min., © John Bock, Courtesy Sprüth Magers, Foto: David Schultz

Sinnlich oder komisch? Klamaukig oder hochintelligent? So genau kann man das nie sagen. Auch nicht bei der blauen Tüte, die sich aufbläht, zusammenfällt, aufbläht. Als „lustvolles Feiern des Absurden“ bezeichnet Kuratorin Stefanie Heckmann die Ausstellung, der die Zusammenarbeit mit dem Künstler sichtbar Freude bereitet hat. „Es ist, was es nicht ist“, so der Künstler.

Erbse und Stuhl können im Kosmos von John Bock ebenso selbstverständlich aufeinandertreffen wie Wimper und Kniescheibe. In unserer Dependenzenwelt sehe man nicht mehr den Freiheitsbegriff, so der Künstler, auf dessen Sprache und Metaphern - im rasanten Tempo entwickelt - man sich erst einmal einhören muss. Was ist Ironie, was hingegen todernst? Es ist ein riesiges absurdes Theater, das Bock heraufbeschwört, eine interdisziplinäre Fortsetzung der Experimente Samuel Becketts oder Eugène Ionescos unter Einbeziehung der Neuen Medien.



John Bock, Escape, 2013, Video, 7:30 Min., © John Bock, Courtesy Sprüth Magers, Anton Kern Gallery / Gió Marconi Gallery / Regen, Projects / Sadie Coles HQ, Foto: David Schultz

Nicht selten bleibt dem Besucher das Lachen im Halse stecken wie etwa in der Killergeschichte, in der der Verfolger seine Gedärme aus dem Leib holt, mit ihnen redet, um dann damit den Verfolgten zu erwürgen. Einer Wurstkette gleich baumeln diese Gedärme an der Windschutzscheibe eines Auto vis á vis der Leinwand.

In seinen Filmen arbeitet Bock mit namhaften Schauspielern wie Lars Eidinger, denen Bock am Vernissageabend eine Rolle zuschreibt. Sowohl auf der Leinwand als auch im Publikum vertreten, kann es so zu einer Doppelung kommen, ebenso wie Bocks „Quasi-Ich“ aus Holz, von einer Schauspielerin zersägt wurde, während der Künstler selber sich ein paar Meter entfernt handwerklich beschäftigt.

„Wenn ich zu viele Filme gemacht habe, suche ich wieder den Kontakt zu den Rezipienten“ erklärt Bock. „Ich knete Köpfe und packe sie in Becher und verschenke sie, ein ruhiges Laissez-faire“. Damit das Laissez-faire den Besucher nicht langweilt, liegen neben dem Knetenden diverse Essiggurken in zusammengerollten Socken - „ein kleines erotisches Element fürs Auge“.

Ausstellungsdauer: 24.02.–21.08.2017

ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr
Dienstag geschlossen

BERLINISCHE GALERIE
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