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Berlin Daily 24.05.2019
Festival Offenes Neukölln

24. bis 26. Mai 2019. Alles weitere siehe Website.

(Einspieldatum: 09.03.2019)

Antikino (The Sirene`s Echo Chamber) - Forum Expanded im silent green Kunstquartier

bilder

Regie: Monira Al Qadiri, Diver
Forum Expanded 2019
ARE/KWT 2018
© Monira Al Qadiri


Auf dem Weg die lange Rampe zur ehemaligen Leichenhalle hinunter sind sehr lautstark die rhythmischen Gesänge kuweitischer Perlentaucher zu vernehmen. Über dem Eingang des zum silent green Kunstquartier umgebauten Krematoriums Berlin-Wedding läuft dazu ein Video von Monira al Quadiri. Es zeigt Synchronschwimmerinnen in perlweiß und schlammfarben schimmernden Neoprenanzügen. Die Künstlerin will daran erinnern, dass der in ihrer Heimat ausgestorbene Berufszweig des Perlentauchens Kuweits Wirtschaft bestimmte, bevor im 20. Jahrhundert der Ölboom einsetzte.

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Regie: James Benning, glory
Forum Expanded 2019
USA 2019
© James Benning


Auch James Benning ist im „Forum Expanded“ mit einem Video vertreten, das Vergänglichkeit und Wandel auf spezielle Weise interpretiert. Zwei Stunden lang richtete der Künstler in North Carolina eine Kamera auf eine US-Flagge, die von Ausläufern des Hurrikans Florence nach und nach zerfetzt wurde. „Glory“, so der Titel dieses Videos. „So what?“, fragte sich so mancher Besucher.

Antikino versprechen die Organisatoren schon im Titel der Ausstellung „Antikino (The Sirene`s Echo Chamber)“. Das Versprechen haben sie eingelöst. Die vom Arsenal - Institut für Film und Videokunst kuratierte Schau findet im Rahmen des Forum Expanded im neu eröffneten silent green Kunstquartier statt. Zwar ist der Einstieg in die Ausstellung ein wenig enttäuschend, umso interessanter ist dafür jedoch der unterirdische Ausstellungsort, eben jene 1.600 Quadratmeter große ehemalige Leichenhalle, die nun Raum für 30 Kurz- und Langfilme, eine Gruppenausstellung sowie Bühnen- und Diskussionsveranstaltungen bietet.

Nachdem das 1909 erbaute Krematorium „aus allen Nähten platzte“, wurde es in den 90er-Jahren erweitert, berichtet Jörg Heitmann. Er gründete zusammen mit Bettina Ellerkamp das silent green Kunstquartier und hauchte der Totenhalle buchstäblich neues Leben ein. „Hier gab es 817 Leichenlagerplätze und 11 Seziertische.“ Heute sei dort „ein geschützter Ort, an dem gedacht, geforscht und experimentiert werden kann.“

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Regie: Clemens von Wedemeyer, Transformation Scenario
Forum Expanded 2019
LVA/DEU/CHE 2018
© Clemens von Wedemeyer


Ein überzeugendes Ergebnis gründlichen Denkens, Forschens und Experimentierens ist die Arbeit „Transformation Scenario“ von Clemens von Wedemeyer. Elias Canettis Buch „Macht und Masse“ (1960) habe ihn bereits sehr früh für das Thema Masse interessiert, erklärt der Professor für Expanded Cinema an der HGB Leipzig. In den Kinoblockbustern seien die Statisten längst durch Algorithmen ersetzt worden. Ähnlich den Avataren in Computerspielen bestünden die Mengen aus automatisierten Charakteren. Inzwischen habe dieses simulierte Leben auch die Bereiche Architektur und Urbanistik sowie die Finanzmärkte und den Handel erreicht. Canetti, der sich vor dem Hintergrund des Totalitarismus im 20. Jahrhundert mit dem Phänomen der Masse auseinandersetzte, unterschied die Masse in engel- und dämonengleiche Wesen. Er untersuchte, wie die Wesen wachsen, sich transformieren oder auflösen.
Von Wedemeyer richtet seinen Blick hingegen vor allem darauf, wie sich die Massendatenverarbeitung, Big Data, auf Leben und Gesellschaft auswirkt: „Ich habe die Werkzeuge und Algorithmen untersucht, die in der Film- und Spieleindustrie entwickelt wurden und die in der Zukunft genutzt werden könnten, die Massen zu kontrollieren.“

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Regie: Ala Younis, Drachmas
Forum Expanded 2019
JOR 2018
Courtesy of Sharjah Art Foundation


Mit einem bei uns weitgehend unbekannten Massenphänomen, der Geschichte des arabischen Fernsehdramas nämlich, setzt sich die in Kuwait geborene und in Ammann lebende Künstlerin Ala Younis in ihrer Installation „Drachmas“ auseinander. In über 40 Miniaturmodellen stellt die studierte Architektin die Produktion von Szenen aus berühmten Serien dar. In den 60er-Jahren hatte sich im arabischen Raum eine eigene Industrie ausgebildet, die Serien rund um das Dorfleben, Beduinenkultur, islamische Geschichte, Spionage u.a. erzählte. Infolge von Krieg, Boykott und Inflation entstanden sowohl die Innen- als auch die Außenaufnahmen im Studio.
Ala Younis wollte an diese Serien erinnern und stöberte in diversen Ländern VHS-Kassetten privater Serienliebhaber auf. Indem Ala Younis die individuellen Videoaufzeichnungen respektive Erinnerungen zusammenfügt, bringt sie die Serienkultur wieder zu Bewusstsein. In der Reduktion allerdings – losgelöst vom politischen, kulturellen und geografischen Kontext – wirken diese Szenen merkwürdig clean und abstrakt.

Es sind vor allem die herausragenden Arbeiten von Ala Younis und Clemens von Wedemeyer, die dem Forum Extended aus der ehemaligen Totenhalle höchst lebendige Impulse liefern.

Gruppenausstellung / group exhibition
ANTIKINO (The Siren’s Echo Chamber)

mit/with:
Monira Al Qadiri, Heike Baranowsky, James Benning, Félix Blume, Harun Farocki, Denise Ferreira da Silva and Arjuna Neuman, Shadi Habib Allah, Catherine Sullivan, Clarissa Thieme, Diana Vidrascu, Ute Waldhausen, Clemens von Wedemeyer, Evan Calder Williams and Anne Low, Billy Woodberry, Ala Younis, Akram Zaatari

Öffnungszeiten: 07.02.–17.02. täglich 11:00–21:00 Uhr außer 14.02. 11:00–17:00 Uhr

Nach der Berlinale: 19.02.–09.03. Di–So 14:00–19:00 Uhr

Betonhalle silent green / Galerie Ebensperger Rhomberg / Luxoom Lab
Gerichtstr. 35, 13347 Berlin

Ausstellung im Marshall McLuhan Salon der Botschaft von Kanada
Notes to Self von Christina Battle (Kanada) - EP

Ausstellung bei SAVVY Contemporary
Shadow Circus von Ritu Sarin und Tenzing Sonam (Indien) - WP

Inge Pett

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Titel zum Thema Forum Expanded:

Antikino (The Sirene`s Echo Chamber) - Forum Expanded im silent green Kunstquartier
Heute letzter Ausstelllungstag --> Besprechung

Forum Expanded: A Mechanism Capable of Changing Itself
Ausstellungsbesprechung: Wer die Ausstellung „A Mechanism Capable of Changing Itself“ in der Akademie der Künste am Hanseatenweg besucht, braucht Zeit. Viel Zeit.

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