Berlin Daily 27.10.2020
Gespräch: Beletage & Zuckerwatte

18h: Die Kuratorin der Fotografischen Sammlung, Ines Hahn, im Gespräch mit dem Fotografen Lars Nickel.
Märkisches Museum | Am Köllnischen Park 5 | 10179 Berlin

Times of Solitude - Wim Wenders in der online-Galerie Bastian

von Daniela Kloock (10.06.2020)
vorher Abb. Times of  Solitude - Wim Wenders in der online-Galerie Bastian

Wim Wenders, Waterfall, 1973, 2018
C-Print
8.5 x 10.8 cm
3 3/8 x 4 1/4 in
Edition of 12 + 2 AP


Wim Wenders, der zurecht als einer der unermüdlichsten und vielseitigsten Bildermacher hierzulande gilt und der schon als Kind mit einem Fotoapparat unterwegs war, wollte eigentlich Maler werden. Doch dann erschien ihm die Kamera doch als attraktiveres „Zeicheninstrument“. Hinzu kam seine Leidenschaft für das Kino. Heute umfasst das filmische Oeuvre des Regisseurs, der in Kürze seinen 75. Geburtstag feiert, an die vierzig Langfilme, Dokumentar- wie Spielfilme und zahlreiche Kurzfilme.
Ebenso überbordend ist sein Gesamtwerk als Fotograf. Das Direkte, Schnelle und Spontane dieses Mediums kommt dem Allround-Künstler auf der Suche nach Ausdruck entgegen. „Die Welt ganz alleine entdecken zu können“, ein Arbeiten ohne großes Team, ohne Vorentscheidungen und Abhängigkeiten wie beim Film, all dies eröffnet dem unentwegt Reisenden die Räume, die seine Kreativität und Phantasie anfeuern. Dabei ist ein spielerisches Element im Umgang mit der Technik für Wenders ebenso wichtig, wie die Funktion der Fotokamera als Erinnerungsspeicher oder Zeitkapsel. In den späten 1960er Jahren bis in die frühen 1980er Jahre war die Polaroid-Kamera das bevorzugte Foto-Medium. Sie funktionierte für ihn perfekt als Tagebuch, Arbeits-, Notiz- oder sogar Drehbuch.

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Wim Wenders, Street Front in Butte, 2000, 2001 Signed on two labels verso upper left »Wim Wenders«. C-Print 178 x 447 cm 70.1 x 176 in Edition of 6 + 2 AP

„In Times of Solitude“ - die derzeitige „exklusive“ online Ausstellung der Galerie Bastian - zeigt eine Auswahl von Polaroid Bildern als C-Prints. Hinzu kommen einige Fotografien aus der Zeit als Wenders den amerikanischen Westen bereiste, u.a. auf der Suche nach geeigneten Drehorten für den Film, der ihn international bekannt machen sollte, „Paris, Texas“ (1984). Verlassene Ortschaften, menschenleere Straßen, eine von Wind und Wetter zerfressene Leinwand eines Autokinos - klassische Wenders Motive zum Thema Einsamkeit, Zeit, Bewegung bzw. Stillstand. In der klein gehaltenen Auswahl an Bildern ist auch „Street Front in Butte“ dabei, ein Bild wie von Edward Hopper gemalt, jedoch von riesigen Ausmaßen (178x447 cm). Menschen kommen hier nicht vor. Jede Handlung scheint getilgt, alles wirkt wie eingefroren. Diese unglaubhafte, zuweilen unheimliche Ruhe findet sich bei Wenders immer wieder in seinen Fotografien. Die „Sauerkraut-Factory“ in Montana, der „Likör-Store“ oder der scheinbar träge dahinfließende Rhein bei Bonn (letztere Motive als Polaroid C-Prints), könnten Szenerien eines Films sein, bei dem in der nächsten Einstellung etwas Unerwartetes, Rätsel- oder Grauenhaftes geschieht.

Eine ganz andere Stimmung drücken dagegen die spielerisch spontanen Selbstportraits aus oder unscharfe Schnappschüsse - besonders originell die komplett unerkennbare Annie Leibovitz - ein Wasserfall auf Island, Dennis Hopper mit Cowboyhut oder Wolkenformationen, die fast laienhaft spontan aus dem Flugzeug heraus fotografiert sind.
Wer jedoch die Bezüge und Geschichten hinter den Bildern nicht kennt, wird dieser Auswahl etwas ratlos gegenüber stehen. Auch fehlen dem Betrachter am Bildschirm vielleicht all die schönen verschriftlichten Gedanken von Wenders zu Polaroid-Fotografien. Denn für ihn sind sie die letzten Zeugen des analogen Zeitalters. Nicht zu reproduzierende Objekte, durch und durch haptisch und einmalig. Da mutet es schon etwas paradoxal oder unpassend warholesk an, ausgerechnet von diesen von Wenders so hymnisch gefeierten Polaroid-Bildern C-Prints anzufertigen.

WIM WENDERS – IN TIMES OF SOLITUDE
28.05.-28.06.2020

BASTIAN
8 Davies Street
London
W1K 3DW
www.bastian-gallery.com

Daniela Kloock

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Titel zum Thema Galerie Bastian:

Times of Solitude - Wim Wenders in der online-Galerie Bastian
Ausstellungsbesprechung: Wim Wenders, der zurecht als einer der unermüdlichsten und vielseitigsten Bildermacher hierzulande gilt und der schon als Kind mit einem Fotoapparat unterwegs war, wollte eigentlich Maler werden.

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