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MONOBLOC – wie ein Plastikstuhl sein Image verändert

von Daniela Kloock (26.01.2022)
vorher Abb. MONOBLOC – wie ein Plastikstuhl sein Image verändert

Filmstill: Monobloc, DOK.fest München

In den Sommermonaten hat der Monobloc seinen großen Auftritt. Beim Grillfest, in der Strandbar, auf dem Campingplatz oder Balkon, vor der Eisdiele oder Fritten Bude, überall begegnet man dem weißen Plastikstuhl. Er ist so wunderbar praktisch, leicht, wetterfest und stapelbar. Obwohl allgegenwärtig, denkt niemand groß über ihn nach. Dabei ist er, kaum zu glauben, das meistverkaufte Möbelstück der Welt. Wie es dazu kommen konnte, und welche Fragen und Widersprüche sich hinter der Erfolgsgeschichte des Stuhls verbergen, zeigt ein Film, der jetzt in den Kinos anläuft.

Der Hamburger Regisseur Hauke Wendler entscheidet sich für sehr unterschiedliche Zugänge, um sich dem eine Milliarde Mal verkauften Objekt thematisch zu nähern. So wird der „schnöde“ Kunststoffstuhl beispielsweise aufwendig inszeniert wie für einen Werbespot. Da steht er dann entweder einsam im künstlich hergestellten Regen oder mit vielen seinesgleichen am Strand von St. Peter-Ording. Besonders gelungen ist jedoch Wendlers Idee mit dem LKW-Container. Darin zwei Monoblocs auf denen Platz nehmen kann, wer etwas über den Stuhl sagen will. Und das ist tendenziell nichts Gutes. Situierte HanseatInnen sind erzürnt, Plastik? Pfui Teufel! Bestenfalls wird der Stuhl belächelt - eher jedoch gehasst und verflucht. Und keinem der Befragten kommt es in den Sinn, dass der Monobloc für viele Menschen auf der Welt vor allem eins ist: nämlich preiswert.

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Filmstill: Monobloc, DOK.fest München

Ganz traditionell dokumentarisch gefilmt sind die Interviews, die die Geschichte seiner Herstellungsweise erzählen. Wir lernen etwas über das Spritzgussverfahren und über Polypropylen. Beides war die Voraussetzung, um aus nur einem einzigen Material, einer Form, und in nur einem einzigen Guss, das Möbel herzustellen. Dieses sensationelle Verfahren, welches der Ingenieur Henry Massonnet in den 1970er Jahren erfand, gab dem Monobloc dann auch seinen Namen. Der Film zeigt eines der letzten Interviews mit Massonnet, oder begleitet wenig später MitarbeiterInnen des Vitra-Museums, die den Stuhl aus heutiger Sicht ästhetisch und sozial bewerten. Hier wird bereits deutlich, wie stark der Monobloc polarisiert. Ästhetisch jenseits eines „guten Geschmacks“, Plastikmüll eben, für die anderen aber geniale Erfindung und ein veritabler Stuhl für die Welt. Dass Letzteres alles andere als untertrieben ist, beweist der Film.

Die Zuschauer begleiten den Regisseur und sein Team auf einer bunten, großen Reise in sechs Länder auf fünf Kontinenten. Dabei verändert sich die Perspektive. Je länger der Film dauert, desto deutlicher wird, wie unsere Werturteile auf einem verwöhnten, um nicht zu sagen arroganten Blick auf die Welt beruhen. So erfahren wir zum Beispiel etwas über die Umwandlung des Monoblocs zum Rollstuhl. In Uganda ermöglicht ein so angepasster Stuhl gehandicapten Menschen, die sich niemals einen richtigen Rollstuhl leisten könnten, die Fortbewegung. In Indien begleitet die Kamera einen dortigen Plastikstuhl-Unternehmer, der aus dem eigentlich weißen Grundmuster ausbricht und Stühle in allen Farben und Mustern herstellt. Auch hier werden einzelne Geschichten erzählt, die alle in dieselbe Richtung führen. Ein Stuhl ist besser als auf der Erde zu sitzen. Vor allem wenn diese kalt ist, was in vielen Ländern der Erde durchaus der Fall ist. Und in Brasilien, um auch das Thema Recycling angesprochen zu haben, begleitet der Regisseur eine Frau, die ihren Lebensunterhalt damit bestreitet, dass sie kaputte Plastik-Stühle einsammelt und in einer Fabrik zur Weiterverarbeitung abgibt.

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Filmstill: Monobloc, DOK.fest München

Immer wieder eingestreut sind die sympathischen Kommentare des Autors, in die auch die Schwierigkeiten der Produktion und der Finanzierung des Films einfließen. Last not least soll auch die tolle Musik erwähnt sein, die dem Film einen zusätzlichen Charme verleiht. Taco van Hettinga passt sich mit seinen Kompositionen an die jeweiligen Länder an.

So entlässt uns der Film am Ende nicht nur ein bisschen demütiger und nachdenklicher, sondern durchaus auch gut gelaunt. Unbedingt empfehlenswert!

Ab 27. Januar 2022 im Kino

MONOBLOC
ein Film von Hauke Wendler
Deutschland 2021, 90 Minuten

Im Februar 2022 erscheint zudem Hauke Wendlers Bildband „Monobloc“ im Hatje Cantz Verlag – mit Texten von Wendler und 120 Abbildungen.


Daniela Kloock

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