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Berlin Daily 14.06.2024
Vortrag + Klangperformance

18 Uhr: über urbane Gewässer (Christian Wolter vom IGB Berlin) | 18:30 Klangperformance (Jasmine Guffond) im Rahmen der Ausstellung "You are among us, we are among you". Kunstbrücke am Wildenbruch | Weigandufer Ecke Wildenbruchbrücke | 12045 B

Blaue Overalls und abgebrannte Mülltonnen. Mariona Berenguer in der Galerie im Saalbau.

von Maximilian Wahlich (02.06.2024)


Blaue Overalls und abgebrannte Mülltonnen. Mariona Berenguer in der Galerie im Saalbau.

Ausstellungsansicht: Mariona Berenguer, "Redemption, Maybe", © Gloria Jurado

In der Galerie im Saalbau in Neukölln versammelt die spanische Künstlerin Mariona Berenguer unter dem Titel REDEMPTION, MAYBE (dt.: Erlösung, vielleicht) insgesamt 12 Werke. Ein großer Raum gleich rechts vom Eingang bildet ein Separee und bietet eine Bühne für den Prolog. Mitten in diesem Raum stehen zwei ausgebrannte Mülltonnen – groß, schwarz und durch die Hitze pockennarbig zerschmolzen. Kopfüber gelagert, als wurde der marodierende Brandherd gerade erst gelöscht. Vereinzelt positioniert werden die Tonnen zur Skulptur. Sie sind sauber, von allen Resten befreit. Frohes neues Jahr ist eine Installation zur Neuköllner Silvesternacht, die mit einem solchen Kunstwerk den medialen Berichten von Brutalität und Eskalation aufgreift. Dass die Zerstörungswut, die sich in jener Nacht Bahn brach, zugleich auf Resignation, Widerstand und Aufbegehren verweist, wurde in den Medien nur am Rande beleuchtet. Vielleicht vermittelt die Installation die Spannung zwischen verschiedenen "Aggregatzuständen".

Generell widmet sich Berenguer in der Ausstellung dem Thema Arbeit und unserem Verhältnis zu ihr: das Mantra Sinn in ihr zu finden, die leeren Versprechen einer guten und erfolgreichen Lohnarbeit, das Konzept eines Entlohnungssystems an dem andere immer mehr verdienen werden. So befindet sich gegenüber der Installation Frohes neues Jahr die Arbeit Diptychon Overall 12/13 (Doppelblau). Der blaue Overall ist ein Symbol für Arbeit, insbesondere steht er aber für eine bestimmte Klasse und einer damit einhergehenden Identität. Die Arbeit steht nun den leergebrannten Tonnen gegenüber.
Ihr Dialog zwischen den leergebrannten Tonnen und dem Overall scheint wortlos. Unklar bleibt, ob diese Gegenüberstellung Fragen von Gerechtigkeit verhandeln soll oder einfach zwei Pole einer Ausstellung veranschaulicht.
Die Overall-Reihe verfolgt die Künstlerin schon seit langem: Begonnen hat sie mit orangener Schutzkleidung, die Künstlerfreund*innen während ihrer Lohnarbeit trugen. Berenguers schnitt den festen Stoff in Streifen, um sie dann zu textilen Wandarbeiten zu verweben. Damit spielt sie nicht nur mit der ästhetischen Qualität der klassischen Arbeitskleidung, sondern mit den Erinnerungen an Energie und Arbeitskraft, die in sie eingewebt sind.

Einen Raum weiter befindet sich die Installation Latin Locutions (ora et labora). Dabei handelt es sich um ein Gerüst, das Elemente eines Beichtstuhls zitiert und stark abstrahiert. Gelochte und glatte Stahlplatten bedeuten Sichtschutz und Knieablage. Arbeit als Religionsersatz, als Glaubenssystem – wer leistet, der verdient. Diesen Irrglauben kontert Berenguer mit ihrer Arbeit A/P (Artist`s Proof). Der negative Schwangerschaftstest legt den Fokus auf Sexualität, Körperlichkeit und sexuelle Identität. Die Künstlerin nutzt wiederholt eine Art Readymade: in Serie produziert und signiert, wird die Technik zur konsequenten Fortsetzung einer Arbeitsrealität, die Effizienz feiert. So werden hierbei Kunstwerk(t)e produziert und zugleich die desaströsen Zustände der freien Kreativszene beleuchtet. Sollen wir jubeln, wo die betroffene Person nun weiterhin Kunst schaffen kann? Oder sollten wir heulen angesichts eines Kunstbetriebes, der Elternschaft am liebsten ignoriert?

REDEMPTION, MAYBE
18.05.–28.07.2024

Galerie im Saalbau
Karl-Marx-Straße 141
12043 Berlin
Täglich 10 - 20 Uhr
Eintritt frei
galerie-im-saalbau.de

Maximilian Wahlich

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Blaue Overalls und abgebrannte Mülltonnen. Mariona Berenguer in der Galerie im Saalbau.
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