Raumansicht Uferhallen, Foto: art-in-berlin

Die für 2025 angekündigten Kürzungen des Berliner Kulturhaushalts sorgen weit über die Stadt hinaus für Bestürzung. Vor allem Mieter*innen öffentlich subventionierter Arbeitsräume haben Angst, dass ihnen bald die Kündigung ins Haus flattern könnte. Dirk Förster, Geschäftsführung der Kulturraum Berlin gGmbH (KRB), die rund 2.500 dieser Räume angemietet hat, bewirtschaftet und verwaltet, ist zuversichtlich, dass der Kampf um die Kulturförderung noch nicht verloren ist. Frank Lassak hat mit ihm gesprochen.

Frank Lassak: Dirk Förster, seit August dieses Jahres sind Sie Chef der Kulturraum gGmbH und mussten sich bereits nach rund 100 Tagen in dieser Position mit der drohenden Abwicklung des Unternehmens befassen, weil das Berliner Kulturbudget für 2025 empfindlich gekürzt werden soll.

Dirk Förster: Angesichts der drohenden Kürzungen müssen wir natürlich alles neu bewerten, also auch die bislang gültige Zielsetzung des Senats, bis 2030 in Berlin 5.000 geförderte Arbeitsräume für Künstlerinnen und Künstler zu schaffen und zu bewirtschaften. Die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich massiv verändert, und wir stecken in einer schwierigen Situation.

Lassak: Schwierige Situationen sind Ihnen nicht neu.

Förster: Allerdings, ich kenne solche Krisen aus meiner Zeit in der Tanz- und Theaterszene immer wieder seit Ende der 1990er Jahre. Aber die Art und Weise, wie die aktuelle Krise gerade über uns hereinbricht – das ist schon ohne Vergleich. Da ist zum einen das enorme Ausmaß der Kürzungen, zum anderen deren Verteilung auf die einzelnen Kultursparten – und die mangelhafte, anfangs gänzlich fehlende Kommunikation zwischen Politik und Kulturschaffenden.

Lassak: Bei der Höhe der Kürzungen gibt es dem Vernehmen nach keinen Spielraum mehr. Wenn das Abgeordnetenhaus am 19. Dezember den Haushalt verabschiedet, kommen einige Kulturinstitutionen und -projekte schlechter weg als andere. Für manche hat dann womöglich die letzte Stunde geschlagen. Welche Zukunft hat die KRB?

Förster: Immerhin ist es uns durch Verhandlungen in den vergangenen Wochen gelungen, die für das Arbeitsraumprogramm vorgesehenen Kürzungen in Höhe von 12 Millionen Euro, was rund 50 Prozent der Gesamtförderung des Programms entsprochen hätte, auf einen Sparbetrag von 5 Millionen Euro zu senken. Das ist freilich noch immer ein massiver Einschnitt, darunter wird unsere Arbeit zweifellos leiden – und ebenso die von etlichen Künstler*innen, die ihre Arbeitsräume verlieren. Bereits zum Ende des Jahres können wir einige auslaufende Mietverträge leider nicht verlängern. Betroffen davon sind rund 120 Mieter*innen. Hinzu kommt, dass wir unser Programm Kulturräume Kontingente nicht fortführen können. Das umfasst rund 15.000 Nutzungsstunden in Proberäumen verschiedenster Betreiber*innen, die wir subventioniert haben. Für die Nutzer*innen war das sehr wichtig, denn sie konnten richtig tolle Proberäume für fünf Euro pro Stunde mieten.

Lassak: Hinsichtlich der Zukunft der KRB scheinen Sie inzwischen etwas zuversichtlicher zu sein als vor ein paar Wochen. Weshalb?

Förster: Anfangs stand die Möglichkeit der sofortigen Liquidation der KRB im Raum. Das war natürlich eine absurde Idee. Das Thema ist inzwischen weitestgehend vom Tisch – auch weil es gar nicht möglich wäre, die Gesellschaft zu liquidieren, ohne dass sie ihre vertraglichen Verpflichtungen und die damit verbundenen finanziellen Belastungen erfüllt. Da die dafür nötigen Mittel nicht vorhanden sind, bliebe allenfalls eine Insolvenz der KRB. Und die hätte zur Folge, dass Immobilienbesitzer*innen und Mieter*innen, die mit uns Verträge geschlossen haben, Schadenersatz vom Land Berlin fordern könnten. Ganz zu schweigen vom horrenden Reputationsverlust für die Stadt.

Lassak: Mit welcher Schadenersatzhöhe müsste das Land rechnen?

Förster: Die exakte Summe ist schlecht vorherzusagen, aber ich würde davon ausgehen, dass sie höher wäre als die 130 Millionen Euro, um die der Kulturhaushalt 2025 gekürzt werden soll.

Lassak: Sind die 12 Millionen Euro denn definitiv vom Tisch?

Förster: Die Hürde Hauptausschuss ist zunächst schon mal genommen. Das ist eine Leistung, die wir ganz klar der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber auch der Lobbyarbeit von bbk, der Koalition der Freien Szene und letztlich uns selbst zu verdanken haben. Wir alle haben den Verantwortlichen klar gemacht, welche Folgen es für die Berliner Kultur hätte, wenn diese 12 Millionen Euro aus dem Arbeitsraumprogramm gestrichen würden. Allerdings muss das Abgeordnetenhaus die auf 5 Millionen Euro reduzierte Kürzung noch beschließen.

Lassak: Die 5 Millionen Euro tun trotzdem weh. Was bedeuten die Sparmaßnahmen etwa für den Fortbestand der Uferhallen oder des Kulturkatasters – beides Projekte, die von der KRB gemanagt werden?

Förster: Für das Kulturkataster kann man die langfristigen Auswirkungen noch nicht bewerten. Wir versuchen auf jeden Fall, die gerade begonnene technische Umsetzung und Datenredaktion zu realisieren, wissen aber noch nicht, ob ab 2026 weiterhin Mittel dafür bereitstehen. Das ist ein großes Problem, denn so leidet das Projekt darunter, dass ihm zurzeit die langfristige Perspektive fehlt. Das heißt, wir werden das Kataster aufstellen, wissen aber nicht, ob wir in der Folgezeit die Mittel haben, um es technisch und personell betreiben zu können. Doch zunächst geht es darum, dass wir trotz knapperer Ressourcen überhaupt die Umsetzung schaffen.

Lassak: Und wie steht es um die Uferhallen?

Förster: Das ist eine sehr schwierige Sache. Einerseits liegt es im Interesse aller Beteiligten – von der Eigentümer*innengesellschaft über die Kulturverwaltung bis zu den Künstler*innen und dort eingemieteten Gewerbetreibenden –, dass die Nutzung der Hallen weiter möglich ist. Andererseits liegen zurzeit die für den langjährigen Fortbestand nötigen Verpflichtungsermächtigungen noch nicht vor. Das heißt, obwohl wir mit den Eigentümern einen auf 20 Jahre mit Option auf Verlängerung geschlossenen Mietvertrag haben, müssen wir uns, was die Finanzierung betrifft, von Jahr zu Jahr hangeln und das ist sehr schwierig..

Lassak: Und was bedeutet es, wenn die Ermächtigungen nicht vorliegen?

Förster: Für jeden einzelnen Standort braucht es für die langfristigen Verträge eine Verpflichtungsermächtigung zur Absicherung über 10 Jahre. Für die KRB ist es sonst ein jährliches Finanzierungsproblem. Wie das in der Praxis funktionieren soll, möchte ich mir jetzt gar nicht vorstellen. Für die Nutzer*innen wäre es jedenfalls eine höchst unsichere Sache: Wer möchte schon jedes Jahr aufs Neue um seinen Arbeitsraum bangen? Gerade in Berlin, wo die Mietsituation für freie Künstler*innen immer schwieriger wird, wäre das ein Alptraum.

Lassak: Kultursenator Joe Chialo hat seit seinem Amtsantritt kaum eine Gelegenheit ausgelassen, der Kreativbranche einzuimpfen, dass sie angesichts der schrumpfenden öffentlichen Budgets die Zusammenarbeit mit Geldgebern aus der Privatwirtschaft suchen solle. Ist so etwas für die KRB überhaupt denkbar?

Förster: Wir können zwar Ideen entwickeln, um unser Einnahmepotenzial zu steigern. Das wird aber eher über Vermietungen passieren, die nicht subventioniert sind. Denn das ist unser Kerngeschäft. Sponsoren suchen nach Öffentlichkeit, nach Sichtbarkeit. Dafür gibt es Hunderte von Kunst- und Kulturinstitutionen in der Stadt, die sie sponsern können. Mit einem Sponsoring von Arbeitsräumen kann vermutlich niemand viele Punkte sammeln. Dennoch würden wir uns freuen, wenn große Unternehmen der Immobilienwirtschaft oder potente Eigentümer uns sponsern.