Egon Eiermann wäre im September letzten Jahres 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums haben drei renommierte Institutionen gemeinsam eine Ausstellung über den Architekten zusammengestellt, die erst in Karlsruhe präsentiert wurde, nun in Berlin startet und Mitte des Jahres überraschenderweise auch in Nürnberg zu sehen sein wird.
Ausstellungskonzeption und Durchführung lag in den Händen des Berliner Bauhaus-Archivs in Zusammenhang mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe und der Städtischen Galerie Karlsruhe.
Unter dem Titel "Egon Eiermann (1904-1970). Die Kontinuität der Moderne" werden im Bauhaus-Archiv vom 29. Januar bis zum 16. Mai 2005 viele verschiedene Aspekte seines Oeuvres anhand von Skizzen, Zeichnungen und Modellen veranschaulicht. Sein berühmter Pavillon der Weltausstellung in Brüssel von 1958 erfährt als Computersimulation eine Wiederbelebung, und Einblicke in Eiermanns alltägliche Büroarbeit können mit Hilfe von Briefen und anderen zeitgenössischen Dokumenten gewonnen werden.
Egon Eiermann wurde 1904 in der Nähe von Berlin geboren. Nach dem Studium der Architektur bei Hans Poelzig an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg arbeitete er in den Architekturabteilungen der Karstadt AG und der Berliner Elektrizitätswerke. In den 30er Jahren spezialisierte er sich unter anderem auf den Industriebau und gewerblich genutzte Bauaufgaben. 1947 erhielt Eiermann einen Ruf an die Technische Hochschule Karlsruhe, an der er den Lehrstuhl für Bauplanung und Entwerfen übernahm. Bis zu seinem Tode im Jahre 1970 führte Eiermann in Karlsruhe neben seiner engagierten Lehrtätigkeit auch ein eigenes Architekturbüro.
Einige seiner bekanntesten Bauten sind der Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz in Berlin, Olivetti in Frankfurt am Main, der Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel, die deutsche Botschaft in Washington oder auch der "Lange Eugen" in Bonn.
International wurde das Werk des Architekten meist in Zusammenhang mit der Neuerschaffung der Demokratie gesehen. Viele Eigenschaften seiner modernen Baukörper entsprachen geradezu prophetisch den damals neu formulierten Ansprüchen an die junge Bundesrepublik. Sie huldigten zum Beispiel einer noch eher unbekannten Transparenz und passten in Grund- und Aufriss zu einem Anspruch an gestalterische Klarheit, die mit dem neuen Demokratieverständnis leicht in Einklang zubringen war.
Er gilt - zu Recht - als einer der bedeutendsten Architekten der deutschen Nachkriegszeit und war immer ein Verfechter der These, dass sich ein Architekt im Bereich zwischen Kunst und Technik befände und je nach Anforderung als Künstler oder Ingenieur tätig werden müsse.

Der parallel erscheinende Katalog verfügt über 224 Seiten mit 308 Abbildungen und ist für 24 € an der Museumskasse erhältlich
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29. Januar-16. Mai 2005
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung
Klingelhöferstraße 14
D - 10785 Berlin
Mi.-Mo. 10.00 – 17.00 Uhr
bauhaus.de

15. Juli - 25. September 2005 im Neuen Museum - Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg