Trisha Baga, Video Still, 2025. Courtesy of the artist and SOCIÉTÉ
Was in den Altbauräumen der Galerie nahe dem Berliner Ku’damm zu sehen ist, wirkt wie eine Traumlandschaft und weckt zugleich Assoziationen aus dem eigenen Alltag – oder vielmehr aus den Nächten vieler Menschen. Ins Gedächtnis gerufen werden die stillen Stunden, in denen sich Schlaflosigkeit mit Entdeckergeist paart und der Laptop doch noch einmal aufgeklappt wird. Ein Phänomen unserer Zeit, das viele kennen und doch selten miteinander geteilt wird.Trisha Baga, in New York lebend, zeigt hier ihre sechste Einzelausstellung in der SOCIÉTÉ Berlin. Bekannt ist sie für ihre Auseinandersetzung mit alltäglichen Praktiken innerhalb der digitalen Bildwelt. Obwohl sie multimedial arbeitet, bleibt die Malerei ihr zentrales Fundament. Aus dem unbewussten Umgang mit visuellem Material entwickelt Baga ihre künstlerischen Prozesse. Sie selbst bezeichnet sich als Hoarder of Images – als Sammlerin, die Bilder anhäuft, ordnet und in neue, eigenwillige Zusammenhänge überführt.
Einzelne Arbeiten erstrecken sich als eine immersive Installation über mehrere Räume der Galerie. Die in dunklem Blau gestrichenen Wände werden zu Projektionsflächen, auf denen sich eine Vielzahl kleiner Keramikarbeiten wie Computer-Icons von der Wand abheben. Sie sind niedlich, detailreich, fast überfordernd in ihrer Fülle. Überlagert werden sie von flirrenden Videoelementen, die sich als zweite Ebene über die Keramik legen und so ein dichtes, mehrschichtiges Bildgeflecht erzeugen: Desktopansichten mit haptischen Bausteinen.
Trisha Baga, Video Still, 2025. Courtesy of the artist and SOCIÉTÉ
MORE veranschaulicht die Gleichzeitigkeit des digitalen Sehens – den ständigen Wechsel zwischen parallelen Bildräumen, Tabs und Fenstern. Die Videos rahmen die Installationen und verlangen nach einer Gesamtansicht, während die kleinen Keramik-Icons die Aufmerksamkeit wieder ins Detail zwingen. Dieser rhythmische Wechsel von Überblick und Fokussierung macht eigene Sehgewohnheiten bewusst – und löst sie zugleich auf.Im Zentrum der Schau steht die titelgebende Videoarbeit, die ihrem installativen Umfeld eine Tendenz ins Beunruhigende verleiht. Mit Bild- und Tonfragmenten aus Found Footage und eigenem Material entsteht eine Kulisse, die zugleich überstimulierend, unlogisch und mäandernd wirkt. Es ist eine Flut aus Eindrücken ohne Anfang und Ende, die unsere Wahrnehmung fortwährend beansprucht — More eben.
Trisha Baga
MORE
7. November 2025–17. Januar 2026
Öffnungszeiten:
Di-Sa; 11–18 Uhr
Société
Wielandstraße 26
10707 Berlin
societeberlin.com








