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  LITERATUR  
 
 

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Zeitenwechsel


Architekturführer Berlin


Arte Povera


Kunstszenarien
in Unternehmen


WallWorks

weitere Buchbesprechungen

Formen interaktiver Medienkunst
Hg. Peter Gendolla, Norbert M.Schmitz, Irmela Schneider, Peter M.Spangenberg

Suhrkamp Verlag, 2001
ISBN: 3-518-29144-0
29,90-DM / 15,29-€

Die Eindringlichkeit und Vehemenz, mit der noch in den neunziger Jahren über interaktive Medienkunst diskutiert wurde, hat nachgelassen. Statt dessen nimmt - trotz der erst kurzen Geschichte der Medienkunst - die kulturwissenschaftliche Einordnung und Kategorisierung ihrer unterschiedlichen Tendenzen ihren Lauf und beschwichtigt gleichzeitig deren gesellschaftliche Relevanz.

Das Buch+CD mit dem Titel "Formen interaktiver Medienkunst" hat es sich nun zum Ziel gesetzt: "... nicht eine konsensorientierte ´Aussöhnung` von Standpunkten, sondern eine pointierte Profilierung divergenter Argumentationskontexte und Erfahrungsbereiche, ... als Einführung und Anstoß für weitere diskursive und künstlerische Praktiken ... (zu geben)".

Nachdem zunächst in der Einleitung der Begriff der Interaktivität als "Beschreibung aller kommunikativen Prozesse (auch) jenseits des Kunstsystems, die mediengestützte Simulation einer Face-to-Face-Kommunikation weiterentwickeln", definiert wird, folgt eine gut geordnete Kapitelaufteilung:

Zur Geschichte der interaktiven Medienkunst
Zur Theorie der Interaktivität
Theorie als Praxis / Praxis als Theorie
Positionen interaktiver Medienkunst der Gegenwart
Jenseits des Kunstsystems

Jedem Kapitel sind Aufsätze von Autoren/innen wie u.a. Marie Luise Angerer, Bazon Brock, Oliver Grau oder Peter M.Spangenberg zugeordnet, die sich dem Thema kulturhistorisch, systemtheoretisch, diskursgeschichtlich oder kunsttheoretisch nähern. Dabei werden auf interessante Weise bekannte und noch weniger bekannte Tendenzen der interaktiven Medienkunst mit ihrem ursprünglichen Anspruch und dem Ergebnis konfrontiert.
Die zu dem Buch gehörende CD bietet zusätzlich Informationen wie z.B. Künstlerbiografien, Interviews, Linksammlungen und Abbildungen zu den unterschiedlichen Werken der Künstler. Hier hätte man sich - bei diesem ambitionierten Projekt - eine etwas mutigere Herangehensweise gewünscht.
Ansonsten gibt das Buch interessante Anregungen und bietet einen guten Überblick zur interaktiven Medienkunst.

© Carola Hartlieb für art-in-berlin


Fassaden der Macht -Architektur der Herrschenden
Barbara Kündiger

Verlag E. A. Seemann, Leipzig 2001
ISBN 3-363-00742-6
DM 98,-

Die neuen Berliner Fassaden der Macht nimmt die promovierte Kunsthistorikerin Barbara Kündiger zum Anlaß, um nach vergleichbaren Ansatzpunkten von Herrschaftsarchitektur zu fragen. Ausgehend vom Mittelalter bis zur Gegenwart zeigt sie an verschiedenen ausgewählten Beispielen, was eine "Fassade der Macht" definiert und entsprechend ihrer Funktionalität (Kirche, Rathaus, Firmengebäude etc.) ausmacht. Dabei beschränkt sich die Autorin nicht nur auf den europäischen Raum, sondern behandelt auch Beispiele aus Brasilien, Malaysia, den Vereinigten Staaten ebenso wie Projekte, die nur im Planungsstadium verblieben sind (Palast der Sowjets, Moskau; "Große Halle", Berlin).

Einen Schwerpunkt legt Kündiger dennoch auf die Berliner Architektur: Reichstag, "Rotes Rathaus", Palast der Republik, Bundeskanzleramt und Reichstagumbau werden nach den in den Fassaden verborgenen Entstehungs- und Interessengeschichten befragt, kenntnisreich besprochen und die Ergebnisse kritisch diskutiert. Hier zeigt sich die Stärke der Autorin, während sie in anderen Kapiteln doch häufig zu Zitaten greift. Aber selbst bei Gebäuden, über die schon alles geschrieben scheint (z. B. Palazzo Vecchio, Florenz) fördert sie das eine oder andere Detail zutage.

Entsprechend der Thematik ist der Band mit vielen Abbildungen ausgestattet, aber in der Mehrzahl sind sie schwarzweiß und manchmal leider auch unscharf. Auch das keiner erkennbaren Logik folgende Spartenlayout bringt unnötige Unruhe hinein.

Fazit: Kein Buch für Architekturexperten, sondern für den interessierten Laien, dem durch die systematische Darstellung eine Grundlage und das nötige Instrumentarium an die Hand gegeben wird, um im Zukunft die Fassaden der Macht nach ihrer Aussage zu hinterfragen und auch die neuen Gebäude der "Berliner Republik" mit schärferen Augen zu betrachten.

© Christine Roth für art-in-berlin


Foto-Anschlag / Vier Generationen ostdeutscher Fotografen
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig (Hrsg.)

E.A.Seemann Verlag, Leipzig 2001
ISBN 3-363-00757-4
DM 39,90

Im Jahre 1988 wurde in Leipzig unter dem Titel "Foto-Anschlag" ein Mappenwerk mit Fotografien junger, ostdeutscher Künstler publiziert. Das im Selbstverlag und in geringer Auflage erschienene Werk enhielt künstlerische Positionen, die sich dem gängigen Pathos der "offiziellen" Fotografie entzogen. An dem Projekt nahmen u.a. Künstler wie Michael Brendel, Else Gabriel oder Gundula Schulze teil.

An dieses Mappenwerk knüpft der so eben erschienen Bildband (Juli 2001) mit gleichnamigen Titel an. Im Blickpunkt des Buches steht die sozialdokumentarische Fotografie der DDR-Zeit mit ihren unterschiedlich formalen und inhaltlichen Betrachtungsweisen. Sorgfältig ausgewählte Arbeiten aus vier Generationen von Fotografinnen und Fotografen wie Arno Fischer, Evelyn Richter, Helga Paris, Christian Borchert, Margit Emmrich, Gerhard Gäbler, Merit Pietzker und Ulrich Kneise spiegeln das Spektrum dieser speziellen Ausrichtung der Fotografie wider. Gemeinsam scheint den Fotografien das Interesse an einer unspektakulären Darstellung, bei der der Mensch in seinem sozialen Umfeld im Zentrum der Bilder steht. Die Banalität des Alltags mußte nicht inszeniert werden, sondern genügte sich selbst. So fehlt den Bildern - gleich, ob es sich um das Ablichten von Arbeitswelt und Freizeit oder Familien-, Gruppen- und Einzelaufnahmen handelt - jegliche Sentimentalität und Larmoyanz. Gerade dieser Verzicht eröffnet ein unprätentiöses Eintauchen in vergangene Zeiten, ohne in Wehmut oder Nostalgie zu versinken.

Ergänzende Texte zu den einzelnen Fotografen sowie zeitgeschichtliche Anmerkungen zur sozialdokumentarischen Fotografie machen den Bildband zusätzlich zu einem interessanten Lesebuch.

© Carola Hartlieb für art-in-berlin

 

 

 
    Zeitenwechsel. Das Berliner Künstlerprogramm des DAAD und seine Gäste (1988-2000)

Das Berliner Künstlerprogramm wurde 1963 von der Ford-Foundation als Artist-in- Residence-Programm gegründet und zwei Jahre später von dem DAAD übernommen. In den 25 Jahren bis 1988 nahmen über 700 Künstler an dem Programm teil. über deren Berliner Aufenthalt und Arbeiten vor Ort gibt die Publikation "Blickwechsel" Auskunft.
Dem Zeitraum von 1988 bis heute ist nun erneut eine Publikation gewidmet. Unter dem Titel "Zeitenwechsel" wird auch hier das Leben und Arbeiten der über 300 Stipendiaten - bildende Künstler, Schriftsteller, Dichter, Komponisten und Filmemacher - beleuchtet. Anhand zahlreicher Selbstzeugnisse der Künstler schildert der Autor Hans-Joachim Neubauer auf anregende Weise das Fühlen und Denken der Gäste des DAAD in einer für sie fremden Stadt.
Unzählige kleine Geschichten vermitteln zwischen Fremdheit, Vertrautheit und der Möglichkeit, Berlin aus anderen Blickwinkeln wahrzunehmen. Zusätzlich erhält der Leser - aus der Sicht der Künstler ergänzt durch Informationen des Autors - ausführliche Informationen über Wege und Ziele des Künstlerprogramms, das für Berlin ein außergewöhnliches Reservoir an kulturellem Austausch bietet. Zahlreiche Fotos einzelner Werke, aber auch der Künstler selbst, runden die Texte ab und machen das Buch zu einem interessanten Lesebuch und Geschichtsdokument zugleich.
© Carola Hartlieb für art-in-berlin

 


 

     
     

Architekturführer Berlin

 

 
 

 

 

 

 

 

 

Im Reimer Verlag ist jetzt die sechste Auflage des Architekturführers Berlin erschienen. Die Ausgabe wurde grundlegend überarbeitet und um weitere 42 Objekte ergänzt. Aktuell beschreibt das Buch über 800 Gebäude und Architekturensembles jeglicher Art und aus den unterschiedlichsten Epochen.

Von Nummer 1, dem Roten Rathaus, bis Nummer 802, der St. Peter und Paul Kirche in Zehlendorf, gibt es zu jedem Gebäude eine Abbildung, fast immer einen Grundriß sowie verständlich beschriebene, architektonische und historische Fakten. Hervorzuheben ist der ausführliche Register im Anhang des Buches, das im übrigen durch sein handliches Format ein praktischer Begleiter vor Ort ist.

Beispielgebend ist nach wie vor auch in dieser Ausgabe das gut durchdachte Navigationssystem, das auf der Grundlage von eingefügten Stadtteilplänen die einzelnen Bauwerke leicht auffinden läßt. In diesem Sinne kann art-in-berlin den Architekturführer jedem Architekturinteressierten sowie Berlinbesuchern uneingeschränkt empfehlen.
 

    Arte povera
         
    Nike Bätzners Buch über die Arte povera handelt von der wichtigsten Strömung der italienischen Nachkriegskunst, die seit ihren Anfängen Ende der sechziger Jahre zahlreiche künstlerische Tendenzen inner- und außerhalb Europas beeinflußte. Zu der Strömung zählten Künstler, die heute weit über die Grenzen Italiens hinaus bekannt sind und in der Kunstgeschichtsschreibung ihren festen Platz haben, wie beispielsweise Mario Merz, Jannis Kounellis, Giulio Paolini, Luciano Fabro, Michelangelo Pistoletto oder Alighiero Boetti.

In einer spannenden und umfassenden Betrachtung vermittelt die Autorin einen Einblick in die Geschichte und das ästhetische Selbstverständnis der Arte povera. Dabei wird dem Zeitphänomen als inhaltlichem und formkonstituierendem Moment eine zentrale Rolle zugewiesen: "Grundsätzlich eröffnet die Integration von Zeit in das Medium der Kunst die Möglichkeit, die Grenzen zwischen den einzelnen Kunstgattungen aufzubrechen und das Augenmerk weg von der Statik auf ein Werden und Geworden-Sein der Werke zu lenken." Begriffsfelder wie Ereignis und Erinnerung, so der erweiterte Buchtitel, bestimmen dabei als Eckpfeiler die kunstwissenschaftliche Analyse und den philosophischen Diskurs des Buches.

Grundlage für die Ausführungen bilden Werkbetrachtungen zu Paolini, Pistoletto und Kounellis, die exemplarisch das Spektrum der Bewegung widerspiegeln. Deutlich wird hierbei, daß die Künstler "... kein lineares Konzept (verfolgten), sondern die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte (suchten) und lebendige Vielfalt gegenüber der dogmatisch puristischen Haltung der Amerikaner (wie in der Minimal Art propagierten)." Trotz der Vielfältigkeit der künstlerischen Haltungen innerhalb der Arte povera kann als gemeinsame Grundhaltung eine kritische Reflexion gegenüber der tradierten Auffassung, wie z.B. der Abgrenzung einzelner Gattungen oder der Idee der Autonomie von Kunst, ausgemacht werden.

Die Zusammenarbeit der Autorin mit den Künstlern und die Untersuchung von neuem oder bisher wenig beachtetem Quellenmaterial ergeben einen authentischen Blick auf den ideengeschichtlichen Hintergrund der Arte povera. Das Buch wird somit unabdingbar für die zeitgenössische Kunstgeschichtsschreibung und stellt gleichzeitig für jeden Kunstinteressierten einen iaufschlußreichen Einblick in das vielfältige Programm der Arte povera dar.

 

 
     

Kunstszenarien in Unternehmen

 

     

Anhand dreier unterschiedlicher "Kunstszenarien in Unternehmen" untersucht Elisabeth Wagner in ihrem gleichnamigen Buch das Zusammenspiel von Wirtschaft und Kunst. Im Vordergrund steht hierbei die kunsthistorische Betrachtung der von den Unternehmen erworbenen Kunstwerke sowie die Offenlegung von Primärstrukturen in der Unternehmenspraxis, welche die Bedingungen für einen aufgeschlossenen Umgang mit zeitgenössischer Kunst ermöglichen.

In ihrem 1.Szenario behandelt die Autorin Ben Willikens´ Gemälde im Auditorium der Daimler-Benz-Hauptverwaltung und reflektiert Gründe, die Anfänge und Aufbau der Sammlung von Daimler-Benz bestimmten. Argumente liefern in erster Linie die Kunstverantwortlichen des Unternehmens selbst. So wurde die Sammlung nach den Worten von Edzard Reuter (einem der Anreger) angelegt, "...um damit Aufgeschlossenheit über die unmittelbare unternehmerische Zweckorientierung hinaus zu demonstrieren". Gleichzeitig soll die Kunst Kommunikationsebenen berühren, welche die Wertvorstellungen der Mitarbeiter ansprechen. Die Arbeiten von Willikens stehen hierbei für ein Potential, das dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern Raum für Phantasie und Imagination eröffnet. Kunst impliziert hier Ressourcen, die sich Kraft ihrer ästhetischen Möglichkeiten produktiv auf das Unternehmen auswirken.
Aber auch bei dem 2. Szenario dem "Farbfeld 845/91" von Rupprecht Geiger im Betriebsrestaurant der Siemens AG in München macht Elisabeth Wagner deutlich, daß ein Unternehmen als "lernende Organisation" von flexiblen und kreativen Strukturen künstlerischen Denkens profitieren kann. So heißt es im Rahmen des Siemens Kulturprogramms: "Man will Situationen schaffen, in denen ungewöhnliche Initiativen aufeinander treffen, unterschiedliche Disziplinen und Diskurse miteinander in Verbindung treten, so daß allein schon aus der ungewohnten Kombination ein Innovationsgewinn resultiert."
Das 3. Szenario verweist auf "Angewandte Kunstwissenschaft im Unternehmen: Max Imdahl diskutiert moderne Kunst mit Vertrauensleuten der Bayer AG". Erinnert wird an die regelmäßigen Diskussionen, die der Kunsthistoriker Max Imdahl in einem Zeitraum von fast 10 Jahren mit den Mitarbeitern der Bayer AG über Werke moderner Kunst führte. Kunst sollte als eigenständige Kommunikationsebene erfahren werden, um ihre spezifische Kreativität zu erkennen und sie sowohl individuell als auch produktiv zu nutzen.
 


 
 

 

WallWorks

 

  WallWorks ist ein Buch, das nicht nur durch seine zugrundeliegende Idee einer erweiterten Editionspraxis, sondern auch in seiner Ausführung besticht: Auf 234 Seiten werden 38 architekturbezogene Wandarbeiten in gering limitierten Auflagen von 29 international renommierten Künstlern vorgestellt. Jedem Werk sind mehrere farbige Abbildungen in unterschiedlich räumlichen Kontexten gewidmet, so daß auf beeindruckende Weise veranschaulicht wird, wie die Editionspraxis auf das Prinzip Wandgestaltung übertragen wurde bzw. werden kann. Ob es sich um computererzeugte Iris Prints von Nam June Paik, Siebdrucke von Rosemarie Trockel oder Wandmalerei von Günther Förg - um nur einige zu nennen - handelt, jedes Werk erfährt durch die Vorgaben der Künstler und die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten ein individuelle und dem Unikat durchaus vergleichbare Komponente.
Ein begleitender Text zu jedem Künstler gibt, neben einer Kurzbiografie, Aufschluß über die benötigten Vorlagen zur Umsetzung des Werkes, denn diese nimmt der Käufer selbst bzw. ein zu beauftragender Handwerker vor.
 
Eingeleitet wird das Buch durch einen Text von Uwe M. Schneede (Hamburger Kunsthalle), der einen kurzen kunsthistorischen Abriß zur künstlerischen Wandgestaltung liefert. Der Text wird noch durch einen zweiten Text von David Rimanelli ergänzt.