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Kommunale Galerie Berlin

BERLIN AM MEER Bilder der Nachkriegszeit

Werner Heldt, Gerda Rotermund, Hans Laabs, Alexander Camaro, Horst Strempel, Heinz Trökes, u.a.



Werner Heldt, Sonntagnachmittag, 1952, Foto: Friedhelm Hoffmann

Werke von Werner Heldt, Gerda Rotermund, Hans Laabs, Alexander Camaro, Horst Strempel, Heinz Trökes und anderen Künstlerinnen und Künstlern

Malerei | Grafik | Skulptur

Laufzeit: 3. März bis 24. Mai 2015
Ort: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-17 Uhr, Mi 10-19 Uhr, So 11-17 Uhr
Eintritt frei

Die Ausstellung dokumentiert den Neubeginn von Kunst und Kultur nach dem Ende des 2. Weltkriegs im Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Aus den eigenen Sammlungsbeständen der ehemaligen Kunstämter von Charlottenburg und Wilmersdorf werden ausgewählte Werke aus den Jahren 1945 bis 1960 gezeigt.

Zahlreiche der ausgestellten Werke sind sogenannte Ankäufe aus dem Notstandsprogramm und den Weihnachtsverkaufsausstellungen der Kunstämter, die zur Unterstützung der Künstlerinnen und Künstler eingerichtet wurden.

Hauptwerke der Ausstellung sind das Gemälde „Sonntagnachmittag“ von Werner Heldt und der 16-teilige Zyklus „De profundis clamavi ad te, Domine„ von Gerda Rotermund.

Die Schau zeigt in Ausschnitten den Wiederaufbau der Kunst- und Kulturverwaltung und den Wiederbeginn des kulturellen Lebens im Stadtbezirk Wilmersdorf: Die Neugründung der Hochschule für Bildende Kunst unter Karl Hofer in der Kaiserallee 57/58, der Künstlerbezirk Wilmersdorf und erste private Galerien der Nachkriegszeit werden vorgestellt.

Die Kommunale Galerie Berlin zeigt diese Ausstellung im Rahmen von 70 Jahre Kriegsende 1945 – 2015. Es ist eine Wiederbegegnung mit der Kunst nach 1945 und den Künstlerinnen und Künstlern, die größtenteils von 1933 bis 1945 von dem Ausstellungs- und Arbeitsverbot betroffen waren, und deren Werke als „entartete Kunst“ eingestuft wurden. Erst nach dem Ende der Diktatur konnten sie ihre künstlerische Arbeit fortsetzen. Viele von ihnen lebten und arbeiteten hier im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, zum Beispiel Karl Hofer, der erst in der Bartstraße Nummer 9 dann in der Nummer 51 lebte und von dort aus die ersten Jahre den Wiederaufbau der Hochschule der bildenden Künste – die HFBK – in der Bundesallee organisierte.


Gerda Rotermund, De profundis clamavi ad te, Domine. 1947-52, Mappe mit 16 Radierungen, No. 19, Obdachlos geworden, Nachdruck, Berlin 1982

BERLIN AM MEER – dieser Titel ist der direkte Verweis auf den Berliner Künstler Werner Heldt, der wie kein anderer das Berlin der Nachkriegszeit in seinen Gemälden und Grafiken dargestellt hat. In dem Werk „Sonntagnachmittag“ von 1952 bietet uns Werner Heldt mit dem klassischen Motiv aus dem Atelierfenster hinaus den Blick auf die zerstörte Stadt: auf Trümmerhalden und tote Hausfassaden alles in sanfte pastellige Farben gehüllt.

„Ist das Berlin? Es ist Berlin und ist nicht Berlin. Kein Wahrzeichen, kein Name. Schöne, unsagbare Stadt, die gemeint ist. Diese Stadt, Jeder kennt sie, keiner ist sie gegangen. Jeder weiß: wenn er sie eines Tages gehen wird, wird sie wie altgewohnt sein.“
Erich Kästner: Auf Werner Heldt, o.D.

Werner Heldt, 1904 in Berlin geboren, studierte ab 1924 an der Berliner Akademie. 1930 ging er nach Paris, von 1933 bis 1935 lebte er auf Mallorca. 1936 kehrte er nach Berlin zurück. 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Bis 1946 in Gefangenschaft. Rückkehr nach Berlin. 1950 Kunstpreis der Stadt Berlin. 1954 starb er in Sant‘ Angelo auf Ischia .

Gerda Rotermund (1902-1982)
De profundis clamavi ad te, Domine. 1947-52, Mappe mit 16 Radierungen.
Der Zyklus entstand in den Jahren 1945 bis 1952 und umfasst 16 Radierungen. Unmittelbar nach Kriegsende begann Gerda Rotermund an dem Zyklus zu arbeiten, Krieg, Flucht, Vertreibung und den Tod vor Augen. Ein Leidensweg, dem auch sie über Jahre ausgeliefert war. Ihr Atelier in der Güntzelstraße in Wilmersdorf war zerbombt. Sie selbst lebte am Rand des Existenzminimums. Erst die Auszeichnung mit dem Kunstpreis der Stadt Berlin im Jahr 1952 verbesserte die Lebenssituation der Malerin und Grafikerin Gerda Rotermund. Von 1948 bis 1973 lehrte sie an der Volkshochschule Wilmersdorf. Zu ihren frühen Förderinnen gehörte ab 1919 Käthe Kollwitz, mit der sie eine langjährige Freundschaft verband. Der Zyklus dokumentiert das verzweifelte Über(Leben) in den Ruinen der Stadt Berlin, geprägt von Angst, Hunger und Obdachlosigkeit. „Zunächst pausiere ich damit, es ist zu angreifend, ich bin oft halb krank davon, umso mehr, als jetzt die Themen noch grausiger und fast zum Alptraum werden.“
(Gerda Rotermund, 1947)

Kommunale Galerie Berlin


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