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PALASTgalerie Berlin

Bogdan Kashap Palastgalerie Oktober 2015

Marina Bogdan und Rita Kashap



Maria Bogdan, À la Nina Ricci, Acryl/Lw., 85x55, 2015
Rita Kashap, Die Poetin, Acryl/Lw., 80x60, 2009

Tradition und Emotion
Zu den Bildern von Maria Bogdan
Von Gerhard Charles Rump


Jede Kunst steht in einem Dialog mit der Tradition. Sie entwickelt sie weiter, nutzt sie als den Riesen, auf dessen Schultern sitzend man weiter sehen kann als dieser. Oder sie opponiert dagegen, verneint sie wie weiland Dada und ZERO, entwickelt ihre Position als Gegenentwurf. Bei Maria Bogdan ist das Erstere der Fall, sie bezieht sich auf Traditionen. Sie entwickelt ihre aktuelle Position sogar aus einer ganz spezifischen ästhetischen Sichtweise, nämlich aus der osteuropäischen und slawischen Volkskunst heraus, aus der auch der frühe Kandinsky viel Kraft bezog und zu der er in der Pariser Zeit teilweise zurückfand.


Marina Bogdan, Karibische Liebe, Acryl/Lw,80x110cm, Copyright Maria Bogdans

Mit Maria Bogdans Bildern werden wir in ein neues Nimmerland aus Farben, Formen und Gefühlen begleitet, dass sich unzweifelhaft vollkommen vom Mainstream der Westkunst unterscheidet und diesen, so scheint es jedenfalls zu sein, nicht einmal rezipieren will. Diese Konzentration auf das Eigene mündet in einer besonderen Originalität, die innerhalb eines Rahmens von überlieferung prächtig gedeiht.
Das Bekenntnis zum mehrfach geschlossenen Tafelbild, mit Rahmung und Binnen-rahmung, gleichsam als hortus conclusus ihrer Bildvorstellungen, ist allerdings keinesfalls archaisch: Die Stellung des Tafelbildes ist trotz konzeptualistischer Ansätze und wütender Attacken immer wieder auf allen Ebenen gestärkt worden. Alle großen Künstler unserer Zeit benutzen diese Form, von David Hockney zu Gerhard Richter zu Neo Rauch.
Maria Bogdan verwebt ihre Motive mit Bildmustern, die zum Teil Kommentarfunktion haben: Tauchen im Motiv perlig-rundliche Elemente auf, setzt sie dem ein spannungs-volles ästhetisches Gleichgewicht in Rauten gegenüber, schwingen Blütenformen wie die Rauchschwaden der Opium-Raupe in "Alice im Wunderland", dann trifft man auf waagerechte, geradlinige Balkenmuster als Ostinato.
Tier- und Pflanzenmotive werden zu malerischen wie grafischen Mustern und Abstraktionen verarbeitet, die als dynamische Zeichen im Bilde fungieren. In ihren Blumenmotiven erinnert sie zwar an Georgia O´Keefe, verwendet aber eine der Amerikanerin diametral entgegengesetzte Phänotypik. Auch an Matisse mag man denken, wegen der konzeptuell flächigen Bildanlage, aber bei Maria Bogdan bleibt der Umraum bewusst im Hintergrund, es geht mehr um die zentrale Selbstbehauptung des jeweiligen Hauptmotivs. Im Sinne der "Konzentrischen Kunst", die aus ein Zentrum heraus regiert, unterwirft die Künstlerin die Welt ihrer Sichtweise um sie zu emotionalem Klang zu bringen.
Anspielungen und Symbole verstecken sich bisweilen in den emblematischen Bildern, und wie bei O´Keeffe sind bei den Pflanzen auch erotische Anspielungen mit von der Partie, die ja damals den wackeren Pfarrer Liborius Dornblüth bei Hanns-Heinz Ewers zur Petition betreffend die Abschaffung des Biologieunterrichts bewegten. (Hanns-Heinz Ewers: Grotesken. Kapitel 18: Die Bittschrift. Georg Müller, München 1925).
Die starke Farbigkeit mit ihren teils dunkelbunten Partien manifestiert eine zusätzliche Ebene der Sinnlichkeit, die überaus bestimmend auftritt und nicht anämisch daherkommt. Klare Farben dominieren in kräftigen Tönen, wenig Verläufe, wenige übergänge sehen wir. An deren Statt stehen wir vor massigen ästhetischen Behauptungen, die fordern, sich ihnen zu stellen. Sie wollen ihre Tiefe ausgelotet sehen, und wenn sie diese auch zunächst zu verweigern scheinen, da man auch vor dekorativen Elementen verweilt. Der Schlüssel liegt in einem Sehen, das das Moderne Erlebnis mit der Tradition verbinden kann und dann in eine ästhetisch realisierte Gefühlwelt führt. Diese Bildwelt ist eigen, und aus voller Kraft bläst der Trompetenengel in sein Horn. Ja, diese Botschaft ist zu hören.



/Rita Kashap, Der Kuss, O?l/Lw, 100x100cm, Copyright Rita Kashap

Rita Kashap Sept 2015
von Gerhard Charles Rump


Es gibt, ganz beschreibend und wertfrei, zwei Haupttypen von Künstler-Oeuvres: Der eine Typ ist einheitlich, das Spätwerk ist im Frühwerk schon präfiguriert und Werke aller Schaffensperioden ähneln sich. Der andere Typus ist der des Unterschiedlichen, auch gleichzeitig, in dem der ästhetisch Werktätige sehr divergente Dinge ausprobiert.
Der erstere Typus ist etwa in Werk von Henry Moore zu sehen, der letztere bei Gerhard Richter. Seine "Städtebilder" etwa und die Farbtafeln nebeneinander- wer es nicht weiss, kommt erst gar nicht darauf, dass beide Werke vom selben Künstler stammen.

Ähnlich liegen die Verhältnisse bei Rita Kashap, auch hier haben wir eine beachtliche Bandbreite von künstlerischen Ausdrucksformen und malerischen Zurüstungen. Betrachten wir einmal den "Kuss". Die ästhetische und inhaltliche Gegenposition zu den Skulpturen von Rodin und Brancusi oder der Grafik von Peter Behrens ist klar und eindeutig. Bei Rita Kashap spiegelt sich das Durcheinander der Gefühle in der Dynamik des Duktus, nicht wie in den Harmonieschwüngen bei Behrens. Der Kuss ist hier ganz aufgewühlt präsentiert, und doch legt die auffallend weisshäutige, rotblonde Frau hier eine überlegene Ruhe an den Tag, überlässt die Sinnestrübung ganz dem Mann, sodass wir an das großartige Rezitat von Klaus Kinski (nach Zech/Villion) erinnert werden:
"Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib."

Hier zeigt sich auch, dass das Verhältnis zur Liebe auch mit einer spielerischen Selbstdistanzierung von der eigenen Besessenheit zu tun hat, woraus erst eine wirkliche Bildwürdigkeit entsteht.
Bleiben wir bei der Liebe. Die Rose ist ein altes Liebessymbol, und die gefüllten Rosen in der Vase meinen auch genau das. Sie sind weiss und rot, also unschuldig und doch leidenschaftlich. Im Vordergrund hat der Drang zwei Käfer erfasst (wahrscheinlich Carabus fabricii). Diese Motivkombination bezieht sich durchaus auf altmeisterliche Blumenstillleben, in denen oft Käfer und andere Kerbtiere vorkamen, als Erinnerung an die Vergänglichkeit. Rita Kashap ist hier aber positiv: Liebe, Fortpflanzung, Leben, Zukunft. Der Vergänglichkeit schnell einmal den Finger gezeigt...

Und noch einmal Liebe: Der goldhäutige liegende Akt, ganz warm im Ton, kontrastiert mit dem kühlen, in Blautönen gehaltenen Stier, der ganz bewusst im Stile Chagalls gehalten ist. Hier ist das männliche Prinzip das kühle, und damit das berechnende, das Liebes-Kalkül. Die Frau ist es diesmal, die sich verzehrend auflöst und im Schritt vom blauen Schaum schon umfangen ist. Anklänge hat es an Füsslis "Alptraum", ohne dass es wirklich gemeint ist. Formal gelöst ist das Bild vom Feinsten: Unten und oben sind getrennt, das Oben dringt ins Unten, den zwei Schenkeln sind zwei Hörner gegenübergestellt, und allenthalben herrscht nervöse Hektik, Unkontrolliertheit aus Leidenschaft.
Ein romantisches, stilles, aber dennoch strahlendes Bild sei anschliessend erwähnt: Die zwei Kinder in den lichtdurchfluteten Altstadtgassen. Südländisches vermischt sich hier mit romantischen Topoi: Die Kinder die aus der Enge der heimischen Gassen aufbrechen und die Welt erobern werden, so wie es z. B. in dem ärgerlichen Neid-Lied von Peter Sarstedt, "Where do you go to my lovely" aber bezeichnend vorkommt:
"I remember the back streets of Naples
Two children begging in rags
Both touched with a burning ambition
To shake off their lowly born tags"

So lange diese Welt noch so durchlässig ist, wird die Hoffnung auf ein besseres Morgen nicht aussterben. Und in dieser Welt wird auch Kunst, so wie die von Rita Kashap, Bestand haben.

Palastgalerie
Reinhardtstr. 3
10117 Berlin
01523-1721739

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