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Berliner Ursprung Galerie

Kräfte. Ströme. Flüsse. Einflüsse.

Siegfried Elxnat




Bilder, die mich wie ein Blitz treffen - Der Maler Siegfried Elxnat
Malerei 1990 - 2010

Schon die frühesten Bilder der Menschen konnten zum Ausdruck bringen, wofür es keine Worte, keine Bezeichnung, keine Sprache gab und bis heute ist Kunst dem Unsagbaren verpflichtet, weil sie über das Sichtbare, das Bekannte und Widererkennbare hinausgeht. Gute Bilder überraschen den Betrachter, wecken Neugierde und Sinnlichkeit, setzen der täglichen Wahrnehmung von Welt eine neue, eine eigene hinzu. In der Kunst tickt ein Begehren wie eine Zeitbombe, ein unabdingbares MUSS, das es mit der Erklärung und Durchdringung der Welt auf sich zu nehmen hat. Beim Malen der Bilder gibt es keine Gleichgültigkeit, keine Beliebigkeit. Jedes gute Bild ist ein sinnliches Ultimatum, das uns auffordert, das Existenzielle, das wirklich Bedeutsame und Einzigartige in ihm zu verstehen. In „Frau Rettich, die Czerni und ich“ lässt Simone Borowiak die staunende Betrachterin sagen: „Ich verstehe gar nichts von Malerei. Ich kann nur sagen: Dies gefällt mir, dies rührt mich, das erschreckt mich, hier bin ich beeindruckt und da guter Laune; es gibt Bilder, die lassen mich Verlogenheit wittern, als wären sie mit gespaltenem Pinsel gemalt. Und es gibt Bilder, die mich wie ein Blitz treffen und in meiner Seele donnern, aber niemals könnte ich schlüssig beschreiben, was warum geschieht, wenn ein Bild und ich aufeinandertreffen.“



Den Maler Siegfried Elxnat treffen seine Bilder wie ein Blitz und sie donnern in seiner Seele. Jedes Bild ist ein Prozess und so sehr er auch kontrolliert stattfindet, bewegt er sich gleichermaßen in einem Bereich von Freiheit, in dem Künstler und Bild es immer von neuem allein mit sich, der Leinwand, den Farben und der Ewigkeit aufnehmen.
Die Frage, ob seine Bilder, weil so viel Gold in ihnen vorkommt, etwas mit Gott zu tun haben, verneint er. Allerdings räumt er ein, es gäbe eine Sehnsucht, nicht so sehr nach Gott, aber nach dem „Baum der Erkenntnis; Gold ist für mich Erde“. Die Bilder von Siegfried Elxnat begehren über die Ratlosigkeit hinaus nach Welterkenntnis. Sie wollen sichtbar machen, was hinter den Facetten der Alltäglichkeit verborgen bleibt. Sie wollen dem Palaver, der trügerischen Besserwisserei entkommen, indem sie Kräfte beschwören, nicht esoterisch, zuweilen sogar ironisch und dennoch ernst gemeint: Urströmen, Flüssen, Einflüssen, verborgenen Kräften, Natur und Mensch in ursprünglicher, energetischer Erscheinung, unverfälscht, nicht profanen Festschreibungen gehorchend, will Elxnat Gestalt verleihen.



Seine Berlinbilder heißen „Urstromtal“ oder „Ströme“. Sie stellen unterirdische Landschaften vor, „Hochland und Tiefland“, Vulkane, Wüsten, die an Meere grenzen, Menschen, die in Höhlen flüchten und ans Feuer. Ein Hund fliegt aus der Stadt heraus, eine treue Seele das Himmelslabyrinth vor Augen; ein Ziegenbock steigt in die Lüfte, ein Radfahrer strampelt im Tal und als Dritter im Bunde steht ein Fuchs Pate. Mal über Wasser, mal unter Wasser, im Dickicht der Pflanzen oder mit Blick auf ein Wetter gefülltes Tal geht es dem Maler immer um Kräfte, eben nicht unsichtbare, sondern für den, der sie sehen will, sichtbar in ungeschminkten, aufgewühlten nebeneinander gesetzten Farben auf meist weißer Leinwand, wenig grundiert, wenig vorbereitet, untrügerisch, wahrheitsliebend, Echtheit suchend.
Die ersten Bilder des gelernten Fotografen Elxnat entstanden um 1990. Die Wahrnehmung von Landschaft und den Kräften der Natur hielt er in großformatigen Pastellkreidezeichnungen fest. Aber er wurde kein Landschaftsmaler im herkömmlichen Sinne. Kräfte, Ströme, Flüsse und Einflüsse sind für Elxnat Urbild, geradezu unterirdisch erspürte Matrix zur Erschließung unserer komplexen psychischen und sozialen Wirklichkeit. Denn eines sind die Bilder von Siegfried Elxnat nicht: weltfremd. Mit „DAX“, der Berg- und Talfahrt in profaner schwarzer Linie auf geschichtetem Gold, und seiner jüngsten Arbeit „Abendmahl-Tafelrunde“ taucht er den Pinsel mit ironischer Naivität in die Gegenwart. Wir lesen „Segen“ und „Flucht“ – ratlos bleibt, wem nicht ein Blitz in die Seele donnert.

Heike Stockhaus


Abbildungen:
- Urstromtal (Berlin I), 2010
Acryl auf Leinwand, 100x160 cm
- Autobahn, 1992
Pastellkreide auf Papier, 88x62,5 cm (gerahmt 118x82 cm)
- Reitender Vogel, 2010
Acryl auf Leinwand, 120x100 cm

Die Galerie BERLINER URSPRUNG wurde am 1. Juli als Raum für Kunst eröffnet ... Kunst der Berlin lebt, atmet, sucht, aufdeckt, ausgräbt, mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden ist.

Die Ausstellung zeigt den Berliner Maler Siegfried Elxnat. “Kräfte. Ströme. Flüsse. Einflüsse” sind für ihn Urbilder, unterirdisch erspürte Matrix für die komplexe psychische und soziale Wirklichkeit seiner Stadt und seiner selbst.

Öffnungszeiten:
Mo-Mi-Do-Fr. 15:00-20:00 Uhr
Samstag 13:00-18:00 Uhr

BERLINER URSPRUNG Galerie
Neue Schönhauser Str. 8
10178 Berlin-Mitte
Berliner Ursprung Galerie




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    19 Uhr: Zwischen den Bildern lesen, mit Prof. Torsten Schulz, im Rahmen der Ausstellung FOTO | ALBUM Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung des Werkbundarchiv - Museum der Dinge | Oranienstraße 25 | 10999 Berlin

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