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Kunst-Raum im Deutschen Bundestag / Mauermahnmal

"Von Bäumen und Menschen"

Hans Jürgen Kallmann


Abbildungen:
- Hans Jürgen Kallmann, Konrad Adenauer, 1963, © Dr. Gerda Haddenhorst-Kallmann, Wiesbaden und Kallmann-Museum Ismaning
- Hans Jürgen Kallmann, Breiter Urwald, Baumruine III, 1977, © Dr. Gerda Haddenhorst-Kallmann, Wiesbaden und Kallmann-Museum Ismaning
- Hans Jürgen Kallmann, Reinhardswald mit rotem Farn, Baumruine II, 1977, © Dr. Gerda Haddenhorst-Kallmann, Wiesbaden und Kallmann-Museum Ismaning
- Poträtsitzung mit Konrad Adenauer, © Dr. Gerda Haddenhorst-Kallmann, Wiesbaden und Kallmann-Museum Ismaning

wir möchten darauf hinweisen, dass kommenden Dienstag, den 27. Mai 2008, also am Tag der Eröffnung unserer nächsten Ausstellung "Von Bäumen und Menschen - Hans Jürgen Kallmann zum 100. Geburtstag", das Adenauer-Porträt aus der Kanzler-Galerie des Bundeskanzleramtes im Kunst-Raum des Bundestages zu sehen sein wird - und zwar nur an diesem Tag! Die das offizielle Porträt vorbereitenden Pastell-Studien hingegen werden für die Dauer der Ausstellung gezeigt. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und über das Weitersagen an Interessierte. Die Ausstellung ist bis zum 28. September 2008 täglich außer Montag von 11 bis 17 Uhr geöffnet und ohne Anmeldung öffentlich zugänglich.

Hans Jürgen Kallmann zum 100. Geburtstag: Von Bäumen und Menschen

Die Kunstsammlung des Deutschen Bundestages vermag mit vielfältigen Entdeckungen zu überraschen. Sie verwahrt bemerkenswerte Arbeiten sowohl deutscher Expressionisten als auch solche internationaler Künstler der unmittelbaren Nachkriegszeit oder zahlreiche zeitgenössische Fotoarbeiten. Zu diesen Entdeckungen zählen drei Porträts von Bundestagspräsidenten, die der heute zu Unrecht wenig bekannte Maler Hans Jürgen Kallmann geschaffen hat. Wohl stand er zweimal im Blickfeld der Kunstszene, zunächst in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin. Obwohl er Autodidakt war, fand er schon als junger Künstler Zugang zu so bedeutenden Künstlern wie Max Slevogt, Emil Nolde, Käthe Kollwitz oder Max Liebermann, deren Wertschätzung er gewann. Im Jahre 1934 wurde ihm sogar den Rompreis der Preußischen Akademie der Künste Berlin verliehen, und kurz darauf der Preis der Abraham-Lincoln-Stiftung in Washington. Im Mittelpunkt seiner frühen Werke steht das abgründige Mysterium der Natur, das er in bedrohlich-unheimlichen Tierbildern expressiv zu fassen wusste.



Diese erste, viel versprechende Karriere im Kreise der Berliner Expressionisten wurde jedoch jäh unterbrochen, als die Nationalsozialisten ihn in der Ausstellung „Entartete Kunst“ anprangerten. Seine Bilder hingen in der Ausstellung unmittelbar neben denen Emil Noldes und Paul Klees. Sein Blatt "Hyäne" soll auf persönliche Anordnung Goebbels in Berlin-Köpenick verbrannt worden sein.



Nach Jahren in Tirol und Venezuela, die seiner Bekanntheit und Wertschätzung als Maler in Deutschland nicht förderlich waren, kehrte er 1952 in seine Heimat zurück und begann eine zweite Karriere in München. Er war der Figuration treu geblieben, malte also gegen den ästhetischen Trend des Zeitgeistes und erlangte gleichwohl Ruhm und Anerkennung als psychologisch einfühlsamer Porträtist bedeutender Zeitgenossen. Den ersten großen Erfolg trug ihm das allgemein bewunderte Porträt von Bundespräsident Theodor Heuss (1956) ein. Diesem folgten die nicht weniger aufsehenerregenden Porträts von Bertold Brecht (1956), Papst Johannes XXIII. (1959), Konrad Adenauer (1963), Konrad Lorenz (1972) oder Carl Orff (1974). Die große Zahl seiner Porträtgemälde und -zeichnungen von Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern jener Jahre lässt sowohl eine politische als auch geistig-kulturelle Physiognomie der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik Deutschland Gestalt gewinnen.



So war Kallmann einerseits erfolgreich, fand Anerkennung durch staatliche Ehrungen und die Verleihung von Professuren. Andrerseits führte ihn diese Wertschätzung in ein Dilemma, insofern sein Werk in der öffentlichen Wahrnehmung auf die "Gesellschaftsporträts" verengt wurde und er mit seinem Bekenntnis zur figurativen und gegenständlichen Malerei gegen das zeitgenössische Credo der Abstraktion stand. So bleibt sein Lebenswerk noch zu entdecken, zum einen sein expressionistisches Frühwerk, von dem viele Arbeiten durch seine Verfolgung im Dritten Reich und durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg untergegangen oder zerstreut sind (das Kallmann-Museum in Ismaning bei München zeigt parallel zur Ausstellung im Deutschen Bundestag „Frühe Arbeiten“). Zum anderen muss aber auch sein Oeuvre aus der Nachkriegszeit mit seiner thematischen Reichhaltigkeit in den Blick genommen werden: Kallmann hat geradezu obsessiv Naturstudien betrieben und sie in herrlichen Serien von Landschafts- und Waldzeichnungen sowie beeindruckenden Gemälden ihren Niederschlag finden lassen. Eine Auswahl dieser Arbeiten ist im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages zu sehen. Die Ausstellung zeigt, dass er die Urkraft des Lebens in Menschen wie in Bäumen gleichermaßen zu gestalten wusste. Gleichwohl bilden Porträts, allen voran die Porträts der Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers, Eugen Gerstenmaier und Annemarie Renger aus der Kunstsammlung des Bundestages, den Schwerpunkt der Ausstellung. Möglicherweise ist es dem frühen Studium der Medizin (1925 bis 1929 in Halle) geschuldet, dass Kallmanns Porträts von einer in der Porträtkunst selten erreichten psychologisierenden Durchdringung der Dargestellten gekennzeichnet sind - in dieser Qualität durchaus mit der Porträtkunst Oskar Kokoschkas vergleichbar, wiewohl in ihrer Expressivität zurückgenommen. So erlaubt die Ausstellung, einen Künstler und sein Werk neu zu entdecken, Porträtkunst wieder neu zu sehen und zugleich der politischen und intellektuellen Elite der jungen Bundesrepublik im wortwörtlichen Sinne ins Gesicht zu schauen.

Hans Jürgen Kallmann
Von Bäumen und Menschen
Kunst-Raum im Deutschen Bundestag
28. Mai bis 28. September 2008
Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Schiffbauerdamm, 10117 Berlin

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
von 11 bis 17 Uhr
Zugang über die Spree-Uferpromenade gegen-
über dem Reichstagsgebäude

Sekretariat des Kunstbeirates, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Text und Konzept: Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages / Assistenz: Kristina Volke

ismaning.de
kunst-im-bundestag.de

Information: 030 227-32027 oder kunst-raum @ bundestag. de

Hans Jürgen Kallmann, geb. 1908 in Wollstein (ehem. preußische Provinz Posen), gest. 1991 Pullach bei München

Das Kallmann-Museum in Ismaning bei München zeigt vom 25. April bis 20 Juli 2008
eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers unter dem Titel "Frühe Arbeiten".
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