(Einspieldatum: 09.01.2008)

Wunder über Wunder. Wunderbares und Wunderliches im Glauben, in der Natur und in der Kunst

Buchbesprechung: "Der ist ein Tölpel (...) der sich nicht verwundern kann." (Goethe) Die Fähigkeit sich zu wundern, als Ansporn für Lernvorgänge ist nur eine von zahlreichen Facetten der "Wunder", die in dem vorliegenden Buch vorgestellt werden.
Die umfangreiche und informative Publikation ist anlässlich der Ausstellung "Wunder über Wunder" (18.11.2007 - 13.01.2008) in der Kunsthalle Erfurt erschienen. Da die Ausstellung im Rahmen der Feierlichkeiten zum 800 jährigen Jubiläum der Geburt der Heiligen Elisabeth stattfindet, wird diese und insbesondere das Rosenwunder und dessen künstlerische Umsetzung gleich zu Beginn ausführlich thematisiert.

Vielfältigste Werke, die in Zusammenhang mit dem Wunder oder dem Wunderbaren stehen, werden vorgestellt: von wundertätigen Ikonen, Reliquaren, Fetischen, Votivbildern, Objekte aus Kunst- und Wunderkammern, bis zu Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern, die sich von den verschiedenen Formen des Wunderglaubens inspirieren ließen.
Vorab erfolgt eine aufschlussreiche und interessante, terminologische Klärung des "Wunders" in Form einer ausführlichen etymologischen Betrachtung durch den Herausgeber Kai Uwe Schierz.

In dem Essay "Kunst und Wunder" schreibt Karl Schawelka: "Dass Kunst und Wunder zusammenhängen, leuchtet intuitiv sofort ein. (...) Schließlich gehören auch Begriffe wie Bewundern, Verwundern, Bezaubern oder Staunen zu jenen, mit denen seit alters die Reaktion auf Kunstwerke beschrieben wird."

Jeweils unter einem Themenkomplex zusammengefasst werden im Folgenden die Ausstellungsstücke vorgestellt. Eindrucksvoll sind die großzügigen, meist farbigen Abbildungen, denen jeweils ein kurzer erläuternder Text gegenübergestellt wird.

Im Abschnitt "Von wunderbar entstandenen und wundertätigen Bildern" spannt sich ein Bogen von russischen Ikonen aus dem 17. und 18. Jh. über Darstellungen des Schweißtuches der Veronika bis hin zu Hermann Nitschs Aktionsrelikten. Zu diesen gehört z.B. der Kreuzkasten mit Malhemd, 1990, der von Nitschs mythischen Opferritualen zeugt.

Zu den spannendsten Kapiteln zählt "Wunder - vom Erscheinen anderer Wirklichkeiten". Darin werden Parallelen zwischen der Geisterfotografie des 19. Jahrhunderts und den "Rayographs" von Man Ray sichtbar gemacht. Mehrere Seiten sind darin auch Werken aus dem Zyklus "...Höhere Wesen befehlen" Sigmar Polkes gewidmet. "Indem er sein künstlerisches Tun als komplett ferngesteuert schildert, hinterfragt Polke ironisch sowohl die Souveränität des Kunstwerkes als auch die des Künstlers selbst."

In der Publikation gibt es - gemäß dem Thema - vieles zu entdecken. Trotz oder gerade wegen seines Umfangs und Formates lädt "Wunder über Wunder" zum Stöbern, Erforschen und Schauen ein. An dieser Stelle sei nochmals auf die aufwendigen und teils seltenen Reproduktionen verwiesen, die einen immer wieder neu zum Erstaunen bringen können.


Künstler (Auswahl)
Marina Abramovic, Gerhard Altenbourg, Joseph Beuys, Anna und Bernhard Blume, Michael von Brentano, James Lee Byars, Julius Schnorr von Carolsfeld, Albrecht Dürer, Max Ernst, Ernst Haeckel, Alfred Kubin, Milan Kunc, René Magritte, Floris Neusüss, Hermann Nitsch, Jan von Orley, Man Ray, Moritz von Schwind, Otto Tschumi, Sigmar Polke, Adolf Wölfli u. a.

"Wunder über Wunder" - Wunderbares und Wunderliches im Glauben, in der Natur und in der Kunst
Herausgeber: Kai Uwe Schierz
Textbeiträge: Ute Ackermann, Thomas Bouillon, Andreas Dobler, Lutz Kersten Unbehaun, Susanne Knorr, Wolfgang Morath-Vogel, Karl Schawelka, Kai Uwe Schierz, Gerda Wendermann

Wunder über Wunder. Wunderbares und Wunderliches im Glauben, in der Natur und in der Kunst
Kerber Verlag Bielefeld. 2007
ISBN 978-3-86678-115-3
EUR 49,95

Katja Melzer

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