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B3 Biennale

(Einspieldatum: 13.03.2008)

"104. Common words." - Sparwasser HQ

Rund um den Rosenthaler Platz spielt sich in der Kunstszene derzeit viel Neues ab, insbesondere im Bereich der Brunnenstraße. Als fast schon alteingesessen könnte dagegen der Projektraum Sparwasser HQ in der Torstraße bezeichnet werden. Seit Sommer 2000 fanden dort inzwischen mehr als 50 Ausstellungen bzw. Projekte statt.
Der von außen eher unscheinbare, kleine Raum wirkt mit seinem aktuellen Ausstellungsprojekt "104.Common words" nunmehr fast unsichtbar: Schwarze Fenster, schwarze Tür - ein Blick von außen in den Innenraum ist unmöglich. Umso überraschter ist man beim Eintreten, überall strahlende Lichter und leuchtende Farben.

"Wasn't it You who wanted to illuminate the world with cascades of color?" Dieses Zitat Alexander Rodschenkos von 1918 diente der Künstlerin Sylwia Ludas als Ausgangspunkt für das aktuelle Projekt. Ludas wurde eingeladen, eine Gruppenausstellung in Verbindung mit einer Präsentation ihrer eigenen Arbeit zu kuratieren. Inspiriert von dem Zitat lud sie drei weitere Kollegen ein. So entstand ein interessantes Wechselspiel von Licht und Farbe zwischen der Videoarbeit Ludas, der Rauminstallation Wojciech Lawnickis, die für die schwarzen Fenster von außen verantwortlich zeichnet, und der Diaprojektion im Kellerraum von Przemyslaw Sanecki. Der Titel der Ausstellung wurde Wittgensteins „Bemerkungen über die Farben“ angelehnt, in denen es heißt: „104. 'Dunkel' und 'schwärzlich' sind nicht der gleiche Begriff." Ganz entgegengesetzt zu dunkel oder schwärzlich sind zwei Wandgemälde von Olga Lewicka, die im ersten Raum aus der Ecke heraus über den Besucher hinaus zu leuchten scheinen.
Mit diesen Werken sind zum ersten Mal seit 7 Jahren Malerei bei Sparwasser zu sehen, bemerkt Lise Nellemann, eine der Initiatoren von Sparwasser, mit einem Lächeln. Bilder hängen tatsächlich nicht sehr oft an den Wänden, vielmehr werden Arrangements präsentiert, bei denen der Raum immer wieder anders thematisiert wird.
Lise Nellemann, selbst Künstlerin, betont, dass es sich bei Sparwasser HQ nicht um eine Galerie handelt, auch werden keine Ausstellungen im herkömmlichen Sinne gezeigt. Die Initiatoren möchten Sparwasser als Plattform verstanden wissen. Als Ort, an dem leicht Kontakte geknüpft werden können und in der Folge daraus Projekte entstehen. Nellemann ist stolz darauf, dass sich Sparwasser HQ trotz der relativ langen Dauer weder in eine kommerzielle noch institutionelle Richtung entwickelt hat. Dies ist etwas Besonderes, wenn man bedenkt, dass nach einer 3-jährigen Förderung aus Dänemark Sparwasser weitestgehend ohne öffentliche Mittel ausgekommt und privat finanziert wird. Jeden Monat findet eine neue Eröffnung statt, entscheidend ist oft nicht das Ergebnis in Form einer Ausstellung, sondern eher der Prozess zur Entstehung hin. Nellemann interessiert sich dafür, wie sich Kontakte entwickeln, welche Ideen aus dem Dialog mit anderen Künstlern oder Theoretikern wachsen.

Ursprünglich stellte Sparwasser insbesondere eine Verbindung zu der skandinavischen Kunstszene her, versteht sich inzwischen aber als internationale, multilinguale Szene.
So ungewöhnlich der Name Sparwasser in einigen Ohren klingen mag, wird er anderen wiederum sehr vertraut sein. Er wurde vom Vormieter übernommen und dürfte durch Jürgen Sparwasser ein Begriff sein, dem Fußballspieler, der 1974 während der Fußball-WM für die Nationalmannschaft der DDR das Siegtor gegen die BRD schoss. Damit liegt in der Namensgebung ein klares Bekenntnis zum Standort Ost-Berlin. Dem Teil, der es innerhalb weniger Jahre seit dem Mauerfall geschafft hat, sich als Anlaufpunkt für die internationale Kunstszene zu etablieren. Zu den ersten gehörten Sparwasser, die hoffentlich auch nach einer Pause, zwecks Renovierung im Juni, wieder mit spannenden Konzepten und Experimenten auf sich aufmerksam machen werden.

"104. Common words"
6.-29. März
Sparwasser HQ
Torstraße 161, 10115 Berlin Mitte

Öffnungszeiten:
Mi, Do, Fr 16 - 19
Sa 14 - 18
mail(at)sparwasserhq.de
sparwasserhq.de

Katja Melzer

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