(Einspieldatum: 17.01.2012)

One of Ours - Javier Perés im Grimmuseum Berlin


One of ours ist die erste Ausstellung des in Berlin lebenden, in Kuba geborenen und in Amerika aufgewachsenen Galeristen und Sammlers Javier Perés. Er feiert mit zwei Werkreihen aus dem Jahr 2011, Rio und Too many Rivers, sein Debüt als Künstler. Die Ausstellung zeigt 13 Portraits des verstorbenen Schauspielers River Phoenix und versteht sich als Darstellung privater wie kollektiver Erinnerung einer Generation.

Perés überträgt Fotografie per Raster und Projektion auf die Leinwand. Es entstehen fotorealistische Darstellungen, Kultbilder, die wie bei einer religiösen Andacht Verehrung genießen. Er interessiert sich hauptsächlich für Gesichter, für ihre Mimik und ihre Geschichte und so zeigen, mit einigen Ausnahmen, alle Arbeiten ausschließlich River Phoenix‘ Gesicht.

In der Reihe Rio malt Perés sechs Mal dieselbe Fotografie von Phoenix mit gebleichtem Haar vor wechselndem Hintergrund in Öl auf 120 x 60 cm großen Leinwänden. Der Raum ein Schrein, die Leinwände Mahnmale für einen, der zu früh stirbt, dessen Jugend, Talent und Schönheit durch den Tod konserviert werden, dessen Bild in Perés privater wie kollektiver Erinnerung seiner Generation unverändert weiterlebt, während sich die Welt um sie herum entwickelt.

Too many Rivers zeigt verschiedene Aspekte von Phoenix‘ Persönlichkeit, auch hier mit gebleichtem, silbernem Haar. Bis auf eine Mixed-Media-Arbeit mit vier River-Gesichtern auf einer 200 x 120 cm übergroßen Leinwand stellen die übrigen Arbeiten jeweils einen River mit unterschiedlicher Mimik dar. Als Vorlage dienten Fotos aus dem Internet, der Quelle kollektiver Erinnerung.
Ein Gemälde fällt aus dem Rahmen, das Bild, das uns in der Ausstellung gleich am Eingang begegnet: 80 x 120 cm groß, Sunset Boulevard. River hält sich die Hände vor sein Gesicht, versteckt es, als wolle er nicht erkannt werden, nur ein eindringlicher Blick trifft den Betrachter. Es ist ungewöhnlich, dass ausgerechnet dieses Bild in die Thematik einführt, zeigen doch alle anderen Abbildungen Hollywoods ehemaligen Goldjungen als schönen und selbstbewussten Mann, frontal und präsent. One of ours heißt eines der Gemälde dieser Reihe, One of ours heißt auch die Ausstellung, einer von uns, einer von Perés Generation, dem hier ein Denkmal gesetzt wird.

Aber warum River Phoenix, warum jetzt, warum ausgerechnet diese Motive?
Perés kannte River persönlich – als Ikone seiner Jugend verbindet er mit ihm eine unbeschwerte Lebensphase. Wichtiger noch, er versteht ihn als Metapher für die Möglichkeiten, „von demselben Punkt aus immer wieder andere Wege einzuschlagen“, die Richtungen, in die man sich persönlich wie kollektiv entwickeln kann. Too many River (Zu viele Flüsse) macht wohl Perés Verständnis von Phoenix am deutlichsten. Die Vorlage mit silbernem Haar hat ihn an die Radikalveränderung erinnert, als Phoenix sich die Haare für eine Rolle blich und Perés es ihm nachahmte.

Die Ausstellung wird von der Europapremiere des Films My own private River von James Franco mit ungesehenem Filmmaterial von Gus Van Sants My own Private Idaho aus dem Jahr 1991 begleitet. Die 102-minütige Filminstallation folgt der Handlung und den Orten des Originals, ist aber in einen völlig neuen Film zusammengeschnitten. Es gibt kaum Dialoge, und wenn doch, sind sie gedämpft. Szenen, in denen sehr wenig passiert, folgen Phoenix andächtig auf seinen ziellosen Weg. My own private River ist in dem Sinne kein Film, der an einem Stück gesehen werden muss, er will nicht lehren oder unterhalten, hat keine Pointe – man kann immer wieder neu eintauchen. Franco stellt keine Analyse des Scripts dar, eher eine Studie des Charakters River Phoenix und mehr noch seines schauspielerischen Handwerks. Es ist somit die private Sicht eines Schauspielers auf das Handwerk der Schauspielerei; eine private Auseinandersetzung mit River Phoenix, einem der versiertesten Schauspieler seiner Generation.

Mit einer Überdosis River Phoenix wird der Schauspieler einer jüngeren Generation vorgestellt, einem Publikum, dem er nicht zwingend ein Begriff ist. Phoenix stirbt 1993 mit 23 Jahren an einer Überdosis. Er ist jung, talentiert, gehört einer vielversprechenden jungen Hollywood-Elite an, wird von Kritikern als der James Dean seiner Generation gefeiert, ist Tierschützer und umweltpolitischer Aktivist, als er 1993 vor dem Viper Room zusammenbricht. Seitdem ist er beliebte Figur der Popkultur, die sich ihm in unterschiedlichen Medien, vor allem aber in der Musik zu nähern sucht. So reihen sich nun auch James Franco und Javier Perés mit ihren Tributen an die Ikone River Phoenix ein.

Die Ausstellung ist seit dem 12. Januar bis zum 5. Februar 2012 im Grimmuseum zu sehen. Ein unterschriebener, handgefertigter Katalog in limitierter Auflage begleitet die Ausstellung.
Fotos von Aurélien Bonnetain

One of Ours, Solo Show Javier Perés
Grimmuseum
Fichtestraße 2, 10967 Berlin
Ausstellungsdauer: 12.01.2012 - 05.02.2012
Öffnungszeiten: Mi-So: 14-19 Uhr
grimmuseum.com/

Vivi Kallinikou

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Too many Rivers
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