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Berlin Daily 22.11.2019
Künstlerinnenführung

17.30 Uhr: Mia Florentine Weiss führt in das Konzept ein und verknüpft auf dem Weg durch das begehbare Kreuz die Reflexion der Geschichte mit Hoffnungen auf eine vereinte europäische Zukunft. Museum Nikolaikirche | Nikolaikirchplatz | 10178 Berlin

(Einspieldatum: 31.07.2012)

Kubus oder Kuppel? Architektur und Religion

Wenn Moscheen in Hinterhöfen untergebracht oder in Gewerbegebieten eingebettet sind und wenn kein Minarett in die Höhe ragt, stört sich zumindest in der Regel niemand an der Architektur. Sobald jedoch moderne muslimische Gotteshäuser zu sehr europäischer Architektur entsprechen, zu hoch gebaut, traditionell geprägt oder auffällig in Szene gesetzt sind, birgt dies oft ein erhebliches Konfliktpotential. Dieses hoch sensible Thema neuer Moscheebauten in Europa behandelt die Ausstellung Kubus oder Kuppel. Moscheen - Perspektiven einer Bauaufgabe, die vom 27.07. bis 30.09. in de ifa-Galerie zu sehen ist.

Unter den vier Kategorien Neue Wege, Zeitgenossenschaft, (Un)-sichtbarkeit und Begegnungen gibt die Ausstellung in Text und Bild, unter anderem auf Schautafeln, Fotografien und Videos den vielschichtigen Diskurs wieder. Soll ein modernes muslimisches Gotteshaus an die Heimat erinnern oder neu und repräsentativ wirken? Gleichzeitig - als Gebäude im öffentlichen Raum - müssen Formen gefunden werden, die möglichst vielen Interessen gerecht werden.

Nach dem Entwurf der Albert-Heijn-Moskee in Amsterdam, der 2001 von Tarik Sadouma und Bastiaan Franken realisiert wurde und auf deutliche Kritik stieß, verwandelte sich eine ehemalige Supermarktfiliale in einen Gebetsraum. Das typografisch abgewandelte Logo, das als “Allah” wiederkehrt, ziert in Form von kachelartigen Kunststoffflächen Wände und Decken und lässt in innovativer Form System Kunst auf System Islam treffen. Vorgeworfen wurde den Architekten mit ihrem Entwurf, lediglich die Oberfläche an zu kratzen und das Verständnis des Islam durch ihre Spielereien nicht zu fördern.

An die Moderne der 1950er Jahre und das Werk Arne Jacobsens erinnert der Entwurf der ersten eigenständigen Moschee Dänemarks in Aarhus, entstanden 2007 durch die gegründete “Islamic League” aus elf islamischen Organisationen. Nicht nur als Gebetsraum, sondern ebenso als Plattform für Dialoge soll die Moschee dienen, deren Entwurf genau ein Jahr nach dem Skandal um die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht wurde. Der Bau verzichtet auf Ornamente und orientalischen Dekor und knüpft an die dänische Tradition der Moderne.

Bautypologie und Ästhetik des modernen Moscheenbaus, sowie die Frage, inwieweit Europa bereit ist, andere kulturelle Formen aufzugreifen, zu integrieren und weiter zu entwickeln werden in der ifa- Galerie zum Teil in etwas sperrigen Texten ausführlich behandelt. Explizite künstlerisch-architektonische Vorschriften zum Moscheebau, so wird klar, gibt es nicht. Wenn eine Wand exakt nach Mekka ausgerichtet ist, ist die einzige Voraussetzung erfüllt - der Rest liegt im ästhetischen Ermessen des Architekten und des Auftraggebers.

Um fünf künstlerische Arbeiten wird das Ausstellungskonzept erweitert: Die Künstlerin und Architektin Azra Akšamija behandelt in ihrer Serie, der “Dirndlmoschee”, in Form von Kleidungsstücken transkulturelle Prozesse und Begegnungen in religiösen Räumen. Eine Schürze, die umfunktioniert werden kann zum Gebetsteppich aus wasserdichtem Material oder eine Gebetskette aus Schweizer Taschenmessern, also Motive aus verschiedenen Religionen, markieren Grenzbereiche von Architektur und Religion.
Ein schmaler Grad zwischen ernsthafter Auseinandersetzung und ironischer Provokation.
Die fotografischen Arbeiten “Moscheen in Deutschland” von Wilfried Dechau zeigen Moscheen im Kontext deutscher Stadtszenarien. Dechau untersucht dabei das spannungsreiche Verhältnis von Architektur und Umgebung und stellt neben bauliche Aspekte ebenso intime Momente und persönliche Beziehungen.
Boran Burchardts erweiterte die Centrum-Moschee Hamburg im Stadtteil St. Georg durch zwei neue Minarette, über deren Design von der Glaubensgemeinschaft abgestimmt werden konnte. Anstatt eines Honorars erhielt der Künstler das Versprechen vom Imam, die “Minarette jederzeit zu Ausstellungszwecken ausleihen zu dürfen.”
Neben Haseeb Ahmeds skelettartigen Installationen aus Holz, die danach fragen, wie sehr die Wahrnehmung angesichts islamischer Bauformen durch bereits geformte Vorstellungen geprägt ist, zeigt außerdem das studentische Projekt “Die unsichtbare Stadt” von Johannes Buchhammer, wie sich Moscheen in Stuttgart präsentieren. Dafür entwickelte er zwei neue Buchseiten für Ernst Neuferts Standardwerk zur Bauentwurfslehre.

Ob Kuppel oder Kubus, zeitgenössische Architektur der Moscheen in Europa brechen das abstrakte Bild des unbekannten Gebetshauses für Menschen aller Konfessionen. In der Architektur manifestiert sich das islamische Gemeindeleben.
Eine adäquate Formensprache zu finden, um den Konflikt zwischen Moderne und Tradition in Architektur und Religion innovativ zu beleben, wird die nächste Generation Architekten weiterhin vor Herausforderungen stellen.

Kubus oder Kuppel. Moscheen - Perspektiven einer Bauaufgabe
ifa-Galerie Berlin
Linienstraßr 139/140
10115 Berlin
27.07. - 30.09.2012
ifa.de/ausstellungen

Luzie Sieckenius

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Titel zum Thema Kubus oder Kuppel:

Kubus oder Kuppel? Architektur und Religion
Ausstellungsbesprechung: Wenn Moscheen in Hinterhöfen untergebracht oder in Gewerbegebieten eingebettet sind und wenn kein Minarett in die Höhe ragt...

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