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B3 Biennale

(Einspieldatum: 05.06.2013)

„Denkzettel“ im öffentlichen Raum: Your Brain is Your Brain - Ausstellungsprojekt von Adib Fricke

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Copyright Adib Fricke

Haben Sie sich vielleicht gefragt, was all diese Plakate mit kurzen prägnanten Sätzen, wie „dein Gehirn macht dich glücklich“ oder „du gehst anderen auf die Nerven“ sollen, die seit letzter Woche im Berliner Stadtraum zu sehen sind? Dachten Sie über Sinn und Herkunft dieser Werbeaktion nach oder mussten Sie hin und wieder schmunzeln? Oder waren Sie zuerst genervt, weil Sie hinter dem Slogan „dein Darm denkt mit“ eine versteckte Actimel-Reklame vermuteten? Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit „ja“ beantworten können, hat das von Adib Fricke (geb. 1962 in Frankfurt a.M., lebt in Berlin) konzipierte Kunstprojekt „Your Brain is Your Brain“ bereits seine Wirkung erzielt. Klassische Großflächenplakate an 110 Standorten, vorrangig in Mitte, Kreuzberg und Schöneberg, zeigen knackig formulierte Slogans des Wortkünstlers Fricke, die ihren Betrachtern Denkanstöße geben sollen. Den zehn in weißer Schrift vor knalligem Grund formulierten Schlagzeilen ist gemeinsam, dass sie auffallen, neugierig machen oder irritieren und in jedem Fall eine Nachwirkung haben. Sie laden dazu ein, sich auf eine Gedankenreise zu begeben – und über die Funktionsweise des eigenen Gehirns nachzusinnen.

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Als „Kampagne für das Denken“ beschreibt der Künstler sein öffentliches Projekt, das in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und dem Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité stattfindet. Die Aktion basiert auf einem wissenschaftlichen Dialog, bei dem Fricke kunstwissenschaftliche Aspekte mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen vereint. Auf seiner Projektplattform, bedeutungslabor.com, sind zu allen zehn Slogans der Aktion Kurztexte von Neurowissenschaftlern zu finden. Die Texte kommentieren die Sätze des Künstlers anhand aktueller Forschungsergebnisse.

Adib Fricke hatte sich während einer einjährigen Recherchephase intensiv mit dem Phänomen der „Neuroplastizität“ auseinandergesetzt. Dieser wichtige Forschungsgegenstand der Neurowissenschaften beschäftigt sich mit der Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich permanent zu verändern, um sich neuen Gegebenheiten anpassen zu können, beziehungsweise neue Dinge zu erlernen. Nach den neuesten Erkenntnissen der Forschung werden auch im Erwachsenenalter immer wieder neue Nervenzellen und Synapsen gebildet (Neurogenese). Auch wenn die Ursachen für die Erneuerung der Nervenzellen noch nicht vollständig bewiesen sind, wird davon ausgegangen, dass Neurogenese als Grundlage der Neuroplastizität wesentlich an der Gedächtnisleistung und an Lernprozessen beteiligt ist. Diese kann der Mensch bis ins hohe Alter ausbauen.

Die Quintessenz aus seiner Auseinandersetzung mit diesem komplexen Themenbereich verdeutlicht Fricke auf zum Teil ironische Weise in seinen „werbewirksamen“ Slogans.

Mit dem Satz „dein Gehirn macht dich glücklich“ spielt er beispielsweise auf das Glückshormon Dopamin an. Dieser Neurotransmitter wird immer dann im Gehirn ausgeschüttet, wenn man etwas erreicht hat, eine kognitive Herausforderung bewältigt oder neue Erfahrungen gesammelt hat. Das Gehirn verfügt also über eine innere “Motivationsspritze”, die Lernprozesse belohnt und Menschen dazu anspornt, über sich hinauszuwachsen.

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Die Frage nach dem „Ich“ als Form des eigenen Bewusstseins, die Philosophen und Gelehrte bereits seit ewigen Zeiten beschäftigt, beantwortet Adib Fricke im Einklang mit der Neurowissenschaft kurz und bündig: „dein Ich ist eingebildet“. Alles was wir sind, fühlen oder tun, stammt aus dem Inneren unseres Kopfes. Unser Selbst ist also nur eine Illusion, erzeugt durch ein circa 1300 Gramm schweres graues Gewebe: unser Gehirn.

Der Slogan „du gehst anderen auf die Nerven“ referiert auf die Entdeckung der Spiegelneuronen, Nervenzellen, die nicht erst beim Ausführen einer Handlung aktiv werden, sondern bereits dann, wenn diese bei anderen Menschen beobachtet wird. Spiegelneuronen spielen auch auf emotionaler Ebene eine entscheidende Rolle: Sie sollen maßgeblich an der Empathie-Fähigkeit des Menschen beteiligt sein. Es wird angenommen, dass wir die Gefühle anderer mitunter nicht nur beobachten, sondern diese gleichzeitig auch im eigenen Gehirn erzeugt werden. Das Verhalten unserer Mitmenschen kann uns also buchstäblich auf die Nerven (-zellen) gehen.

Weitere Denkzettel gefällig? Die Plakate der Kampagne „Your Brain is Your Brain“ können noch bis zum 8. Juni 2013 an öffentlichen Orten in Berlin, die sonst der Konsumwerbung vorbehalten sind, besichtigt werden. Die genauen Standorte lassen sich der Internetseite entnehmen.

Adib Fricke: Your Brain is Your Brain
Ein öffentliches Kunstprojekt zum menschlichen Gehirn
Vom 28. Mai bis 8. Juni 2013 auf Plakatwänden in Berlin-Mitte, Kreuzberg und Schöneberg
bedeutungslabor.com

Rebecca Freiwald

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