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B3 Biennale

(Einspieldatum: 28.09.2014)

Deutsche Luft. Luca Vitone im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.)

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Luca Vitone, Räume, 2014, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2014, ©Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

Der Schritt in Luca Vitones „Imperium“ ist vor allem eins: blendend. Denn außer den makellos weißen, von Neonröhren beleuchteten Galeriewänden ist hier erst mal gar nichts zu sehen. Handelt es sich etwa um die Neuauflage von Yves Kleins legendär-leerem Galerieraum „Le Vide“ von 1958, in dem die verblüfften Besucher vor weißen Wänden und einer leeren Vitrine standen? Doch Leere riecht anders. Der italienische Künstler Luca Vitone lässt im n.b.k. einen Duft verströmen, der eher an muffig-überfüllte Behörden denn an avantgardistische Ikonoklasmen erinnert und irgendetwas zwischen frisch verklebtem Industrieteppich, aufdringlichem Männerparfüm, Lilien und süßlichem Schweiß evoziert. Zusammen mit der Meisterparfümeurin Maria Candida Gentile wollte Vitone die olfaktorische Formel für „Macht“ finden (Imperium, 2014). Nichts daran wirkt heroisch. Nur ziemlich ungelüftet.

Im Raum nebenan geht es schon klassischer zu. Hier hängen vier monumentale, ordentlich in Holz gerahmte Aquarelle in gedeckten Grautönen (Räume, 2014). Was wie abstrakt-ästhetische Monochrommalerei wirkt, ist aus dem staubigen Bodensatz der vier mächtigsten staatlichen Institutionen unserer Gesellschaft geschaffen: der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, sowie Bundestag und Pergamonmuseum in Berlin. Dort hat Vitone gründlich gefegt und aus dem Inhalt der Kehrschaufeln für jede Institution eine Aquarellfarbe gemischt, die von schmuddeligem PVC-Bodenbraun über Aktenordnergrau bis hin zu edler Marmorfarbe reicht. Neben Staub- und Fusselklumpen sind darin einzelne Haare oder Papierschnipsel zu finden, die ebenso wie Vitones anti-heroischer Duft das Machtvolle an der Macht dekonstruieren und zum Banalen werden lassen.

Luca Vitone, Räume, 2014, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2014, ©Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

Lässt sich Vitones „Imperium“ also doch in den Kontext jener institutionskritischer Künstler stellen, die seit in den 60er Jahren mit ähnlichen Mitteln (nicht zuletzt auf Kleins „La Vide“ aufbauend) institutionelle Orte und deren Mechanismen entmanteln und kritisch hinterfragen? Durch das Abklatschverfahren schafft Vitone Historiengemälde, die von den Wirtschafts-, Rechts-, Politik- und Kulturinstitutionen buchstäblich selbst gemalt werden. Sie entlarven aber weniger die Machtstrukturen der vier Institutionen an sich, sondern deren Selbstdarstellung. Was zunächst durchaus den Gesten zeitgenössischer Machtrepräsentation entspricht – majestätisch leere Empfangshallen mit monumentalen Werken abstrakter Kunst – wird auf humorvolle, subversive Art aufgebrochen und mit einer dicken Schicht Muff überzogen.

Nur, woher kommt er eigentlich, dieser latent aufdringliche Geruch? Im n.b.k. strömt er aus zwei kleinen Öffnungen, die den White Cube wie überdimensionierte Nasenlöcher durchstoßen. Hinter der Wand befinden sich zwei mit dem Parfüm gefüllte Kanister, die an eine Pumpe angeschlossen sind und die Macht zerstäuben, unablässig, so lange bis sie leer ist.

Luca Vitone. Imperium.
Ausstellungsdauer: 20. September – 9. November 2014
Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.): nbk.org
Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin
Öffnungszeiten: Di-So 12-18 Uhr / Do 12-20 Uhr

Verena Straub

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