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Galerie Kuchling
„WO MICH NIEMAND KENNT“ Eduard Bigas über Walter Benjamin
Eduard Bigas
Eduard Bigas, Music for the masses, 2025, 31 cm x 41 cm, Collage, tea, ink and watercolour on paper
22. November – 30. Januar 2026
Ausstellungseröffnung am 22. November, 18–22 Uhr
Eduard Bigas, geboren 1969 im katalanischen Palafrugell, nähert sich in seiner neuen Ausstellung einer der prägendsten intellektuellen Figuren des 20. Jahrhunderts: Walter Benjamin. Für Bigas ist er nicht nur eine historische Gestalt seiner Zeit, sondern ein metaphorischer Geist, dessen Gedankenwelt bis in unsere Gegenwart hineinreicht – in eine Zeit, die erneut von politischen Umbrüchen, technologischen Beschleunigungen und autoritären Tendenzen geprägt ist.
Bigas’ biographische Verortung zwischen Katalonien und Berlin schließt dabei auf eigentümliche Weise einen Kreis: Unweit seines Geburtsortes liegt Portbou, wo Benjamin 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten den Tod fand; Berlin hingegen, Benjamins Geburtsstadt, ist heute Bigas’ Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Diese geografische wie geistige Topografie bildet den Hintergrund seiner künstlerischen Auseinandersetzung.
Eduard Bigas, Letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz, 2025, 31 cm x41 cm, Collage, tea, ink and watercolour on paper
In “
Wo mich niemand kennt” greift Bigas zentrale Motive Benjamins auf – das Fragmentarische, die Aura des Kunstwerks, das Spannungsfeld von Original und Reproduktion. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Collage, Tusche auf Papier, Zeichnungen mit Graphit auf Leinwand und konzeptueller Fotografie. Durch die Montage von Bildfragmenten entsteht ein vielstimmiges Universum, das Benjamins eigene gedankliche Methodik spiegelt.
Den Titel der Ausstellung entlehnt Bigas einer Notiz aus Benjamins letztem Brief: „Es ist in einem kleinen Dorf in den Pyrenäen, wo mich niemand kennt, dass mein Leben zu Ende gehen wird.“ Dieser Satz wird zum Leitmotiv, das sich in den Werken als melancholischer, aber auch poetischer Widerhall niederschlägt.
Inspiration bezieht Bigas aus Schriften wie Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und den Sonetten. Zugleich öffnet er mit seiner visuellen Sprache einen eigenen Zugang zu Benjamin: intuitiv, poetisch, fragend. Seine Kunst lädt dazu ein, nicht nach endgültigen Antworten zu suchen, sondern die offenen Fährten von Benjamins Denken weiterzuführen und neu aufleben zu lassen.
Eduard Bigas, Das Fließen der Zeit, 2025, 31 cm x41 cm, Collage, tea, ink and watercolour on paper
In “
Wo mich niemand kennt” verdichten sich Erinnerung, Ort und Philosophie zu einer stillen Hommage an Walter Benjamin – und zugleich zu einer Reflexion über unsere Gegenwart.
Die Galerie Kuchling freut sich, Eduard Bigas erneut die Möglichkeit zu geben, seine Arbeiten zu präsentieren, und lädt herzlich zum Besuch der Ausstellung ein.
Text: Josephine Müller
BIOGRAFIEN
Eduard Bigas (geb. 1969 in Palafrugell, Katalonien) lebt und arbeitet in Berlin. Bereits mit 19 Jahren zeigte er seine erste Einzelausstellung. Seitdem wurden seine Werke international präsentiert – unter anderem in Berlin, Barcelona, Madrid, London, Venedig, Miami, Amsterdam und Taiwan. Zehn Jahre lang lebte er in London, bevor ihn ein Kunstprojekt nach Berlin führte.
Bigas’ Arbeitsweise ist geprägt von Präzision, Instinkt und einer fast meditativen Versenkung in das Material. Seine Werke entstehen aus einem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Intuition: aus Linien, Formen und Farben, die sich zu mikroskopischen Welten verdichten – mal still, mal eruptiv. Beeinflusst von Naturbeobachtung, fernöstlicher Ästhetik und philosophischer Reflexion erschafft Bigas Bildräume, die Schönheit als Erfahrung des Unbegreiflichen erfahrbar machen.
Walter Benjamin (1892 in Berlin – 1940 in Portbou, Spanien) war Philosoph, Kulturkritiker und Übersetzer. Er gilt als einer der wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts. Mit seinem unverwechselbaren Stil zwischen Literatur, Philosophie und Theologie entwickelte er eine Sprache, die Denken fühlbar machte. Seine Schriften – darunter Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Über den Begriff der Geschichte und Einbahnstraße – prägen bis heute unser Verständnis von Kultur, Erinnerung und Wahrnehmung.
Benjamin analysierte die Moderne in all ihren Widersprüchen: die Spannung zwischen Fortschritt und Verlust, zwischen technischer Reproduktion und der Aura des Einmaligen. Sein Werk ist geprägt vom Versuch, das Flüchtige festzuhalten – jene kurzen, leuchtenden Momente, in denen Geschichte, Bild und Erfahrung miteinander verschmelzen.
Für unsere Gegenwart bleibt Benjamin von ungebrochener Relevanz. In einer Zeit gesellschaftlicher Zersplitterung und globaler Krisen erinnert er uns an die Notwendigkeit von Einheit und Zusammenhalt, an das Bewusstsein für gemeinsame Geschichte und Verantwortung. Seine Gedanken sind Mahnung und Hoffnung zugleich: dass im Fragmentarischen, im Vielstimmigen und im gemeinsamen Erinnern eine Möglichkeit liegt, Zukunft zu gestalten.
Text: Josephine Müller
Galerie Kuchling
Karl-Marx-Allee 123
10243 Berlin
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