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Haus am Kleistpark | Projektraum

What is washed returns as language

Mahsa Aleph

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Details aus: Jowhar, Textrollen und Tränenfänger mit Tinte, 2021, © Mahsa Aleph

english below

Die in Berlin lebende iranische Künstlerin Mahsa Aleph arbeitet an der Schnittstelle von Film, Installation und Text. In ihren Werken untersucht sie das Verhältnis von Sprache, Materialität und Erinnerung. Worte, Bilder und Objekte erscheinen dabei nicht als feste Bedeutungen, sondern als wandelbare Zustände, die sich fortwährend überschreiben, verändern und neu formieren.

Im Zentrum der Präsentation stehen die Installation Jowhar (2021) und die Filmarbeit Reanimation (2026), die beide von Kreisläufen des Verschwindens und Wiederkehrens erzählen.

Der Ausstellungstitel What is washed returns as language verbindet als gedankliche Klammer beide Werke: Was verloren, ausgelöscht oder zurückgelassen scheint, verschwindet nicht vollständig, sondern kehrt in veränderter Form wieder zurück.

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Details aus: Jowhar, Textrollen und Tränenfänger mit Tinte, 2021, © Mahsa Aleph

Ausgangspunkt von Jowhar ist ein Begriff arabischen Ursprungs, der im Persischen sowohl Essenz als auch Schreibtinte bezeichnen kann, eine für die Arbeit zentrale Doppelbedeutung. Die Installation selbst besteht aus mit Tinte beschrifteten Papierbahnen und einer skulpturalen Anordnung aus Metall und mit Tinte gefüllten kleinen Gefäßen, sogenannten „Tränenfänger”. Auf den Papierrollen wird ein Satz fortwährend wiederholt: „Die Zukunft ist nichts anderes als ein Teil der Vergangenheit, der in Vergessenheit geraten ist.“ – eine Vorstellung, die dem Werk auch materiell eingeschrieben ist.

Im Entstehungsprozess der Arbeit wäscht die Künstlerin die Schrift aus dem Papier heraus. Die dabei gelöste Tinte wird aufgefangen und in Behältern gesammelt, was auf eine historische Praxis in der iranischen Kultur verweist, bei der „Tränenfänger” als Zeichen von Erinnerung und Trauer an Gräbern befestigt werden.

Was scheinbar ausgelöscht wird, bleibt so in anderer Form erhalten. Die Tinte wird zur Essenz der Worte, die nicht verschwinden, sondern sich verwandeln und neu einschreiben. Eine begleitende Videodokumentation gibt Einblicke in den künstlerischen Schaffensprozess und macht ihn für die Besuchenden als körperliche und zeitliche Handlung erfahrbar.

Die Vorstellung einer fortdauernden Verwandlung prägt auch die neue Filmarbeit Reanimation. Entstanden in den Randgebieten Teherans, folgt sie den materiellen Überresten einer Stadt im Wandel. Türen aus abgerissenen Häusern gelangen auf Deponien und werden dort zum Baumaterial neuer Behausungen. Aus Fragmenten entstehen provisorische Architekturen, die Schutz bieten und zugleich die Spuren früherer Existenzen in sich tragen. Aleph beschreibt sie als „geliehene und zusammengeflickte Körper“ – fragile Konstruktionen zwischen Verlust und Neubeginn.

Der Film richtet den Blick auf Menschen, die in diesen Zwischenzuständen leben, und erzählt von Würde, Beharrlichkeit und der Fähigkeit, aus dem Zurückgelassenen neue Formen des Daseins hervorzubringen. Zuhause erscheint dabei nicht als fester Ort, sondern als etwas, das immer wieder neu hergestellt werden muss. Mit ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Berlin gewährt Mahsa Aleph Einblicke in eine künstlerische Praxis, die Erinnerung nicht als Bewahrung des Vergangenen versteht, sondern als einen fortwährenden Prozess von Überschreibung, Verlust und Neubildung. Zwischen Sprache und Materie, Ritual und Alltag entstehen Arbeiten von großer poetischer Kraft, in denen sich persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen und kulturellen Fragestellungen verbinden.

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Details aus: Jowhar, Textrollen und Tränenfänger mit Tinte, 2021, © Mahsa Aleph

Mahsa Aleph (*1990 in Ardabil, Iran) studierte Malerei an der University of Art
in Teheran. Sie erhielt verschiedene Förder- und Recherchestipendien, unter anderem von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der Akademie der Künste Berlin sowie vom Berliner Senat. Für ihre Arbeit Jowhar wurde sie 2023 mit dem Hauptpreis des State of the ART(ist) Award der Ars Electronica ausgezeichnet. 2026 zeigte der Tiroler Kunstpavillon in Innsbruck ihre erste Einzelausstellung in Österreich. Im selben Jahr erhielt sie das Istanbul-Stipendium des Berliner Senats.

Ausstellung
10.7.–20.9.2026

Eröffnung
Donnerstag, 9. Juli | 19 Uhr

Einführung
Dr. Angela Lammert, Leitung interdisziplinäre Sonderprojekte, Akademie der Künste, Berlin und Privatdozentin, Humboldt Universität zu Berlin

Artist Talk
Donnerstag, 27. August | 19 Uhr
mit Mahsa Aleph und Julia Rosenbaum, Kunsthistorikerin

Finissage und Führung
Sonntag, 20. September | 16 Uhr
mit Mahsa Aleph und Dr. Kristina Schrei, Kunsthistori- kerin und Kuratorin

Haus am Kleistpark | Projektraum
Grunewaldstraße 6–7
10823 Berlin
Telefon 90277-6964

Eintritt frei
Kein barrierefreier Zugang
Di–So 11–18 Uhr

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The Berlin-based Iranian artist Mahsa Aleph works at the intersection of film, installation, and text. In her work, she explores the relationship between langu- age, materiality, and memory. Words, images, and objects appear not as fixed meanings, but as fluid states that constantly overwrite, transform, and reform themselves.

The exhibition features the installation Jowhar (2021) and the film Reanimation (2026), both of which tell of iterations of disappearance and return.

The exhibition title What is washed returns as language serves as a conceptual link between the two works: What seems lost, erased, or left behind does not disappear completely, but returns in a different form.

The starting point for Jowhar is a term of Arabic origin meaning “essence,” which in Persian came to denote writing ink—a double meaning central to the work. The installation itself consists of paper rolls inscribed with ink and a sculptural arrangement of metal elements and ink-filled tear catchers. A single sentence recurs continuously across the paper rolls. “The future is merely a part of the past which has been forgotten.”—a conception that is inscribed in the work in material form.

While creating the work, the artist washes the writing out of the paper. The artist collects the ink that is dissolved in the process in the containers, a reference to a historical practice in Iranian culture in which “tear catchers” are attached to graves as a symbol of remembrance and mourning.

What appears to be erased is thus preserved in a different form. The ink beco- mes the essence of the words, which do not disappear but are transformed and re-inscribed. An accompanying video documentation records the artistic pro- cess, highlighting its nature as a physical and time-bound act.

The notion of ongoing transformation is also at the core of the new video-based work Reanimation. Created in the outskirts of Tehran, it follows the material remnants of a city in transition. Doors from demolished houses end up in land- fills and then become building materials for new abodes. Makeshift architectural structures emerge from fragments and offer shelter while simultaneously bea- ring the traces of past lives. Aleph describes them as “a borrowed, patchwork body assembled from the parts of others”—fragile constructions poised bet- ween loss and new beginnings.

The film focuses on people living in these liminal states and speaks of dignity, perseverance, and the ability to bring forth new forms of existence from what has been left behind. Home does not appear as a fixed place, but as something that must be continuously recreated.
With her first institutional solo exhibition in Berlin, Mahsa Aleph offers insights into an artistic practice that understands memory not as the preservation of the past, but as an ongoing process of overwriting, loss, and reformation. Between language and matter, ritual and everyday life, she creates works of great poetic power in which personal experiences relate to social and cultural issues.

Mahsa Aleph (*1990 in Ardabil, Iran) studied painting at the University of Art
in Tehran. She has received various grants and research fellowships, including ones from the Braunschweig University of Art, the Academy of Arts Berlin, and the Berlin Senate. For her work Jowhar, she was awarded the grand prize of the State of the ART(ist) Award by Ars Electronica in 2023. In 2026, the Tyrolean Art Pavilion in Innsbruck presented her first solo exhibition in Austria. In the same year, she received the Istanbul Fellowship from the Berlin Senate.

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