
Neue Ausstellung in der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank
9. September bis 6. Dezember 2026
Die Ausstellung Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity beleuchtet die Verbindungen zwischen Vietnam und der DDR aus künstlerischer Perspektive. Sie untersucht, wie die Solidarität mit Vietnam während des Vietnamkrieges in der Kunst der DDR dargestellt wurde, wie diese Bilder heute gelesen werden und wie zeitgenössische Künstler:innen die Erfahrungen vietnamesischer Migrant:innen reflektieren.
Die DDR unterhielt seit den 1950er-Jahren diplomatische Beziehungen zu Nordvietnam (Demokratische Republik Vietnam) und setzte diese nach der Vereinigung zur Sozialistischen Republik Vietnam fort.
Die internationale Solidarität mit dem „sozialistischen Bruderstaat“ schlug sich auch in der künstlerischen Bildproduktion der DDR nieder.
Privatbesitz, © Nachlass Trịnh Kim Vinh, Foto: Claudia Borchers
Der Vietnamkrieg (1955-1975) spielte dabei eine zentrale Rolle. Zahlreiche Plakate, Grafiken und Gemälde entstanden zwischen staatlichem Auftrag, antiimperialistischer Propaganda und künstlerischer Eigenständigkeit.
Die in der Ausstellung gezeigten Werke, u. a. aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank, machen diese Ambivalenzen sichtbar. Politische Botschaften verknüpfen sich mit kulturellen Zuschreibungen und persönlichen Projektionen, beispielsweise in den Bildern von Dieter Goltzsche, Doris Kahane oder Hans Vent.
Einige Künstler:innen der DDR reisten selbst in die Demokratische Republik Vietnam. So entstand 1970 zum Beispiel die Mappe Vietnam – das geht dich an! von Wolfgang Speer und Peter Westphal.
Ein weiterer Schwerpunkt gilt vietnamesischen Kunstschaffenden, die im Rahmen bilateraler Abkommen in der DDR studierten, wie die Künstlerin Trịnh Kim Vinh. Ihre Werke verbinden vietnamesische Bildtraditionen, Einflüsse der klassischen Moderne und Aspekte des sozialistischen Realismus.

Zeitgenössische Positionen verhandeln zudem die Erfahrungen vietnamesischer „Vertragsarbeiter:innen“, von denen in den 1980er-Jahren ca. 60.000 in die DDR kamen.
Die Arbeiten von Nguyễn Phương Thanh, Fungi, Minh Duc Pham und Tra My Nguyen erweitern den historischen Diskurs um Fragen von Selbst- und Fremdwahrnehmung, postmigrantischer Identitätsbildung sowie Erinnerung.
Ausgehend von Familiengeschichten, Dokumenten und materiellen Hinterlassenschaften eröffnen sie neue Zugänge zu einer sozialistischen Migrationsgeschichte, die im kollektiven Gedächtnis Deutschlands nur bruchstückhaft vorkommt.
Weiterhin verweisen sie auf die Diskrepanzen zwischen der offiziellen Solidaritätsrhetorik der DDR und der Lebensrealität der Vietnames:innen, die oft von Ausgrenzung und Fremdbestimmung geprägt war. Bei einer Schwangerschaft blieb beispielsweise häufig nur die Wahl zwischen Abtreibung und Rückreise.
So thematisiert Minh Duc Pham mit seiner Installation Krank ist krank und Fliegen ist fliegen (2026) anhand von Recherchen und eigenen Erinnerungen die Reise- und Reproduktionsrechte vietnamesischer „Vertragsarbeiter:innen“ und die Transformation ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kalten Krieg.
Die Ausstellung lädt dazu ein, den Begriff der internationalen Solidarität kritisch zu hinterfragen und bietet Anknüpfungspunkte an aktuelle Debatten zu globaler Verbundenheit. Wie wird Solidarität definiert, erlebt und bis heute neu ausgehandelt?
Künstler:innen:
Theo Balden, Annemirl Bauer, Gerhard Bondzin, Claudia Borchers, Manfred Böttcher, Manfred Butzmann, Fritz Cremer, Fritz Duda, Fritz Eisel, Wolfgang Frankenstein, Wieland Förster, Fungi, Dieter Goltzsche, Lea Grundig, Rolf Händler, Sabine Herrmann, Uta Hünniger, Doris Kahane, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Tra My Nguyen, Nguyễn Phương Thanh, Minh Duc Pham, Veronika Radulovic, Robert Rehfeldt, Willi Sitte, Wolfgang Speer, Trần Việt Sơn, Erika
Stürmer-Alex, Max Uhlig, Hans Vent, Trịnh Kim Vinh, Heidi Vogel, Peter Westphal
Kurator:
Nam Nguyen, Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank
Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank
Kunstsammlung der Berliner Volksbank
Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity
9. September bis 6. Dezember 2026
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen
Eintritt 5, ermäßigt 3 Euro, bis 18 Jahre frei
Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank, Kaiserdamm 105, 14057 Berlin
Tel.: 030 30 63-17 44; E-Mail: kunstforum@berliner-volksbank.de
Wir empfehlen zur Anfahrt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen (S-Ringbahn Messe
Nord/ICC, U2 Sophie-Charlotte-Platz oder Kaiserdamm)