
Ausstellung und Veranstaltungsprogramm
17. Oktober 2026 – 3. Januar 2027
Eröffnung: 16. Oktober 2026, 18 Uhr
Seit 1969 ist die nGbK ein Ort, an dem Künstler:innen und Kurator:innen regelmäßig Perspektiven auf die Berliner Stadtgesellschaft zur Diskussion stellen. Ab diesem Herbst widmet sich eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen dem Wandel der demokratischen Öffentlichkeit: wer in ihr zu Wort kommt, was in ihr sichtbar wird und wie sie sich verändert.
Wie über den Krieg in Gaza gesprochen werden kann, bewegt die deutsche Öffentlichkeit gegenwärtig wie kaum eine andere Frage. Die Diskussion wird in Politik, Medien und Wissenschaft geführt und betrifft auch Kulturinstitutionen. Sie berührt eine Erinnerungskultur, die aus der Verantwortung für die Shoah hervorgegangen ist, und die Frage, welche Erfahrungen in ihr Raum finden. In Berlin lebt die größte palästinensische Community Europas. Ihre Familiengeschichten und Biografien sind Teil dieser Stadt und werden dennoch selten erzählt.
Die Ausstellung Palästina zwischen Augen nimmt diese Beobachtung zum Ausgangspunkt. Sie fragt nicht in erster Linie, was wir sehen, sondern wie wir sehen. Sie geht davon aus, dass Wahrnehmung weniger von der Zahl der Bilder abhängt als von den Rahmungen, in denen wir sie betrachten. Anders sehen heißt dann, eingeübte Sehgewohnheiten zu hinterfragen und zu erweitern. Das gilt für Bilder aus Gaza ebenso wie für die Stadt, in der sie gezeigt werden.
Die künstlerischen Arbeiten nähern sich dieser Frage auf unterschiedliche Weise. In Film und Video, Installation, Sound, Fotografie und Zeichnung geht es um Landschaft und Alltag, um Erinnerung und Exil, um das Zeugnisgeben und um die Bedingungen, unter denen Bilder entstehen und entschwinden. Sie nutzen öffentliche und familiäre Archive, um deutsch-palästinensische Geschichte zu erzählen, oder befassen sich mit der palästinensischen Diaspora in Deutschland. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Mohamed Abusal, Shiva Addanki, Basma al-Sharif, Sophie Ataya, Yuval Carasso, Pary El-Qalqili, Dirar Kalash, Talya Lubinsky, Jumana Manna, Stellar Meris, Natascha Sadr Haghighian und Joshua Schwebel.
Aus dem kuratorischen Statement, nGbK Arbeitsgruppe Palästina zwischen Augen:
„Palästina zwischen Augen greift in den Bereich des Ästhetischen ein. Das Projekt bekräftigt unsere kollektive Verantwortung als Kulturschaffende, soziale Normen zu hinterfragen, die Umfang und Richtung unseres Blicks begrenzen. Anstatt sich der Gleichgültigkeit zu beugen, laden die Ausstellung und das begleitende Veranstaltungsprogramm dazu ein, unsere Aufmerksamkeit auf die Rahmungen zu richten, die diese Gleichgültigkeit ermöglichen. Damit bestehen wir auf der Notwendigkeit eines öffentlichen Raums, in dem wir uns erneut zu einem kollektiven Sensorium versammeln und gemeinsam versuchen können, einander im Gewicht dieses Augenblicks zu halten.“
Sophie Goltz, nGbK Geschäftsführerin:
„Die nGbK ist seit ihrer Gründung ein Ort der bildenden Kunst, an dem Mitglieder ihre Themen selbst setzen und öffentlich zur Diskussion stellen. Diese Ausstellung folgt diesem Auftrag. Sie wurde auf der Hauptversammlung 2025 von den Mitgliedern der nGbK gewählt und von der Arbeitsgruppe im Laufe eines anderthalbjährigen Prozesses entwickelt. Auch in der nGbK sind die Diskussionen um Israel und Palästina vielstimmig und uneinheitlich. Kunst kann einen Raum schaffen, in dem Ambivalenzen gestaltet, ausgehalten und reflektiert werden, ohne sie vorschnell aufzulösen. Uns ist wichtig, dass die Sicherheit jüdischen Lebens und die Anerkennung palästinensischer Erfahrung nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir laden dazu ein, sich ein eigenes Bild zu machen.“
Künstler:innen: Mohamed Abusal, Shiva Addanki, Basma al-Sharif, Sophie Ataya, Yuval Carasso, Pary El-Qalqili, Dirar Kalash, Talya Lubinsky, Jumana Manna, Stellar Meris, Natascha Sadr Haghighian und Joshua Schwebel
nGbK-Arbeitsgruppe: Hannah Beilharz (bis Juli 2026), Yuval Carasso, Talya Lubinsky, Joshua Schwebel, Gabriela Manda Seith
Eröffnungsprogramm
Freitag, 16. Oktober, 18 Uhr
Eröffnung
Samstag, 17. Oktober, 17 Uhr
Before the spark, after the fire: the revolutionary potential of the image
Podiumsdiskussion mit Shiva Addanki, Mohamed Abusal und Fadi Abdelnour. Moderiert von Talya Lubinsky
Weitere Veranstaltungstermine finden Sie auf
Bei allen Veranstaltungen steht ein Awareness-Team zur Verfügung. Der Verein verfügt zudem über eine Beschwerdestruktur.
nGbK
Karl-Liebknecht-Straße 11/13
1. Etage (Zugang über Rolltreppe)
10178 Berlin
Öffnungszeiten: Di–So 12–18, Fr 12–20 Uhr
Eintritt frei
Der Besuch mit Rollstuhl und Kinderwagen ist barrierefrei möglich.