Während draußen die Frühlingssonne die Menschen auf die Straßen lockt, ist es im Haus am Waldsee dunkel und warm, so dass man beim Eintritt zunächst die Lichtflecken aus den Augen blinzeln muss. In Rey Akdogans Installation Carousel #11 verbinden bronzene Stäbe aus nicht eindeutig bestimmtem Material Decke und Boden. Erst bei näherem Herantreten geben sie sich als Flitterfäden zu erkennen, die durch die sie umgebende Bewegungslosigkeit in vermeintlicher Stabilität und Starrheit eingefroren scheinen.
Das Sirren und Klacken von Diaprojektoren erfüllt die Räume, genauso wie die Hitze und jene Nostalgie, welche die Geräte – auf Dauerbetrieb wohl kaum angelegt – ausstrahlen. Die Atmosphäre verdichtet sich zu einem Gefühl der Zeitlosigkeit: die schwere Luft, das eintönige Rauschen der Lüfter, das Netzhaut ergreifende Leuchten der Projektionen an der Wand. All das webt universale Erinnerungen an Freitagnachmittage im Schulunterricht in die Wahrnehmungen der Besuchenden ein.
Handgefertigte 35-mm-Dias projezieren Leuchtbilder an die Wände. Sie zeigen Ebenen ohne erkennbare Semantik und Muster jenseits jeder Regelmäßigkeit. Die Bilder entstehen aus materiellen Überlagerungen, die die Künstlerin vorgenommen hat. Das Licht durchleuchtet die Materialität – banales Verpackungsmaterial wird im Lichtkarusell der mikroskopischen Untersuchung unterzogen. Wer lang genug vor den rotierenden Bildern verweilt, erahnt in den Fragmenten vielleicht irgendwann ein großes Ganzes. Der von Rey Akdogan geschaffene Raum verpflichtet sozusagen zur Kontemplation.
Den Wintergarten transformiert Rey Akdogan in ein dunkles Kabinett, das buchstäblich ein Scheinwerferlicht auf die Fliesen am Boden wirft. So verschiebt sich die Wahrnehmung zu einer anderen Raumerfahrung – der sonst helle Ort mit Sicht nach Draußen wird in seinen Details beleuchtet und in den Fokus gesetzt. Der Innenraum wird zum Objekt der Betrachtung.
Ein vorsichtiger Blick hinter den Vorhang und durch die abgedunkelten Fenster gibt die Sicht auf ein Werk im Außenraum frei: Ein bronzener Lamettavorhang hängt von der Brüstung des Hauses am Waldsee. Im Gegensatz zum statischen Auftakt der Ausstellung flirrt, fliegt und schimmert hier das Material. Diese Einklammerung wirft Fragen nach dem Wesen der Materialien auf: Entspricht ihr Sein ihren immanenten stofflichen Eigenschaften oder ist es die Umwelt, die unsere Wahrnehmung von ihnen prägt?
Wer seine meditative Einkehr im Skulturenpark des Hauses am Waldsee fortsetzen möchte, um vielleicht andächtig auf den See zu starren und über den Zustand der Dinge nachzudenken, dem wird immer wieder der schillernde Vorhang ins Blickfeld tanzen – deutlich lebendiger als alles andere um ihn herum.
Parallel ist im Haus am Waldsee die Ausstellung "Open" mit Arbeiten von Gianna Surangkanjanajai zu sehen.
Rey Akdogan
Carousels
Laufzeit 20.02. bis 25.05.2026
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
14163 Berlin
www.hausamwaldsee.de







