52 Grad nördlicher Breite, 13 Grad östlicher Länge: Auf diesen Koordinaten ist der Ausstellungsraum des Deutschen Künstlerbunds zu finden. Und genau hier vereint die Schau ATLANTINNEN. deep dive. measuring. spirit. 52°/13° die künstlerischen Positionen von Monika Linhard, Zuzanna Skiba und Elvira Lantenhammer, die in dieser Formation bereits zum dritten Mal zusammenkommen. Die Ausstellung markiert zugleich das Finale des Jahresthemas Gleichstellung und Sichtbarkeit von bildenden Künstlerinnen im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums des Deutschen Künstlerbundes. So suggeriert nicht nur der Titel der Ausstellung ein Anliegen von globaler Bedeutung – mit dieser Setzung formuliert der Künstlerbund zugleich einen klaren Anspruch auf die politische Auseinandersetzung mit feministischen Themen.
Monika Linhards kinetische Rauminstallation Double Square zieht beim Eintritt alle Aufmerksamkeit auf sich. Von der Decke hängt ein Vorhang aus Aluminiumlamellen – darauf projiziert ist ein Vorhang aus Aluminiumlamellen im Wald. Während das physische Objekt im Raum verharrt, weht in der Projektion ein Wind durch die Lamellen und gibt dem sperrigen Material eine ungewohnte Leichtigkeit. Eine immersive Audioaufnahme komplettiert diese Erfahrung, sodass die mediale Inszenierung beinahe greifbarer wirkt als die unmittelbare materielle Präsenz. Linhard spielt mit der doppelten Ansicht zwischen Außen und Innen, ein Blick in die Zwischenräume der Lamellen lohnt sich.
Auf der anderen Seite der Galerie entfaltet sich in den Öl-Gemälden Landscape_BONE und Over the Bridge von Zuzanna Skiba - einer ausgebildeten Kartographin - ein ähnliches Spiel mit perspektivischer Unschärfe wie in Double Square. Man könnte in ihnen ein Panorama eines Feldwegs von oben im Weitwinkel sehen, oder eine mikroskopische Detailaufnahme einer Zellwand. In ihrer Haptik glatt und strukturiert zugleich lenken die Bilder den Gedankenstrom hin zum faszinierenden Perfektionismus der Natur. Aus vielen Mikrostrukturen erwächst eine kohärente Landschaft, die sich auch im Großen wie im Kleinen widerspiegelt. Zur Atlantin dieser Welt wird jede Zelle um uns herum.
Wie eine Flut bahnt sich hingegen Elvira Lantenhammer mit Japanese Siteplan einen Weg durch die Sichtachsen im Galerieraum. Im Gegensatz zu den anderen Positionen manifestiert sich hier die Welt in Abstraktion. Grelle Signalfarben auf intuitiv gesetzten Quadern lenken die Aufmerksamkeit auf das Trägermaterial – sei es in der großen Papierrolle, die sich von den Treppen in den Raum zu ergießen scheint oder in den filigranen Rollen, die auf drei Stelen am Fenster einen Wunsch nach Introspektion hervorrufen. Das genutzte Shoji-Papier ist ein transluzentes Papier, welches in Japan seit Jahrhunderten seine Verwendung in der Raumgestaltung (Lampen und Raumtrenner) und Kunst (z.B. in der Kalligraphie) findet. Für Lantenhammer sind die Rollen eine materialisierte Erinnerung an ihre Erfahrungen in Japan – eine Karte, die den Weg zu ihren Emotionen weist.
Die ausgestellten Werke sind Ergebnisse ästhetischer Feldforschung, künstlerische Vermessungen individueller Reisen – räumlich und seelisch. Diese Einordnung erfordert ein tieferes Verständnis der Biografien der Künstlerinnen (die der Deutsche Künstlerbund mit Auslegeblättern begleitend bereitstellt).
Die unterschiedlichen Positionen finden im Raum weniger über ein gemeinsames Sujet zueinander, sondern vielmehr durch die vertrauten Beziehungen der Künstlerinnen untereinander – dennoch drängt sich die Frage auf, ob hier ein Bezug zu den globalen feministischen Diskursen besteht. Die Atlantinnen greifen danach – und tragen vielleicht am Ende doch primär ihren eigenen Kunstkosmos auf den Schultern.
Laufzeit
20.03. bis 02.07.2026
Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag, 14.00 – 18.00 Uhr
Deutscher Künstlerbund
Markgrafenstraße 67
10969 Berlin
www.kuenstlerbund.de
Gallery Weekend
Jeweils um 15 Uhr Führung durch die Ausstellung in Anwesenheit der Künstlerinnen Elvira Lantenhammer, Monika Linhard, Zuzanna Skiba
Freitag, 01. Mai 2026 | 12 – 21 Uhr
Samstag, 02. Mai 2026 | 12 – 19 Uhr
Sonntag, 03. Mai 2026 | 12 – 17 Uhr
Künstlerinnengespräch
Dienstag, 16. Juni 2026 | 18 Uhr
Finissage & Präsentation der Sonderedition
Donnerstag, 2. Juli 2026 | 18 Uhr






